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Hainer und Rech über den Anspruch des FC Bayern, Gänsehautmomente und eine DFL der Frauen

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Von: Hanna Raif, Philipp Kessler

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„Erfolgreich, cool, erfrischend“: Hainer über die Stars im Team, das Rech als sportliche Leiterin verantwortet. sampics
„Erfolgreich, cool, erfrischend“: Hainer über die Stars im Team, das Rech als sportliche Leiterin verantwortet. sampics © sampics

„Wir wollen nicht ewig Zweiter sein“: FCB-Präsident Hainer pusht auch die Frauen-Mannschaft an die Weltspitze. Wie wird eine Spielerin zum Weltstar?

München – Am Mittwochabend (21 Uhr) treffen die FC Bayern Frauen in der Allianz Arena auf den FC Barcelona. Im zweiten Teil des Interviews blicken Bayern-Präsident Herbert Hainer (68) und die sportliche Leiterin Bianca Rech (41) auf die große Kulisse – und die Herausforderungen an den Frauenfußball.

Lange haben die Bayern-Frauen ihre Heimspiele im Grünwalder Stadion ausgetragen. Wäre das auch wieder eine Option?

Hainer: Unser Anspruch muss sein, in absehbarer Zeit mal die Allianz Arena vollzubekommen und nicht das Grünwalder Stadion.

Wie lange zehrt die Mannschaft davon, vor einer großen Kulisse zu spielen?

Rech: Sehr lange. Das Spiel vergangene Saison in Paris oder das im Camp Nou vor 47 000, das sind unglaubliche Erlebnisse – genauso wie unsere Premiere in der Allianz Arena gegen Paris. Mittlerweile haben die Spielerinnen mehr und mehr Erfahrungen, vor großem Publikum zu spielen. Wenn man den Rasen der Allianz Arena durch den Tunnel betritt und die Champions League-Hymne hört, bekommt man Gänsehaut. Da würde ich am liebsten selbst meine Fußballschuhe wieder schnüren.

Seit dem Gewinn der Meisterschaft 2020/21 konnte der große Rivale VfL Wolfsburg alle vier direkten Duelle gewinnen. Wie konnte es passieren, dass der VfL wieder die klare Nummer eins ist?

Rech: Grundsätzlich entscheiden Nuancen Spiele auf diesem Niveau. Wir sind keineswegs meilenweit von Wolfsburg entfernt, auch nicht in dieser Saison, die wir noch nicht abgeschrieben haben.

Hainer: Fairerweise muss man auch sagen, dass der VfL Wolfsburg sehr gut arbeitet.

Rech: Absolut!

Hainer: Für die Bundesliga ist es wichtig, dass wir konstant einen starken Wettbewerb in der Spitze haben. Und solange wir am Ende vorne stehen, ist uns jeder Gegner recht (beide lachen). Im Ernst: Wir wollen nicht ewig Zweiter sein. Die Nummer 1 zu sein ist der Anspruch bei allem, was der FC Bayern macht. Wer hier arbeitet, stellt sich dieser Erwartungshaltung.

Rech: Natürlich. Und bei uns motiviert dieser Anspruch jede Spielerin. Wir wollen Deutscher Meister werden – nicht nur einmal, sondern in Serie, so wie bei den Männern. Daran arbeiten wir.

Frau Rech, sprechen Sie sich mit Herrn Hainer ab, wenn ein Transfer wie etwa der von Georgia Stanway getätigt wird?

Rech: Grundsätzlich ist es so, dass wir unsere Hausaufgaben in der Frauen-Abteilung machen und autonom arbeiten. Wir nehmen Kontakt auf, wir treffen uns mit der Spielerin, sei es wie bei Georgia nun in England oder hier in München. Am Ende dreht es sich immer um die Frage des Budgets. Da sprechen wir mit dem Vorstand ab, was möglich ist. Im Fall von Georgia war es ein einfacher Transfer. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir Perspektiven bieten, die internationale Top-Spielerinnen reizen.

Hainer: Das läuft alles insgesamt hochprofessionell ab. Wenn wir vorausblickend mit den Planungen für die neue Saison beginnen, bringt die Frauen-Abteilung ihre Vorstellungen ein. Dann startet der Budget-Prozess: Was können wir uns leisten? Was wollen wir ausgeben? Und sobald das Budget verabschiedet ist, agiert die Frauen-Abteilung autonom.

Bei den Männern gibt es Superstars wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die jeder kennt. Wie macht man weibliche Superstars?

Hainer: Die sportliche Qualität spielt natürlich die wichtigste Rolle. Dann gehören Sichtbarkeit, Transparenz, die richtigen Sponsoren dazu. Das ist ein Gesamtpaket. Und neben der allgemeinen Entwicklung sind es auch die Persönlichkeiten. Als Fan interessieren mich die Geschichten dahinter, und der Frauenfußball steht für neue Kapitel der Fußballgeschichte. Die Spielerinnen sind Vorbilder, die inspirieren – auf und neben dem Platz. Eine Lina Magull, Giulia Gwinn, Sydney Lohmann sind sportlich erfolgreich, cool, erfrischend.

Sie werben auch für das Thema Nachhaltigkeit im Frauenfußball, stoßen die Ausgliederung der Bundesliga-Clubs an. Kann das schnell gelingen?

Hainer: Insgesamt sieht man in Deutschland schon deutlich mehr Bereitschaft, in den Frauenfußball zu investieren. In Clubs, aber auch vonseiten der Sponsoren. Ich bin der festen Überzeugung, dass der DFB sich dringend überlegen muss, wie er den Frauenfußball noch stärker fördern kann. Ob es letztlich zu einer Ausgliederung wie bei den Männern in der DFL kommt oder anders weiterentwickelt wird, wird man sehen. Aber es muss mehr passieren! Ich denke an Anstoßzeiten, Fernsehverträge, Ansetzungen der Spiele. Da ist noch viel Luft nach oben.

Besteht denn die Bereitschaft zur Ausgliederung?

Rech: Innerhalb der Vereine gibt es die Bereitschaft, dieses Thema zu besprechen. Und nur wenn man Dinge offen diskutiert, kann sich auch etwas bewegen.

Ist Bayern da Vorreiter?

Rech: Der FC Bayern ist immer ein Club, der Dinge vorantreibt – immer im Sinne des großen Ganzen. Wir brauchen eine international wettbewerbsfähige Bundesliga, um dem stetig steigenden Interesse der Fans gerecht zu werden. Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten.
Hainer: Das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben: Der FC Bayern ist bei Männern wie Frauen ein Motor für Weiterentwicklung.

Interview: Hanna Raif, Philipp Kessler und Christian Stüwe

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