Lücken in der Abwehr

Kurz vor FCB-Saisonstart: Hamann schlägt Alarm! „Verlust, der nicht zu ersetzen ist“

Dietmar Hamann im Jahr 2016
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Dietmar „Didi“ Hamann (Archivbild)

Der FC Bayern ist in den Augen von Ex-Nationalspieler und Sky-Experte Didi Hamann für die bevorstehende Bundesligasaison zu dünn besetzt.

München - Für die Verpflichtung von Dayot Upamecano (22) hat der FC Bayern trotz Corona-Sparkurs tief in die Tasche gegriffen. Für knapp 43 Millionen Euro wechselte der bullige Innenverteidiger von RB Leipzig nach München. Damit ist „Upa“ zweifelsohne der diesjährige Königstransfer der Roten – und von Anfang an als Abwehrchef gefordert. Gemeinsam mit seinem französischen Landsmann Tanguy Nianzou (19) bildete er in der bisherigen Vorbereitung die Stammformation in der Innenverteidigung unter Trainer Julian Nagelsmann (34).

Das Duo wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den ersten beiden Pflichtspielen der Saison im Pokal gegen Fünftligist Bremer SV (Freitag 20.45 Uhr, Sport 1) und eine Woche später beim Bundesliga-Auftakt in Mönchengladbach (20.30 Uhr, Sat 1) in der Startelf stehen. Denn: Niklas Süle trainierte nach seinen Rückenproblemen gestern erstmals wieder. Lucas Hernandez (Knie-OP) fällt länger aus.

Verletzungen und Abgänge beim FC Bayern München: Didi Hamann ist alarmiert

Durch diese Verletzungen und die Abgänge von David Alaba (Real Madrid) und Jerome Boateng (noch ohne Verein) sind die Münchner in den Augen von Ex-Nationalspieler und Sky-Experte Didi Hamann für die bevorstehende Saison zu dünn besetzt: „Sie haben mit Alaba und Boateng eine Innenverteidigung verloren, die nicht zu ersetzen ist. Upamecano ist kein Sprecher – aber du brauchst jemanden, der hinten organisiert. Upa ist ein herausragender Spieler, hat aber auch noch den einen oder anderen Fehler in seinem Spiel. Nianzou wird als bester junger Spieler gehypt, aber den musst du führen.“

Was Hamann meint: Ohne Alaba und Boateng fehlen der Mannschaft zwei Lautsprecher in der Abwehr, die mit ihren Kommandos für Ordnung in der Defensive sorgen. „Hernandez ist viel verletzt, Davies fällt jetzt schon aus und Süle hat immer wieder mit Fitnessproblemen zu kämpfen. Nagelsmann muss in der Innenverteidigung erst einmal ein Pärchen finden, das 40 oder 50 Spiele miteinander spielen kann. Auf dieser Position tauscht du als Trainer nämlich nicht gerne durch“, erklärt der frühere Bayern-Spieler.

FC Bayern München: Didi Hamann sieht den Schwachpunkt in der Abwehr

Darum glaubt Hamann, dass die Abwehr der Schwachpunkt des FC Bayern sein wird: „In der Verteidigung muss es passen! Du kannst nicht einfach drei oder vier tolle Spieler hinstellen und sagen: Das wird schon funktionieren! Dieses Sprechen und Führen zeichnet eine Abwehr aus. Du brauchst hinten eine Basis, ansonsten ist es unheimlich schwer, eine Balance zu schaffen. Nicht nur in der Spitze, auch in der Breite ist die Abwehr ihre Achillesferse. Darum könnten sie hinten noch ein oder zwei Spieler brauchen.“

Schlagen die Bayern trotz Corona-Sparkurs also vielleicht doch nochmal auf dem Transfermarkt zu? Hamann schließt das auch wegen der holprigen Saisonvorbereitung nicht aus: „Wenn fast du jedes Vorbereitungsspiel verlierst, ist das nicht zufriedenstellend. Ich könnte mir vorstellen, dass Nagelsmann den Gang zum Sportvorstand sucht und fragt: Könnte ich noch ein, zwei Spieler haben?“

Bayern-Kader in der Kritik:

Auch im Hinblick auf den erneut eng getakteten Spielplan nach der diesjährigen EM und der bevorstehenden Weltmeisterschaft 2022 sieht Hamann den schlanken Kader der Bayern kritisch: „Das Champions-League-Turnier in Lissabon ist erst ein Jahr her, dann waren viele Spieler jetzt bei der Europameisterschaft. Das ist ein unglaubliches Pensum für die Spieler – und es wird auch nicht weniger. Aber die Erwartungshaltung in München ist trotzdem hoch.“ Gladbach sei zum Auftakt eine „ganz harte Nuss. Und wenn man schlecht in die Saison startet, wird der Druck sehr schnell größer“.

Wenn Hamann es jemandem zutraut, den maximalen Erfolg aus dem aktuellen Kader herauszukitzeln ist es Julian Nagelsmann. In seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim und RB Leipzig habe er aus wenige unheimlich viel gemacht. „Seine Mannschaften und Spieler sind unheimlich schnell gewachsen. Aber die Spieler, die er jetzt in München hat, muss er nicht besser machen“, sagt Hamann und erklärt: „Er muss sie bei Laune halten und schauen, dass sie ihm folgen und vertrauen. Aber ich traue ihm zu, dass er das packt.“ Und vielleicht erhält Nagelsmann dafür ja doch noch unerwartet personelle Verstärkung. (bon)

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