Lichtgestalt wird 75 Jahre alt

Triple-Bayern! Beckenbauer schwärmt über eine Person im Besonderen: „Er hat ihnen Leben eingehaucht“

Zum ersten Mal im Leben sei er „ein wenig nachdenklich“, sagt „Kaiser“ Franz Beckenbauer zu seinem 75. Geburtstag. Die Triple-Bayern machen ihm großen Spaß.

  • Franz Beckenbauer schwärmt nach dem Triple inklusive Champions-League-Titel von seinem FC Bayern.
  • Der „Kaiser" wird 75 Jahre alt und zeigt sich nachdenklich.
  • Eine bestimmte Person beim FCB lobt er in den höchsten Tönen.

München - Die Lichtgestalt fängt das Grübeln an. Franz Beckenbauer feiert am Freitag seinen 75. Geburtstag – und gänzlich unbeschwert tut der Kaiser das nicht. „Ich muss sagen, dass mich dieses Alter zum ersten Mal in meinem Leben ein bisschen nachdenklich macht“, verrät Beckenbauer im Vereinsmagazin 51. Seine Gedanken kreisen jetzt um Fragen wie: „Wann ist es so weit, dass du entschwindest? Und in welche Sphären?“ Nach einer schweren Herz-Operation vor vier Jahren und einem Augeninfarkt vor rund 14 Monaten sind derlei Überlegungen freilich kein Wunder. Beckenbauer stellt aber auch klar: „Wenn ich zurückblicke, bin ich sehr zufrieden. Und das ist das Wichtigste.“

Der Blick in die Vergangenheit beginnt bei dem Mann, der Spieler, Trainer und Präsident des FC Bayern war, ausgerechnet im Münchner Stadtviertel Giesing – dem Bezirk der Löwen also. Mit Bruder Walter, seinem Vater Franz Senior und Mutter Antonie wohnte die spätere Lichtgestalt bei der Großmutter „relativ großzügig“ in einer Vierzimmerwohnung. Und gegenüber wurde das Fundament für die folgende Karriere als absoluter Ausnahmekicker gelegt. Beim SC 1906 München trat Beckenbauer erstmals gegen den Ball. „Fußball hatte in den 50ern nicht diese Popularität wie heute – aber für uns war er das Lebenselixier“, sagt er.

Lichtgestalt des deutschen Fußballs: Franz Beckenbauer.

Franz Beckenbauer/FC Bayern: Die legendäre Watschn bei 1860

In der Nachkriegszeit hatten alle wenig, die Menschlichkeit stand umso höher im Kurs. Ein eigener Fußball glich da einem Luxusgut. Beckenbauer erzählt: „Der hat nicht einem allein gehört, sondern unserer ganzen Straßenfußballer-Mannschaft aus der Nachbarschaft.“ Gemeinsam hatten die Buben Altpapier und -eisen gesammelt, dafür gab’s beim Händler ein paar Pfennige, die in einen Fußball investiert wurden.

In Giesing hätte Beckenbauers Weg eigentlich geradewegs zum TSV 1860 führen müssen. Der Kaiser sagt im Rückblick: „Der FC Bayern kam aus Schwabing – das war für uns weit, weit weg.“ Und die Kindheitshelden hießen Ludwig Zausinger, Kurt Mondschein, Petar „Radi“ Radenkovic, allesamt Blaue. Doch dann kam ein wegweisendes Fußballspiel, Beckenbauers Schülermannschaft vom SC 1906 traf auf den Löwen-Nachwuchs. Der bald 75-Jährige erinnert sich: „Deren Mittelläufer war nicht sehr freundlich zu mir, und im Spielverlauf kam irgendwann mein Jähzorn durch. Er gab mir dann eine Watschn, und da stand für mich fest: Ich geh nicht zu 1860!“ Heute sagt er schmunzelnd: „Es war keine schlechte Entscheidung im Nachhinein, denke ich.“

Franz Beckenbauer/FC Bayern München: „New York in den 70ern – es gab keine schönere Zeit“

Der junge Franz Beckenbauer bekam von seinem Vater den Spitznamen „Stumpen“ verpasst, weil er immer der Kleinste war. Aber der Bub war schnell („Ich wusste schon als Kind in den Straßen, dass ich schnell laufen musste, wenn es mal brenzlig wurde.“) und durchaus frech. „Mit 13, 14 war ich ein Revoluzzer. Ich war immer der, der als Erster den Mund aufgemacht hat, in der ersten Reihe – und wenn ich mich gemeldet habe, war es nicht immer nur zur Freude der Trainer“, sagt er.

Mit 13 Jahren ging Beckenbauer zum FC Bayern, so richtig erzogen wurde er aber erst von seinen Teamkollegen bei den Profis. „Es ist ihnen halbwegs gelungen“, meint er. Wirkungsvoller war da schon der Wechsel des Kaisers in die USA, in seiner ersten Zeit bei New York Cosmos (1977 bis 1980) sei er weit weg vom gewohnten Umfeld „zur Selbstständigkeit erzogen“ worden. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm Treffen mit Andy Warhol oder Barbra Streisand, zudem die Freizeit mit Teamkollege Carlos Alberto im Central Park. Beckenbauer meint: „New York in den 70ern – es gab keine schönere Zeit.“

Franz Beckenbauer/FC Bayern: „Flick hat der Mannschaft wieder Leben eingehaucht“

Ein ähnliches Glücksgefühl überkommt ihn heute wieder, wenn er seine Bayern spielen sieht. Hansi Flick hat der Mannschaft wieder Leben eingehaucht. Davor hatte man den Eindruck, manche Spieler wollten gar nicht mehr so richtig“, erklärt der 74-Jährige. „Mir macht dieser Fußball unheimlich viel Spaß.“ Abseits des sportlichen Höhenflugs samt dem jüngsten Triple imponiert ihm die wirtschaftliche Stabilität des Klubs, dessen Ehrenpräsident er noch immer ist. Und eines bleibt auch im neuen Lebensjahr gesetzt: „Solange es mir möglich ist, werde ich meinen FC Bayern im Stadion verfolgen.“ Da könnte es auch passieren, dass Beckenbauer mal wieder grantelt, ein Spiel sehe aus wie Obergiesing gegen Untergiesing. Er räumt ein: „Aktuell sehe ich dafür wenig Anlass.“ - Jonas Austermann

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender / picture alliance/dpa

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