Verena Schweers im tz-Interview über ihr Leben als Fußballerin beim FC Bayern

Verena Schweers: „Wir Frauen gehen vorher nicht zum Frisör“

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Durch den 4:2-Sieg im direkten Duell zogen Schweers (re., Nr. 22) & Co. am vergangenen Wochenende mit Liga-Spitzenreiter und Titelverteidiger VfL Wolfsburg gleich.

Verena Schweers (ehem. Faißt) hat 41 Länderspiele für Deutschland bestritten, zudem zwei Mal die Meisterschaft und Champions League gewonnen. Und trotzdem erkennt kaum jemand die 29-Jährige, wenn sie durch München schlendert.

Die Abwehrspielerin des FC Bayern spricht im tz-Interview über die Probleme des Frauenfußballs, fehlende Akzeptanz und darüber, was sie und ihre Kolleginnen den Männern voraus haben.

Frau Schweers, Ihr Team ist mit einem 4:2-Sieg gegen Tabellenführer Wolfsburg in die Rückrunde gestartet. 2200 Zuschauer waren beim Topspiel am Campus dabei. Ordnen Sie diese Zahl mal ein.

Schweers: Wir sind sehr froh, dass so viele Zuschauer gekommen sind. Wir spielen sonst immer im Grünwalder Stadion vor 350 bis 500 Zuschauern. Jetzt das Top-Spiel mit 2200 Zuschauern: das ist eine Bestätigung unserer Leistung. Es war eine super Stimmung!

In Zukunft also immer am Campus?

Schweers: Wir wollen auf jeden Fall am Campus spielen. Wir trainieren hier, wir sind hier zu Hause. Durch den Wechsel an den Campus hat sich alles professionalisiert. Wir waren davor in Aschheim, sozusagen auf einem Dorfplatz. Jetzt sind wir den nächsten Schritt gegangen.

Sie und Wolfsburg haben bisher jeweils erst eine Partie verloren. Der FCB hat u.a. 10:1 und 9:0 gewonnen. Hat die Frauen-Bundesliga ein Niveauproblem?

Schweers: Das Gefälle nimmt immer mehr zu, das war in den vergangenen Jahren nicht so – deshalb muss der DFB aufpassen. Die Ligen in England, Frankreich und Spanien holen enorm auf. Viele Spielerinnen sind im letzten Sommer ins Ausland gewechselt, auch deutsche. Das ist für die Entwicklung und Attraktivität nicht gut.

Nervt es, dass die Männer im gleichen Beruf so viel mehr Geld verdienen?

Schweers: Wir investieren so viel in den Sport, vielleicht sogar noch mehr als die Männer. Aber am Ende müssen wir mit dem zufrieden sein, was wir bekommen. Ich versuche immer positiv zu denken und zu schauen, wie gut es einem eigentlich geht. Ich kann das machen, was ich liebe. Die Männer haben nach der Karriere ausgesorgt. Wenn bei uns Frauen Schluss mit dem Leistungssport ist, gehen wir in einen ganz normalen Job. Deshalb ist es für uns auch umso wichtiger, ein zweites Standbein zu haben.

Wie genau sieht das bei Ihnen aus?

Schweers: Ich habe zu meiner Zeit beim VfL Wolfsburg eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Seitdem ich beim FC Bayern spiele, habe ich privat erst als Nanny gearbeitet, weil ich später einen Beruf anstrebe, der sich mit Kindern befasst. Mir ist schnell bewusst geworden, dass ich ein Studium brauche, wenn ich später wirklich in diesem Bereich arbeiten will. Jetzt studiere ich im dritten Semester Soziale Arbeit.

Wie sieht der Alltag mit Studium aus?

Schweers: Ich mache ein Fernstudium, dabei kann ich frei einteilen, wann ich was mache. Es ist viel Aufwand und benötigt viel Disziplin, aber ich weiß, wofür ich es mache. Ich versuche, morgens vor dem Training schon drei, vier Stunden zu lernen. Mir ist aber auch wichtig, ein bisschen Zeit für mich zu haben. Mein Mann und ich wohnen direkt in der Stadt – da will ich auch mal Bummeln oder ins Cafe gehen.

Ist es ein Vorteil im Vergleich zu den Männern, dass Sie unerkannt durch die Stadt laufen können?

Schweers: Es gibt bei mir überhaupt keine Berührungspunkte mit Fans, da bin ich ehrlich gesagt auch sehr froh drüber. Ich sehe im Privatleben aber auch anders aus als auf dem Fußballplatz – ich kann ja nicht mit offenen Haaren spielen (lacht). Wenn David Alaba oder Manuel Neuer in die Stadt gehen, werden sie schnell erkannt und haben viele Menschen um sich.

Ihre Worte verdeutlichen das Problem, dass Frauenfußball auch in Deutschland teilweise noch immer belächelt wird. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Schweers: Ehrlich gesagt bekommen wir bis heute die Vorurteile in der Gesellschaft mit. Es heißt dann: ‚Frauenfußball? Och nee. Die können das doch gar nicht.‘ Ich denke, dass sich die Leute keine Meinung bilden können, ohne uns zu kennen und uns spielen gesehen zu haben. Unser Spiel ist vielleicht nicht so schnell und robust wie der Männerfußball, aber dafür ehrlicher und taktisch gleich. Ehrlicher, weil wir nach einem Foul nicht am Boden liegen und fünf Rollen machen, sondern einfach wieder aufstehen. Bei den Männern ist deutlich mehr Theatralik dabei, das gibt’s bei uns nicht. Übrigens auch keine Frisörbesuche am Abend vor dem Spiel (lacht).

Hat sich die Akzeptanz des Frauenfußballs in den letzten Jahren denn erhöht?

Schweers: Wenn man den Zuschauerschnitt sieht, eher nicht. Die Entwicklung in Deutschland stockt ein bisschen, andere Länder überholen uns gerade. Deshalb ist es ist wichtig für die Bundesliga, dass die deutschen Spielerinnen gehalten werden und auch Spielerinnen aus anderen Ländern die Liga verstärken.

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