Trotz Traumeinstand von Douglas Costa

Bayern erwägt weiteren Offensivtransfer

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Douglas Costa zeigte gegen den HSV eine Top-Leistung.

München - Douglas Costa hat im Bayern-Trikot einen perfekten Bundesliga-Einstand gefeiert. Dennoch denkt der Rekordmeister noch über einen weiteren Offensivtransfer nach.

Die Sonne stand hoch am Münchner Himmel an jenem 7. August 1993, sie raubte Kraft und sorgte zugleich für monumentale Motive. Als Adolfo Valencia vom Rasen des Münchner Olympiastadions ging, zeichnete sie den 1,83-Meter-Koloss auf dem Grün dunkel nach. Er habe der Konkurrenz einen langen Schatten hinterlassen, schrieben tags darauf die Zeitungen. Der Kolumbianer erzielte bei seinem Debüt für den FC Bayern beim 3:1 über Freiburg zwei Treffer, wuchtig, dass sich das Tornetz bis zur Tribüne ballte. Ein Star war geboren. Dachte man.

Kurz darauf war sein Glanz verblasst. Nur noch Schatten.

„El Tren“, der Zug, hatten ihn die Medien in Südamerika getauft. In München reichte man ihn nach nur einem Jahr an Atletico Madrid weiter, mit einem weniger charmanten Künstlernamen: „Der Entlauber“. Im Schusstraining an der Säbener Straße gefährdeten seine Beiträge mehr den Blattbestand am Spielfeldrand als das eigentlich anvisierte Tor. Wenn er Deutsch lernen sollte, versteckte er sich in der Badewanne, und wenn er spielen sollte, klagte er über „muchos dolores“, viele Schmerzen.

Man muss bei Debütanten aufpassen. Besonders, wenn sie lange Schatten werfen.

Karl-Heinz Rummenigge verzog am Freitag ein wenig gequält und auch ein wenig schelmisch die Lippen, als er nach dem 5:0 über den Hamburger SV um seine Einschätzung von Douglas Costa gebeten wurde. Der Brasilianer, den die Bayern im Sommer für 30 Millionen Euro von Schachtjor Donezk ausgelöst haben, hatte einen fabelhaften Einstand hingelegt, sein Name war nach dem Abpfiff in aller Munde. „Scheint ein guter Spieler zu sein“, sagte der Vorstandschef, worauf ein Reporter fast empört über so eine Zurückhaltung nachhakte: „Nur scheint?“ Rummenigge blieb hart: „Ich bin immer vorsichtig. Im ersten Spiel ist man oft motiviert – das muss man aber danach immer wieder unter Beweis stellen.“ Valencias Vermächtnis sind nicht in erster Linie Tore, bei denen sich die Tornetze bis zur Tribüne ballen.

Bayern erwägt weiteren Offensivtransfer

Das Erbe von „El Tren“ ist vielmehr, dass ein gelungenes Debüt noch längst kein Garant für eine Weltkarriere ist. „Wir müssen ihm helfen, auf dem Boden zu bleiben“, lautete auch eine von Pep Guardiolas Hauptbotschaften in der Analyse des Neuzugangs. Wie er seit seinem Dienstantritt aufgetreten ist, war durch die Bank beachtlich – aber er muss das Niveau halten, und es warten noch ganz andere Gegner als die völlig überforderten Verteidiger des Hamburger SV. Die härtesten davon sind übrigens gar keine Verteidiger. Und manche stehen selbst im gleichen Team.

„Dieser Costa macht sogar Ribéry Sorgen“, leitete die „BamS“ bereits unmittelbar nach dem ersten Saisonspiel ein Duell ein, das enormes Potenzial zum Dauerthema in den kommenden Monaten hat. Franck Ribéry saß am Freitag auf der Tribüne, seit fünf Monaten schon hat er dort seinen Stammplatz, und es wird geflüstert, seine Knochenhautentzündung mache eine Rückkehr vor der Winterpause unmöglich. Mit Pep Guardiola pflegt er ein angespanntes Verhältnis. Inzwischen erwägen die Bayern sogar noch eine weitere Verstärkung im Offensivbereich.

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Die Situation sei „schwierig für Francks Kopf“, sagte Arjen Robben. „Die Physis ist das eine – aber vom Kopf her ist es das Schwierigste. Das ist frustrierend.“ Der Niederländer kann sich ebenfalls bedroht fühlen, denn nach seiner Herausnahme wechselte Costa auf Robbens Arbeitsplatz nach rechts. Dort lieferte er die Szene des Spiels: Einen Pass von Mario Götze, den nach 69 Minuten beim Stand von 3:0 nicht mehr jeder erlaufen hätte, erwischte er und schlug dann mit dem linken Außenrist die Flanke zum 4:0. „Er bringt das Element mit, das uns gefehlt hat, als Arjen, Franck und David Alaba ausgefallen sind. Wir haben jetzt außen wieder Tempo“, sagte Philipp Lahm.

„El Tren“ ist aber nicht der Einzige, der Anlass zur Skepsis gibt. 1989 erzielten Radmilo Mihajlovic und Alan McInally beim 3:2 über Nürnberg alle drei Treffer, die Bayern feierten „Mic & Mac“. Die Freude währte aber auch da nicht lange. Ob sich Costa gegen besser geschulte Verteidiger auch durchsetzt? Und wie wird er den internen Konkurrenzkampf meistern? Mal sehen, wie lange dieser Neuzugang Schatten wirft.

Andreas Werner

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