eSport-Trainer im Interview

FCB-Coach Luttenberger: „Für den eSport ist die Krise eine Chance“

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Konsolen-Trainer: Luttenberger spielte einst aktiv.

Nebenjob Bayern-Trainer: Matthias Luttenberger (32) ist seit Dezember der erste eSport-Coach in der Geschichte des Clubs. Im Interview gibt er einen Einblick.

  • Matthias Luttenberger ist Trainer der eSport-Abteilung beim FC Bayern München. 
  • Der 32-Jährige war schon vor seiner Aufgabe glühender Fan des Rekordmeisters. 
  • Im Interviews spricht er über seine Aufgabe und Planungen über ein Duell mit den FCB-Stars.

Herr Luttenberger, erster eSport-Trainer des FC Bayern, wie wird man das?

Das war so nicht geplant. Als bekannt wurde, dass der FC Bayern eine Partnerschaft mit Konami eingeht, habe ich mich ab Sommer 2019 auf ein mögliches Engagement vorbereitet – damals aber noch als Spieler. Als ich dann tatsächlich zum ersten Mal mit dem FC Bayern Kontakt hatte, hat sich die Rolle als Trainer herauskristallisiert.

„Ich war sofort Feuer und Flamme“

Von einer Bayern-Anfrage träumen Millionen Fußballer. Wie war das für Sie?

Ich komme aus der Steiermark und die ist dem Bundesland Bayern sehr ähnlich. Wir haben einen ähnlichen kulturellen Hintergrund – Lederhosn, Helles, Würstl. Und als ich die Möglichkeit hatte, bei dem Projekt des FC Bayern im eSport mitzuwirken, war ich sofort Feuer und Flamme. Beim ersten Kontakt mit den Verantwortlichen habe ich mein erstes Bayern-Trikot getragen: es ist aus dem Jahr 2001, hinten drauf steht Jancker. Ich habe auch selbst bis zum 19. Lebensjahr Fußball gespielt, und im deutschsprachigen Raum war der FC Bayern immer mein Club.

Was genau macht ein eSport-Trainer?

Ich bin so ein bisschen das Mädchen für alles. Ich führe mit den Spielern Videoanalysen des eigenen Spiels durch, schaue mir mit ihnen die letzten Spiele der kommenden Gegner an. Ich sorge auch dafür, dass die Stimmung im Team gut ist. Der FC Bayern – wie alle anderen Teams – hat seine Mannschaft erst kurz vor Saisonbeginn zusammengestellt, wir hatten nur wenige Tage Vorlaufzeit bis zum ersten Spieltag. Ich musste also schnell schauen, dass die Kommunikation der Spieler passt und offen genug ist.

Konsolen-Duell mit Bayern-Profis geplant

Sie arbeiten als Kaffeeautomatenbarista im Familienbetrieb. eSport-Trainer ist also ein Nebenjob?

Ja, aktuell ist mein Engagement als eSport-Trainer noch ein Nebenjob. Ich würde schätzen, dass es rund 20 Stunden in der Woche sind. Während des Ligabetriebs war ich alle zwei Wochen von Freitagmorgen bis Sonntagnachmittag in Barcelona. An diesen Tagen geht das Pensum deutlich nach oben.

In der Corona-Krise nehmen immer mehr Profis an eSport-Veranstaltungen teil. Ist das eine Chance für Ihre Branche?

Gesellschaftlich ist es sehr traurig, was gerade passiert. Für den eSport ist es aber natürlich eine große Chance, ins Scheinwerferlicht zu kommen. Es sind zwar auch sehr viele große Events abgesagt worden, aber es gibt in der Corona-Krise eben auch Premieren wie den ersten digitalen Formel-1-Grand-Prix. Man sieht deutlich, dass das Interesse am eSport aktuell größer wird. Vereine haben derzeit keine Möglichkeit, die Zuschauer im Stadion oder beispielsweise an der Rennstrecke zu begeistern. Hier hat der eSport einen Vorteil.

Haben Sie oder Ihre Spieler schon mal eine Partie gegen die Bayern-Profis ausgetragen?

Bis dato gab es noch kein gemeinsames Event, aber ich denke, dass es in Zukunft Berührungspunkte geben wird – vielleicht ja noch während der Corona-Krise. Da sind wir gerade in den Planungen.

Interview: Jonas Austermann

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