Jens Scheuer kam vom Ligakonkurrenten SC Freiburg

Neu-Trainer der FC-Bayern-Frauen: „Mein klares Ziel: Titel holen!“

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Jens Scheuer ist seit dieser Saison Trainer der Frauen des FC Bayern München.

Seit dem 1. Juli ist Jens Scheuer als Trainer der Fußballerinnen des FC Bayern im Amt.

München – Der 40-Jährige kam vom SC Freiburg und trat die Nachfolge von Thomas Wörle an. Im Interview spricht er über seinen Start und die Ziele.

Herr Scheuer, wie waren die ersten Tage und Wochen in München für Sie?

Spannend, definitiv. Der Umzug stand an, wir haben uns gut eingelebt. Die Kinder hatten noch Schule, meine Familie ist jetzt nachgekommen. Privat war es also spannend, mit der Mannschaft auch. Wir waren eine kleine Gruppe, mit den Spielerinnen, die nicht bei der WM gespielt haben. Das war einerseits ein Vorteil, weil die Spielerinnen sich sehr intensiv mit dem neuen Trainer beschäftigen konnten und ich mich auch sehr intensiv um die Spielerinnen kümmern konnte. Anderseits konnten wir im mannschaftstaktischen Bereich nicht so viel arbeiten. Deshalb nutzen wir die Zeit jetzt, wo wir den ganzen Kader zur Verfügung haben, umso intensiver.

Inwiefern wird die Vorbereitung durch die Nachwirkungen der WM beeinflusst?

Es wird natürlich nicht leichter dadurch. Ein neues Trainer-Team, viele neue Spielerinnen kommen dazu. Es ist ein Prozess im Fußball, dass sich eine Mannschaft einspielen und finden muss. Dafür haben wir weniger Zeit. Aber ich denke, wir sollten das in der Kürze der Zeit so hinbekommen, dass wir erfolgreich starten können.

Direkt am ersten Spieltag kommt es beim Auswärtsspiel in Freiburg zum Wiedersehen mit Ihrer alten Mannschaft. Wie fühlt sich das für Sie an?

Zehn Minuten bevor der Spielplan rauskam, haben wir uns im Trainer-Team unterhalten. Meine Co-Trainer haben gesagt, dass wir zu hundert Prozent in Freiburg starten. Ich konnte nicht daran glauben. Dann kam der Spielplan raus und es war so. So etwas gibt es nur im Fußball(lacht). Ich weiß, was auf uns zukommt. Die letzten Spiele in Freiburg waren für den FC Bayern nie einfach, da gab es schon die eine oder andere Niederlage. Das ist ein schwieriger Gegner und natürlich ein besonderes Spiel für beide Seiten. Aber das muss man für 90 Minuten ausblenden. Wir werden so vorbereitet sein, dass wir drei Punkte holen.

Thomas Wörle, Ihr Vorgänger, hat neun Jahre beim FC Bayern gearbeitet. Können Sie sich vorstellen, eine ähnliche Ära zu prägen?

Im Fußball tut man gut daran, im Hier und Jetzt zu leben. Täglich seine Leidenschaft so zu leben, dass man am Ende des Tages sagen kann, man hat alles gegeben. Es ist ja auch nicht so, dass ich das alleine für mich entscheide. Man muss auch sehen, ob die Umstände so etwas zulassen. Auch meine Familie hat natürlich Einfluss darauf.

Welche Art von Fußball möchten Sie spielen lassen?

Ich denke, wir haben in Freiburg für sehr attraktiven und offensiven Fußball gestanden. Das möchte ich auch hier so umsetzen.

Sieben Neuzugängen stehen neun Abgänge gegenüber. Werden noch Spielerinnen dazu kommen?

Ich bin mit meiner Mannschaft so zufrieden. Aber im Fußball sollte man nichts ausschließen, die Transferperiode dauert noch an. Die Spielerin müsste aber perfekt zu uns passen. Im Moment gibt es keinen Grund, etwas zu machen.

Haben Sie schon eine Vorstellung, wie Ihre Mannschaft aussehen könnte?

Man macht sich natürlich vor der Saison immer Gedanken, wie die Mannschaft aussehen könnte. Welche Spielertypen hat man im Kader? Es gibt für mich nicht die erste Elf, bei dem starken Kader wird es sicherlich immer wieder Veränderungen in der Startaufstellung geben. Wir nutzen jetzt die nächsten zwei Wochen noch intensiv, dann wird sich die Mannschaft herauskristallisieren, die gegen Freiburg am besten passt. Im ersten Heimspiel gegen Frankfurt könnte die Mannschaft aber schon wieder anders aussehen.

Also gehört Rotation dazu?

Ich bin nicht der Fan der ganz großen Rotation. Man muss auch ein gewisses Gerippe auf dem Platz haben, um sicher zu sein, dass die Grundabläufe stimmen. Natürlich wird es die eine oder andere Veränderung aufgrund des Gegners geben oder aufgrund unserer Herangehensweise. Aber eine Rotation von acht oder neun Spielerinnen wird es nicht geben.

Der Umbruch in der Mannschaft ist groß. Steht eine Übergangssaison bevor, oder wollen Sie voll angreifen?

Wenn ich mit der Mannschaft einen Titel holen kann, bin ich der Letzte, der sich dagegen wehrt. Man will alles erreichen, den Ehrgeiz haben wir. In der Mannschaft und im Trainerteam. Man muss natürlich die Umstände sehen, dass wir viele Abgänge hatten. Wir haben sehr gute Neuzugänge, aber auch sehr gute Abgänge. Alles kann, nichts muss.

Ist es das Ziel, dem VfL Wolfsburg mittelfristig den Status als Nummer eins abzulaufen?

Wir sind hier, um in einem gewissen Zeitrahmen eine Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Dass wir als Mannschaft, als Trainer-Team, als Abteilung wachsen müssen, ist uns klar. Aber ich habe für mich klar das Ziel, in Zukunft mit Bayern Titel zu holen..

Interview: Christian Stüwe

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