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„Wurden gefeiert wie Popstars“: FCB-Präsident Hainer und Frauen-Boss Rech über das Barcelona-Spiel

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Von: Hanna Raif, Philipp Kessler

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Herbert Hainer und Bianca Rech FC Bayern Muenchen
„Die Tür ist immer offen für uns“: Bianca Rech über die Zusammenarbeit mit Herbert Hainer und seinen Kollegen aus der Führungsetage. © sampics

Highlight-Spiel im Dezember: Die Damen des FC Bayern empfangen den FC Barcelona in der Allianz Arena. Herbert Hainer und Bianca Rech können es kaum erwarten.

München – Der Countdown läuft: Am Mittwoch (21 Uhr) treffen die Frauen des FC Bayern in der Allianz Arena auf den FC Barcelona. Vor der Partie auf der großen Bühne trafen sich Präsident Herbert Hainer (68) und Bianca Rech (41), Sportliche Leitung der Frauenabteilung, zum Interview. Mit bester Laune – und voller Vorfreude.

Herr Hainer, Sie haben den Bayern-Frauen bei der EM gute Wünsche per Video zukommen lassen. Halten Sie das bei den Männern auch so – oder ist das exklusiv den Frauen vorbehalten?

Hainer: Das war in dem Fall exklusiv für die Frauen. Mit den Männern hat man an der Säbener Straße regelmäßiger Kontakt, weil unsere Fußballerinnen ja am FC Bayern Campus trainieren. Ich wollte ihnen zeigen, dass der Club an ihrer Seite steht. Die kleinen Botschaften sollten sie motivieren, und sie haben es sich verdient, dass man ihnen Wertschätzung vermittelt: Im Verein wie bei der Nationalelf bringen unsere Spielerinnen starke Leistungen. Georgia Stanway, die als Neuzugang damals noch kein Spiel für uns absolviert hatte, erzählt oft, dass sie durch diese Nachrichten schon einen ersten Eindruck bekommen hat, was es heißt, Teil der FC Bayern-Familie zu sein.

War das auch ein Zeichen nach dem Motto: Hey! Der Frauenfußball ist uns hier beim FC Bayern wichtig?

Hainer: Ja, aber wir belassen es ja nicht bei solchen Zeichen: Wir arbeiten seit Jahren intensiv daran, den Frauenfußball beim FC Bayern immer weiter zu professionalisieren, und ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Entwicklung auch beim Duell mit dem FC Barcelona in der Allianz Arena sehen werden, für das bereits 20.000 Tickets verkauft wurden – das bedeutet Rekordkulisse, wir schreiben ein neues Kapitel in unserer Frauenfußball-Geschichte. Mit dem 4:0 in Hoffenheim hat das Team zudem gezeigt, dass es in Schuss ist. Es wird ein besonderer Fußball-Abend.

Herbert Hainer und Bianca Rech FC Bayern Muenchen
Interview-Runde: Hainer, Rech, Raif, Kessler, Stüwe (v.l.). © sampics

Nach der EM hat sich ein Boom entwickelt. Mit Abstand betrachtet: Ist er nachhaltig?

Rech: Auf jeden Fall. Die EM war im Juli, und jetzt im Dezember ist weiter ganz klar eine Weiterentwicklung zu erkennen: Drei unserer letzten vier Bundesliga-Heimspiele am FC Bayern Campus waren bisher ausverkauft, und beispielsweise bei unserem Auswärtsspiel vor ein paar Wochen in Freiburg wurden unsere Spielerinnen wie Popstars gefeiert.

Hainer: In dieser Saison hat die Bundesliga bereits nach dem siebten Spieltag mehr Zuschauer als letztes Jahr in der gesamten Spielzeit verzeichnet. In Bremen waren zuletzt über 20.000 Zuschauer, im Pokal beim Zweitligisten Nürnberg 17.000. Jetzt liegt es am DFB und den Clubs, diese Euphorie zu verstetigen. Ich kann mich erinnern, wie bei der WM 2011 in Deutschland die Stadien voll waren – und hinterher in der Bundesliga trotzdem im Schnitt nur wenige 100 Zuschauer kamen.

Beim Frauenspiel zwischen Barcelona und Real Madrid ist das Camp Nou mit knapp 90.000 Zuschauern ausverkauft. Wann wird die Allianz Arena bei einer Partie der Bayern-Frauen ausverkauft sein?

Hainer: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Bei uns geht es Stück für Stück nach vorne. Die Anstoßzeit gegen Barcelona um 21 Uhr spielt uns leider nicht in die Karten – früher am Abend gegen 18.45 Uhr würden sicher noch mehr Fans in die Allianz Arena kommen, vor allem für Familien und Kinder ist der späte Anpfiff ungünstig. Dennoch bedeutet die Kulisse einen weiteren Meilenstein in unserer Entwicklung: Wir toppen die bisherige Bestmarke von 13.000 gegen Paris Saint-Germain im Frühjahr deutlich, und das wird unserem Team noch einmal einen Schub geben.

