Analyse vor dem Finale

Obacht, Bayern! Champions-League-Debakel gegen PSG? Flick könnte auf radikale Umstellung setzen

Der FC Bayern ist nur noch einen Sieg vom Triple entfernt. Gegen Lyon offenbarte die Flick-Elf Schwächen - PSG könnte diese eiskalt ausnutzen. Eine Analyse.

  • Der FC Bayern* steht nach dem Sieg gegen Olympique Lyon im Finale* der Champions League*.
  • Dort wartet mit PSG ein absolutes Top-Team - die Mannschaft von Hansi Flick* muss sich steigern.
  • Der Bayern-Coach könnte zu einer kuriosen Umstellung in der Startelf gezwungen sein.

Lissabon - Die Erleichterung bei den Bayern war groß, denn es war ein hartes Stück Arbeit: Die Münchner gewinnen das Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon mit 3:0 - das Spiel war jedoch weitaus enger, als das klare Ergebnis vermuten lässt.

Einer abermals starken und vor allem effektiven Offensive um Matchwinner Serge Gnabry ist es zu verdanken, dass das große Triple, nach dem die Bayern „lechzen“ (Rummenigge), nur noch einen Sieg entfernt ist. Dennoch offenbarte die Elf von Hansi Flick* unübersehbare Schwächen, die Lyon nicht im Stande war, auszunutzen - gegen Paris wird das anders sein.

Vier Gründe, warum PSG dem FC Bayern im Finale weh tun kann:

1. Schwächen in der Defensive und Konter-Anfälligkeit

Die Bayern-Abwehr steht hoch und übt aggressives Pressing aus - dass das nicht ohne Risiko ist, dürfte auch einem Fußball-Laien verständlich sein. Trotzdem ließen die Münchner Gegner Lyon vor allem in der Anfangsphase bei ihren Gegenangriffen eindeutig zu viel Platz, was auch die internationale Presse kritisierte. Besonders auf der rechten Bayern-Seite war Joshua Kimmich ein ums andere Mal viel zu weit aufgerückt, die Franzosen waren oft in Überzahl - ein starker Manuel Neuer und der Pfosten verhinderten frühe Tore für OL.

Coach Flick weiß um diese Problematik: „Lyon hat uns in der ersten Viertelstunde richtig weh getan. Wir werden die Dinge, die nicht so gut waren, ansprechen“, versprach der Trainer nach dem Spiel. Wir haben die Stimmen zum Finaleinzug der Bayern gesammelt.

2. PSG‘s Star-Sturm ist in überragender Verfassung

Das Sturm-Trio Neymar, Kylian Mbappé und Ángel Di Maria verfügt über unglaublichen Speed. Die Chancen, die Lyon ausließ, werden die PSG-Stars wohl eiskalt ausnutzen, wie sie nicht nur im Halbfinale gegen RB Leipzig eindrucksvoll bewiesen. Besonders Di Maria kommt neben den den beiden Superstars Neymar und Mbappé oft zu kurz - gegen Leipzig war er mit einem Tor und zwei Vorlagen Man of the Match. Gegen diese Offensive muss sich Flick etwas einfallen lassen!

3. Thomas Tuchel weiß, wie man den FC Bayern besiegt

Paris hat in Thomas Tuchel einen Trainer, der weiß, wie man die Bayern bezwingt: Schon fünf Mal schlug er dem deutschen Rekordmeister ein Schnippchen. Beeindruckende drei Mal mit dem FSV Mainz 05*, zwei Mal mit Borussia Dortmund*. Im letzten Aufeinandertreffen zwischen Tuchel und dem FCB 2017 warfen die Dortmunder die Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals* raus. Am Sonntag kommt es zum nächsten Duell.

4. FCB-Rakete Davies spielt gegen PSG auf der falschen Seite

Mit Alphonso Davies haben die Münchner eigentlich die perfekte Antwort auf die Hochgeschwindigkeits-Fußballer Neymar und Mbappé. Das Problem: Der Kanadier spielt auf der linken Abwehrseite, die PSG-Superstars kommen ihres starken rechten Fußes geschuldet beide lieber über die linke Angriffs-Seite. Wer nicht weiß, was das bedeutet, fragt am besten bei Leipzigs Lukas Klostermann nach, der am Dienstag einen Horror-Abend erlebte.

Ob nun Kimmich oder Pavard im Endspiel hinten rechts verteidigt - beide haben erhebliche Tempo-Nachteile. Hansi Flick muss sich deshalb ernsthaft überlegen, ob er Davies nicht auf die andere Seite zieht - der „Roadrunner“, wie ihn Thomas Müller scherzhaft bezeichnete, wird gegen PSG mehr denn je gebraucht werden. Ob Davies sich als Linksfuß allerdings auf der rechten Seite wohl fühlt, ist fraglich. Zudem legt Flick viel Wert auf eine eingespielte Abwehrreihe.

FC Bayern gegen PSG: Das Duell der beiden stärksten Offensiven der Welt

Natürlich darf man nicht vergessen, dass auch der FC Bayern offensiv über diverse Waffen verfügt. Und, dass die Abwehr von PSG nicht zu den besten in Europa gehört. Alles spricht für ein Kracher-Duell, in dem wohl die beiden besten Offensiven aufeinandertreffen, die der Fußball gerade zu bieten hat. Es wird heiß! Stunden vor dem Showdown bedankten sich die Bayern-Profis in einem offenen Brief bei ihren Fans.

Wochen nach dem verlorenen Endspiel hat CL-Finalteilnehmer Paris St. Germain den Fehlstart in die französische Liga perfekt gemacht. Am zweiten Spieltag gegen Olympique Marseille geriet das Sportliche jedoch schnell in den Hintergrund: Vielmehr kam es zu einem aufgeladenen „Straßenkampf“-Duell*. (epp) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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