Wie plant der Bundestrainer?

Jogis Problemkinder: FCB-Stars außer Form, England-Legionäre im Stress

Niklas Süle schaut etwas verwirrt auf dem Weg zu Bayern-Bank.
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Niklas Süle war zuletzt verletzt und ist daher noch nicht in Topform

Joachim Löw bereitet sich auf seine letzte EM vor. Seine Problemkinder spielen in England - und beim FC Bayern München.

München - Die EM ist das letzte große Turnier für Joachim Löw (61) als Bundestrainer. Und ausgerechnet kurz vor dem Turnierstart hat der Weltmeister-Coach mit ein paar Herausforderungen zu kämpfen...

Leon Goretzka (26) wurde am Samstag beim 6:0 des FC Bayern gegen Gladbach in der 60. Minute eingewechselt. Nur zehn Minuten später musste der zentrale Mittelfeldspieler wieder vom Platz. Grund: ein Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel. Eine komplizierte Verletzung, wegen der er laut kicker sogar eventuell den Auftakt der Europameisterschaft am 15. Juni gegen Frankreich verpassen könnte. Nicht die einzige Baustelle der deutschen Nationalmannschaft. DFB-Alarm vorm EM-Start!

Vier DFB-Spieler im Champions-League-Finale - drei Bayern-Stars außer Form

Von 28. Mai bis 5. Juni soll die Turnier-Vorbereitung der Löw-Auswahl in Seefeld in Tirol stattfinden. Mit den Chelsea-Stars Antonio Rüdiger (28), Timo Werner (25) und Kai Havertz (21) sowie ManCity-Taktgeber Ilkay Gündogan (30) stehen vier DFB-Spieler im Champions-League-Finale am 29. Mai in Istanbul (Türkei). Offen, wann das Quartett zum Trainingslager hinzustoßen wird. Klar ist jedenfalls: Einen Teil der EM-Vorbereitung werden diese Stars verpassen. Nicht ideal...

Weitere Herausforderung: Drei Bayern-Meister, die bei Löw eigentlich gesetzt sind, sind außer Form. Innenverteidiger Niklas Süle (25) fiel zuletzt mit einem Muskelfaserriss im linken Oberschenkel wochenlang aus, braucht dringend Spielpraxis.

FC Bayern/Nationalmannschaft: Sané und Gnabry haben ihre Flauten beendet

Auf eine Leistungsexplosion in den verbleibenden zwei Liga-Spielen in Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr) und gegen Augsburg (22. Mai, 15.30 Uhr) hoffen auch Leroy Sané (25) und Serge Gnabry (25). Beide waren im April mehr als 15 Stunden ohne Tor-Beteiligung. Immerhin: Bei ihren 30-Minuten-Einsätzen gegen Gladbach wurde dieser Negativ-Lauf beendet, Gnabry bereitete das Sané-Tor vor. Und bei der deutschen Nationalmannschaft waren die beiden Offensivstars in den letzten drei Spielen an fünf Toren beteiligt.

Zwei, die seit Monaten überragend aufspielen, sind Thomas Müller (31) und Jamal Musiala (18). Das Super-Talent mit Doppelstaatsbürgerschaft entschied sich im Februar gegen England und für Deutschland. Der Sportschau sagte er damals: „Eine EM in München zu spielen wäre natürlich ein großer Traum, und ich werde alles dafür tun, um mich durch gute Leistungen in der Rückrunde dafür zu empfehlen.“ Das ist ihm definitiv gelungen.

DFB: Thomas Müller hofft auf eine Nominierung von Löw

Auf eine Nominierung von Löw hofft auch Müller. Der Bayer wurde 2019 neben Mats Hummels (32/Dortmund) und Jerome Boateng (32) von Löw beim DFB ausgebootet. Es wäre eine Riesen-Überraschung, sollte der Bundestrainer Müller, der seit Monaten in Top-Form spielt, nicht rechtzeitig zur EM-Vorbereitung zurückholen. Zumal Jogi für das anstehende Turnier 26 statt der bisher 23 Spieler in sein EM-Aufgebot nehmen kann. Das UEFA-Komitee hatte für Nationalmannschaften eine entsprechende Regeländerung empfohlen, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu verringern. Bisher durften die Teilnehmerteams bei Welt- und Europameisterschaften 20 Feldspieler und drei Torhüter nominieren.

Interessant wird auch zu sehen sein, wie die Nationalmannschaft die Nachfolge-Diskussion um Löw ausblendet. Es wäre dem DFB zu empfehlen, die Entscheidung pro Hansi Flick möglichst vor Turnierstart zu verkünden, um weitere Unruheherde im Laufe der Europameisterschaft zu vermeiden. Das sieht übrigens auch Karl-Heinz Rummenigge so. Zumal der Verband wegen seines Machtkampfs zwischen Präsident Fritz Keller und seinem Vize Rainer Koch ohnehin öffentlich in der Kritik steht. Philipp Kessler, Manuel Bonke

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