Rech: Man muss das insgesamt auch mal in die richtige Perspektive rücken: Das Zuschaueraufkommen in der Bundesliga ist über eine ganze Saison gesehen der spanischen Liga sogar ein Stück voraus. In den vergangenen Jahren waren es meist der Clasico und einige ausgewählte Spiele, bei denen eine außerordentliche Anzahl an Zuschauern vor Ort war. Über eine ganze Saison gesehen stehen wir konstanter da. Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg – auch im Vergleich zu England. Wir haben bei der EM gesehen, wie wichtig die Sichtbarkeit ist. Wenn die Anstoßzeiten und der Sender passen, schauen viele Menschen zu –und sind begeistert.

„Eine Nacht voll fantastischem Fußball“: Der FC Bayern freut sich auf den Damen-Kracher gegen den FC Barcelona.
„Eine Nacht voll fantastischem Fußball“: Der FC Bayern freut sich auf den Damen-Kracher gegen den FC Barcelona. © FC Bayern München

Was macht Barcelona sportlich noch besser?

Rech: Der FC Barcelona stellt aktuell die beste Frauenmannschaft in Europa, das haben auch wir im Hinspiel spüren müssen. Wobei wir es in der ersten Halbzeit gut gemacht haben. Wir brauchen noch die eine oder andere Spielerin, die auf absolutem Top-Niveau den Unterschied ausmacht und die Erfahrung mitbringt – wie Georgia Stanway. Zudem haben wir junge Spielerinnen mit sehr viel Qualität im Kader, die ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Hier brauchen wir Geduld. Wir sind aber überzeugt, dass wir bereits kurz- und mittelfristig zur internationalen Spitze aufschließen werden.

Ist England das Nonplusultra?

Rech: Die Wahrheit ist, dass die Engländer lange versucht haben, dem deutschen Frauenfußball nachzueifern. Aber wie Herr Hainer schon sagte, konnte man nach der WM 2011 im eigenen Land den Schwung nicht mitnehmen. Da wurde zu wenig getan. Der DFB und die Vereine müssen jetzt dafür sorgen, vor allem am Thema Sichtbarkeit zu arbeiten. Die englische Liga hat nach der WM in Kanada vor sieben Jahren eine Strategie entwickelt und sehr viel in die Marketingmaßnahmen und in die Sichtbarkeit der Liga investiert. Deswegen sind sie auch da, wo sie gerade sind.

Hainer: In Deutschland sollte man dafür sorgen, dass jeder Profiverein auch eine Frauenmannschaft betreibt. Wenn Teams an Fußballstandorten wie Schalke, Hamburg oder Stuttgart etabliert werden, steigt die Attraktivität. Das ist natürlich ein längerer Prozess, denn entscheidend dabei ist, dass auch die Infrastruktur dieser Clubs nachhaltig wächst.

Rech: Dortmund hat eine Frauen-Mannschaft gegründet, Leipzig drängt nach oben. Das sind gute Entwicklungen. Die Engländer haben für ihre Spielerinnen Strukturen geschaffen, dass sie unter professionellen Bedingungen Fußball spielen können. Die Spielerinnen können von ihrem Beruf leben, das ist in Deutschland ligaweit noch lange nicht der Fall. Viele Spielerinnen müssen nebenbei noch immer 40 Stunden arbeiten, da kann man nicht von professionellen Rahmenbedingungen sprechen.

Herr Hainer, Sie sind regelmäßig bei den Frauenspielen im Stadion. Was fasziniert Sie daran?

Hainer: Die gesamte Entwicklung. Ich habe bei adidas schon vor rund 30 Jahren mit Frauenfußball zu tun gehabt, war zum Beispiel 2003 beim WM-Finale Deutschland gegen Schweden in Amerika im Stadion, als Nia Künzer per Kopf das Golden Goal erzielt hat. Was heute beim Frauenfußball für ein technisches Niveau, für eine Dynamik da ist, auch mit was für einer Physis gespielt wird – da hat sich viel getan.

Können Sie die Spieler der Männer nicht begeistern, mal am Campus vorbeizuschauen?

Hainer: Stadionbesuche sind ehrlicherweise leider oft nicht so einfach. Die Spielpläne überlappen sich, Regeneration ist zwischen den vielen Reisen extrem wichtig, zudem haben viele Familien. Da haben wir alle absolutes Verständnis.

Rech: Für uns geht es in erster Linie nicht darum, wer am Spieltag im Stadion sitzt. Es geht uns darum, dass der Verein den Frauenfußball unterstützt. Und beim FC Bayern steht der gesamte Club absolut hinter uns. Das ist für uns das Entscheidende. Ich muss immer schmunzeln, wenn in der Öffentlichkeit diskutiert wird, wer bei uns auf der Tribüne sitzt. Wir freuen uns über jeden Besucher, aber für unsere Wertschätzung innerhalb des Clubs ist das sekundär – hier ist für uns allein maßgebend, dass wir wissen, dass die Tür für uns immer offen ist, wenn wir etwas zu besprechen haben.

Ab wie vielen Zuschauerinnen und Zuschauern lohnt sich die Verlegung eines Spiels in die Allianz Arena finanziell?

Hainer: Das Finanzielle spielt für uns keine Rolle. Fakt ist, dass die Frauen sich Spiele wie gegen die beste europäische Mannschaft in der Allianz Arena verdient haben. Das Campus-Stadion hat klasse Voraussetzungen, aber wie hätten wir bei diesem Top-Spiel da über 20.000 Menschen unterbringen sollen?

Interview: Hanna Raif, Philipp Kessler und Christian Stüwe.

➔Morgen Teil 2 des Interviews

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