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Konsequenz der Verletztenmisere: „Fitness-Papst“ beim FC Bayern vor dem Aus?

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Der FC Bayern arbeitet die Verletztenmisere auf. Im Fokus: Fitness-Chef Holger Broich. Als möglicher Nachfolger wurde über die Personalie Andreas Kornmayer diskutiert.

München – Wenn in der Allianz Arena die Mannschaftsaufstellung des FC Bayern vorgetragen wird, gibt es einige wiederkehrende Elemente. Der Zusatz „Fußballgott“ zu Zeiten von Bastian Schweinsteiger ist unvergessen, genauso Verlass aber ist auf die Bezeichnung „Fitness-Papst“, die Stadionsprecher Stephan Lehmann stets für Prof. Dr. Holger Broich wählt.

Der „Wissenschaftliche Leiter & Leiter Fitness“ würde am 1. Juli sein zehnjähriges Dienstjubiläum beim Rekordmeister feiern, er ist aber auch in den Wochen vor diesem Ereignis schon Thema in der Chefetage. Denn die Gründe für die Verletzungsmisere, die den scheidenden Coach Thomas Tuchel durch die Saison begleitet haben, stehen neben der Kaderplanung aktuell weit oben auf der Agenda. Und dabei gibt es diverse Planspiele.

Als Konsequenz nach der Horror-Saison? FC Bayern denkt über Broich-Aus nach

„Es zieht sich durch die ganze Saison leider. Das ist alles andere als optimal. Wir diskutieren intern, an was es liegen könnte“, hatte Sportdirektor Christoph Freund im Saisonendspurt gesagt. Mehr als 20 Muskelverletzungen haben sich im Bayern-Kader in der vergangenen Spielzeit angehäuft, anstatt eine Wunsch-Mannschaft aufzustellen, musste Tuchel oft eine Not-Elf suchen. Auffallend zudem: Bei mehreren Profis – etwa Serge Gnabry, Kingsley Coman, Noussair Mazraoui und Sacha Boey – folgte nach Genesung schnell der nächste Rückschlag. Gnabry kosten die lädierten Muskeln nun sogar die Heim-EM. Die Schuldfrage ist allgegenwärtig.

Das neue Hybridrasen-System, so die Überzeugung, kann als Ursache ausgeschlossen werden. Und wenn es um Reha, Belastungsaufbau und Wiedereinstieg geht, steht halt Broich in der Verantwortung. Wie die tz erfuhr, gab es intern daher zuletzt Überlegungen, die den 49-Jährigen auch persönlich betreffen. Der Name Andreas Kornmayer ist da als möglicher Nachfolger bereits gefallen – 49 Jahre alt und ein guter alter Bekannter. Von 2010 bis 2016 war Kornmayer Fitnesstrainer bei den Profis an der Säbener Straße, bevor Jürgen Klopp ihn nach Liverpool holte. Dort ist bekanntlich nun Schluss.

Man hört, dass Broich bei einem Verbleib von Tuchel mächtig gewackelt hätte. Und man hört auch, dass schon Vorgänger von Tuchel nicht ganz zufrieden gewesen sein sollen mit der Arbeit des Sportwissenschaftlers. Julian Nagelsmann hatte Reibungspunkte, der letzte echte Befürworter auf der Trainerbank war Hansi Flick. Jupp Heynckes erwähnte Broich sogar stets in Pressekonferenzen, wenn ein Spieler es aus der Reha zurück in den Kader geschafft hatte. Das gehörte für ihn zum guten Ton.

Thomas Tuchel (r.) verliert auf der Bayern-Bank einen Mann an seiner Seite.
Bayerns Fitness-Chef Holger Broich (1.v.li.) © IMAGO/Markus Fischer

Kompany bringt Vertrauten als Athletiktrainer mit

Damals erreichte Broich das Lob, heute muss er sich Kritik stellen. In Thomas Wilhelmi, Peter Schlösser, Simon Martinello, Stephan Kerth und Soner Mansuroglu hat er ein großes Team, als Chef aber muss Broich Lösungen aufzeigen. Der neue Coach Vincent Kompany wird sie sich anhören, hat in Bram Geers aber aller Voraussicht nach einen Vertrauten als Athletiktrainer dabei. Ob der in Zukunft unter Broich oder Kornmeyer trainieren wird, wird aktuell diskutiert.

Das Ziel hat Freund schon lange vorgegeben: „Dass wir mit weniger Verletzungen durch die nächste Saison gehen.“ Philipp Kessler, Hanna Raif, Manuel Bonke

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