Lange Wartezeit in Berlin

Chaos-Nacht des FC Bayern: Rummenigge fühlt sich „total verarscht“, Hoeneß sieht „Skandal ohne Ende“

Eigentlich wollte der FC Bayern direkt nach dem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC von Berlin aus zur Klub-WM reisen. Doch daraus wurde nichts.

  • Der FC Bayern* wollte direkt nach dem Spiel gegen Hertha BSC* von Berlin aus zur Klub-WM fliegen.
  • Doch die Maschine durfte zunächst nicht starten. Die Münchner mussten stundenlang am Flughafen BER ausharren.
  • Mit siebenstündiger Verspätung und einem Umweg ging es nach Doha.

Update vom 6. Februar, 16.52 Uhr: Inzwischen ist der FC Bayern in Katar angekommen. Mannschaft und Betreuer mussten sich nach der komplizierten Anreise zunächst einem Corona-Test am Flughafen unterziehen, wie der Verein mitteilte. Danach ging es ins Hotel. Bis zur Vorlage eines negativen Testergebnisses durften die Spieler ihre Zimmer nicht verlassen.

Der frühere Club-Präsident Uli Hoeneß nannte das Flug-Durcheinander einen „Skandal ohne Ende“. Im Bayerischen Rundfunk bezeichnete der 69-Jährige die Weigerung der Starterlaubnis als „Unverschämtheit der Verantwortlichen“ und „unverständlich“. Schließlich würden die Münchner bei dem Turnier in Katar den deutschen Fußball vertreten. Dies sei „eine wichtige Geschichte“. 

Update vom 6. Februar 2021, 14.00 Uhr: Mit großer Vorfreude auf die Klub-WM in Katar stiegen die Bayern-Spieler am späten Freitagabend in Berlin in die Qatar-Airways-Maschine QR 7402. Doch die Stimmung kippte schnell, nachdem die Starterlaubnis auf dem Flughafen BER nicht erteilt wurde.

Das Problem: Nach Angaben des Berliner Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung erfolgte die Bitte um Startfreigabe erst um 00.03 Uhr. Die Deutsche Flugsicherung habe diese in der Folge mit dem Blick auf die Nachtflugbeschränkungen nicht erteilt, hieß es in einem Statement am Samstag. Ab Mitternacht herrscht auf dem Flughafen BER ein fünfstündiges Flugverbot.

Zu diesem Zeitpunkt stand das Flugzeug laut Bild bereits abflugbereit auf dem Rollfeld. Bis 01.20 Uhr wurde wohl noch versucht, eine Genehmigung für den Abflug zu bekommen. Die Bemühungen blieben jedoch erfolglos und so musste die Maschine zurück zum Terminal. „Ausnahmegenehmigungen werden in begründeten Einzelfällen insbesondere dann erteilt, wenn ein erhebliches öffentliches Interesse gegeben ist, welches die Durchführung eines Fluges notwendig macht oder der Flug für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich ist“, hieß es in der Mitteilung.

Bitter für den FC Bayern: Die Nacht musste das Team im Flieger verbringen, geschlafen wurde kaum, wie die Bild berichtet. Erst gegen sieben Uhr startete die Maschine letztlich und flog zunächst nach München. Mittlerweile befindet sich die Mannschaft auf dem Weg nach Doha.

FC Bayern erlebt Flughafen-Chaos in Berlin - Rummenigge tobt

Meldung vom 6. Februar 2021, 09.23 Uhr:

Berlin - Die Anreise des FC Bayern München zur Klub-WM in Katar ist zur harten Geduldsprobe geworden. Nach dem 1:0-Sieg am Freitagabend gegen Hertha BSC war der deutsche Rekordmeister* eilig aus dem Olympiastadion verschwunden, um den Flug nach Doha zur Klub-Weltmeisterschaft zu bekommen. Vorgesehen war dieser auf dem Flughafen BER für 23.15 Uhr.

Am Samstagmorgen aber twitterten die Bayern: „Wegen verweigerter Starterlaubnis hebt der FC Bayern jetzt mit mehr als siebenstündiger Verspätung zur FIFA Klub-WM nach Doha ab.“ Von Berlin ging es dann aber erst einmal nicht nach Katar, sondern zurück nach München. Dort musste wegen der Warterei in Berlin die Crew von Flug QR 7402 getauscht werden, wie die Bayern ebenfalls auf Twitter mitteilten. Erst um 09.15 Uhr hob der Flieger auf dem Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt in Richtung Doha ab.

FC Bayern reist mit siebenstündiger Verspätung zur Klub-WM: „Fühlen uns total verarscht“

Der Ärger beim Bundesliga-Tabellenführer war riesig. FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge (65) gegenüber der Bild:

„Wir fühlen uns von den zuständigen Stellen bei der brandenburgischen Politik total verarscht. Die Verantwortlichen wissen gar nicht, was sie unserer Mannschaft damit angetan haben.“

FCB-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Bild.de

Die Spieler hatten am späten Freitagabend bereits im Flugzeug Platz genommen. Entsprechende Fotos veröffentlichten die Bayern-Stars in den Sozialen Medien. Manuel Neuer grinste hinter dem Mund-Nasen-Schutz aus seinem komfortablen Sitz an Bord der Maschine. Thomas Müller machte noch einen schnellen Schnappschuss mit beiden Daumen hoch vor den geöffneten Handgepäckablagen.

FC Bayern München: Keine Starterlaubnis am Flughafen BER

Laut des Flughafens BER soll der Flieger um 23.59 Uhr startklar gewesen sein. „Aus unserer Sicht sprach auch nichts dagegen, dass die Maschine wie geplant abhebt“, sagte Flughafen-Sprecherin Sabine Deckwerth am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Um Mitternacht dann der Hammer: Die Starterlaubnis fehlt! Diese wird generell von der Flugsicherung erteilt. Rechtlich ist allerdings das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung zuständig, wenn es um Ausnahmegenehmigungen während des Nachtflugverbots geht. Beim Nachtflugverbot gilt, dass eine Maschine mit dem zeitlichen Beginn abgehoben sein muss. „Reguläre Linienflüge in der Kernnachtzeit von 0 bis 5 Uhr sind ausgeschlossen“, heißt es auf der BER-Homepage.

Statt gegen Samstagmorgen im sonnigen Katar zu landen, ging es im kalten Berlin am frühen Morgen erst los - und über München nach Doha. Nicht mit an Bord waren Nationalspieler Leon Goretzka und der Spanier Javi Martínez. Sie fehlten im 22-köpfigen Kader. Beide müssen wegen positiver Coronavirus-Tests noch pausieren. „Wir müssen von Tag zu Tag drauf schauen“, betonte Trainer Hansi Flick*. „Bei Leon sieht es etwas besser aus, bei Javi wird es wahrscheinlich nicht reichen.“

Die Eingewöhnungszeit vor Ort ist für die Bayern durch die Abflug-Verspätung knapper geworden. Bereits am Montag treffen sie als europäischer Champions-League-Sieger im Halbfinale auf Al Ahly SC aus Ägypten* (hier im Live-Ticker). Am Donnerstag kommender Woche wird das Endspiel ausgetragen. (sk/dpa) * tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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