Freiburger nimmt FCB in Schutz

"Die Bayern sind einfach kaputt"

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Felix Klaus (r.) im Zweikampf mit Rafinha.

Freiburg - Der SC Freiburg feiert den Coup gegen FC Bayern - und nimmt den Rekordmeister gegen Wettbewerbsverzerrungs-Vorwürfe in Schutz.

Christian Streich stürzte nach dem Abpfiff in Richtung Kabine, doch es gab kein Durchkommen für den ausgeflippten Trainer des SC Freiburg. So ruderte der 49-Jährige wild mit den Armen, verlor doch das Gleichgewicht und sank darnieder. Unversehrt und wieder gefasst tauchte Streich später vor den Kameras auf - „nix passiert“. Auch seine Mannschaft hatte sich im nervenaufreibenden Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga immer wieder berappelt und mit dem 2:1 (1:1)-Coup gegen Meister FC Bayern München am Samstag selbst belohnt. „Als wir am Boden lagen, sind wir aufgestanden. Jetzt dürfen wir nicht anfangen zu spinnen und zu fliegen“, warnte Streich.

Als Nils Petersen zwei Minuten nach seiner Einwechslung das großartige Zuspiel von Karim Guédé zum 2:1 (88.) verwandelte, erlebte das mit 23 900 Zuschauern ausverkaufte Schwarzwaldstadion eine emotionale Explosion. Der Torschütze - mit beachtlichen acht Treffern in nur elf Spielen - sprach von einer „absoluten Befreiung“.

Wie eine Meisterschaft feierten die Freiburger mit ihren freudetrunkenen Fans kurz darauf den Sieg. Für sie war es der gefühlte Klassenerhalt. „Noch eine Woche im Tunnel“, mit diesen Worten schwor Streich noch in der Kabine sein Team auf das Saisonfinale beim Mitkonkurrenten Hannover 96 ein.

„Was wir alles erlebt haben mit dieser Mannschaft... Aber sie hört einfach nicht auf“, lobte der SC-Chefcoach seine Stehaufmännchen und meinte mit der ihm eigenen Demut: „Wir können immer noch absteigen, aber wir haben die Möglichkeit, vielleicht zu bleiben.“ Ein Punkt würde reichen, um nicht auf Schützenhilfe angewiesen zu sein.

„Freiburg wollte mehr und hat mehr Kampf gezeigt, um zu gewinnen“, räumte Bayern-Trainer Pep Guardiola nach der dritten Bundesliga-Niederlage der Bayern nacheinander ein. So etwas hatte es 1998 zuletzt gegeben. „Für uns war es nach der deutschen Meisterschaft nicht leicht. Wir haben jetzt noch ein Spiel gegen Mainz, dann geht es in den Urlaub und in die Zukunft.“

Vier Tage nach dem Champions-League-Aus gegen den FC Barcelona nutzten die Bayern ihre spielerische Klasse und Überlegenheit nicht, um Bedenken wegen Wettbewerbsverzerrung auszuräumen. In den ersten 20 Minuten spielten die Münchner den Sportclub her, dass es deren Anhängern Angst und Bange wurde. Bastian Schweinsteiger erzielte in seinem 500. Pflichtspiel für die Bayern die Führung der Gäste in der 13. Minute. Ein Ballverlust des Nationalmannschaftskapitäns führte dann zum überraschenden 1:1 durch Admir Mehmedi (33.).

In der 57. Minute tobte das ganze Stadion, als Rafinha den einschussbereiten Mehmedi am Trikot zog und Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) den Breisgauern einen klaren Elfmeter verweigerte. Sechs Mal hatten die Freiburger in dieser Saison nach der 87. Minute noch einen Treffer kassiert. An diesem Tag schlugen die Abstiegskampfspezialisten selbst zu. „Wir müssen einfach besseren Fußball spielen als heute. Dafür müssen wir uns bei unseren Fans entschuldigen“, meinte Münchens Abwehrchef Jérôme Boateng.

Dass der 25-fache Meister das Ende einer schwierigen Spielzeit herbeisehnt, war nicht zu übersehen. Fast nichts zu sehen war von Robert Lewandowski, der mit seinen 16 Treffern im Kampf um die Torjägerkanone den Rückstand auf Frankfurts verletzten Alex Meier (19) nicht verringern konnte.

"Die sind einfach kaputt"

Dabei hatte Sportvorstand Matthias Sammer kurz vor dem Anpfiff versichert, dass die Münchner „alles“ geben werden. Viel war das am Ende nicht mehr. „Die sind einfach kaputt. Es wäre Schwachsinn, da was reinzuinterpretieren“, erklärte Freiburgs Angreifer Felix Klaus seine „Flasche-leer-Theorie“.

Nach dem Saisonfinale am kommenden Samstag gegen Mainz dürfen die Bayern nun die Schale hochhalten - und sich danach DFB-Pokalfinale und Champions-League-Endspiel am Fernseher ansehen.

dpa

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