Söder hat große „Bauchschmerzen“

Super-Gau statt Supercup: Corona-Katastrophe bei Bayern-Spiel in Ungarn? FCB-Fans reagieren

Der europäische Supercup verursacht bei Ministerpräsident Söder und anderer Politiker große Bauchschmerzen. Kommt es zu einem "Fußball-Ischgl"?

  • Der FC Bayern hat die Champions League gewonnen und sich für den europäsichen Supercup qualifiziert, der am Donnerstag in Budapest steigen soll.
  • Das Spiel verursacht bei Ministerpräsident Söder und anderen Politikern große Bauchschmerzen.
  • Kommt es zu einem „Fußball-Ischgl“?

München - Supercup oder Super-Gau? Am Donnerstag steigt die Partie, die nicht nur beim bayerischen Landesvater Markus Söder erhebliche „Bauchschmerzen“ verursacht. Die Rede ist vom Duell zwischen Champions-League-Sieger Bayern München und Europa-League-Sieger Sevilla, das im Corona-Hotspot Budapest steigen soll. Die Zahlen vom Sonntag lassen es einem eiskalt den Rücken herunterlaufen: 1070 Fälle meldete die ungarische Hauptstadt – bislang trauriger Rekord. Und zugleich ein Dorn im Auge zahlreicher Politiker, die nicht verstehen, wie die UEFA weiterhin an ihren Plänen festhalten kann und die Partie sogar mit Zuschauern auf den Rängen der Puskas Arena stattfinden lassen will.

Das Budapester Rund sollte mit bis zu 30 Prozent der Gesamtkapazität gefüllt werden – oder wie es UEFA-Boss Aleksander Ceferin nannte: ein „Pilotprojekt“, das „nützliche Erkenntnisse“ mit Blick auf die Rückkehr von Fans in die europäischen Stadien bringen soll. Nur allzu verständlich, dass Söder dieser Tage wenig Lust auf Experimente dieser Art verspürt. „Wir müssen sehr aufpassen, dass wir da nicht eine Art Fußball-Ischgl riskieren“, mahnte der bayerische Ministerpräsident, der beim Kick in Budapest ein ähnliches „Superspreading-Event“ befürchtet wie bei den famosen Après-Ski-Partys im Frühjahr. Und auch die Bayern selbst scheinen wenig begeistert zu sein von ihrer anstehenden Dienstreise. „Das ist eine Sache, die man nicht so ganz versteht“, meinte Trainer Hansi Flick.

Ein Corona-Test (Symbolbild).

FC Bayern/Markus Söder: Trip nach Ungarn „unvernünftig“

Dem Triple-Sieger wurden von der UEFA 3000 Tickets bereitgestellt, von denen laut Angaben des Vereins zunächst rund 2100 (Sevilla nur 500) an den Mann gebracht wurden. Vor Ort, so versicherte der Kontinentalverband im Vorfeld der Partie, werde auf alles geachtet: ausreichend Abstand auf den Rängen, Maskenpflicht sowie Gesundheits-Checks an den Einlässen. Am Montag und Dienstag fanden für Bayern-Fans im Gästeparkhaus der Allianz Arena die für die Einreise erforderlichen Corona-Tests statt, allesamt gratis. Sorgen macht Söder aber vielmehr das, was hernach im Risikogebiet passiert. „Wir können das nicht mit 2000, 3000 Leuten riskieren, die sich dann möglicherweise verständlicherweise in den Armen liegen. Dann haben wir eine Riesen-Infektionswelle“, so der CSU-Politiker.

Um das zu verhindern, will er Taten sprechen lassen. Ein Trip nach Ungarn sei „unvernünftig, deswegen werden wir auch die Quarantäne-Verordnung noch mal ändern“, kündigte der Franke an. Demzufolge sollen Rückkehrer auch dann in Quarantäne müssen, wenn sie kürzer als 48 Stunden im Ausland waren – eine Regelung, die ursprünglich für Berufspendler gedacht war und im Falle der Mannschaft des FCB weiterhin greift. Kein Wunder also, dass Bayerns kommender Bundesliga-Gegner am Sonntag aus Hoffenheim „ein Restrisiko“ sieht.

Die UEFA habe sich die Entscheidung „sehr schwer gemacht“, so Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei Sky90. „Sie wollte zielbewusst einen ersten Schritt zurück in Richtung Normalität gehen. Grundsätzlich halten wir das für möglich und nachvollziehbar.“ Viele Bayern-Fans nicht. 800 Rote, die schon ein Ticket hatten, haben sich kurzfristig gegen eine Reise entschlossen und kostenfrei storniert. Damit sind es nur noch 1300 Rote in Budapest – und weiterhin wohl 1300 zu viel. - José Carlos Menzel López

Kommentar von Günter Klein: Nicht in diesem großen Rahmen!

Es ist okay, wenn die UEFA austesten will, inwieweit man zur Stadionnormalität zurückkehren kann. Wer gar nichts wagt, wird keine Erkenntnisse gewinnen. Vor ein paar Wochen haben die Pläne, für das Supercup-Match einen Teil der Tore zu öffnen, auch ihre Berechtigung gehabt. Ja, dafür kann man solch ein Spiel um einen Titel, der sich im Briefkopf gut macht, aber nicht als existenziell wahrgenommen wird, hernehmen. So viel Fan-Tourismus müsste zu verkraften sein. Doch eine Infektionslage ist nun mal dynamisch. Und so wie sie sich in Ungarns Hauptstadt zuletzt entwickelt hat, ist es nicht zu verantworten, dass man dort eine Fußballpartie vor Zehntausenden Zuschauern austrägt.

Das Superspreadercup-Match darf nicht in dem angestrebten großen Rahmen stattfinden. Fußball ist wichtig, die Fan-Teilnahme an diesem Spiel aber in keiner Form systemrelevant. Das mag manchen, der sich auf das Erlebnis Budapest freut, treffen – aber es traf vergangene Woche auch die, die Tickets gehabt hatten für den Auftakt des FC Bayern in München oder den 1. FC Köln. - Günter Klein

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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