Die Woche hat noch einiges zu bieten

Gemischte Gefühle beim FC Bayern

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Die Bayern schlichen nach dem Remis in Gladbach vom Feld, wie nach einer Niederlage.

München - Punkt gewonnen? Zwei Punkte verloren? So richtig gut konnte die Nullnummer in Gladbach niemand aus den Reihen des FC Bayern in Worte fassen. Nur die weitere Marschrichtung ist klar: Abhaken, weitermachen - denn die Woche hat noch einiges zu bieten.

Es drehte sich viel um Körperkontakt an diesem Abend in Gladbach, vor allem, wenn Pep Guardiola beteiligt war. Dass der Trainer des FC Bayern in der Nachspielzeit der hitzigen zweiten Hälfte die vierte Offizielle Bibiana Steinhaus erst angebrüllt und danach versöhnlich getätschelt hatte, sorgte zunächst für Gesprächsstoff. Darf er das? Nein! Egal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau an der Außenlinie handelt, Körperkontakt ist nicht gestattet. Aber Guardiola hatte Glück: Seine „Tatsch-Attacke“, wie vom Boulevard passend umschrieben, wurde im Spielbericht nicht vermerkt, eine Sperre ist ausgeschlossen. Und an Manuel Neuer durfte der Coach dann sowieso ein wenig mehr Hand anlegen.

Als der Nationaltorhüter, der Mann dieses torlosen, aber doch unterhaltsamen Abends, die Katakomben des Borussia-Parks betrat, war es schon zu spät, in Deckung zu gehen. Guardiola holte aus, der Klang des Handschlags mit Neuer hallte durch die Gänge, und dann klopfte er seinem Keeper an den Rücken, an den Arm, an die Schulter, einfach überall hin. Es war deutlich zu sehen, dass es sich um eine „Dankeschön-Attacke“ der besonderen Art handelte. Denn es ist gut möglich, dass die Bayern gegen die kompakt stehenden und konterstarken Gladbacher ohne den überragenden Manuel Neuer die erste Liga-Pleite der Saison hätten hinnehmen müssen. „Er ist einfach der Beste“, sagte Guardiola, Oliver Kahn fügte hinzu: „In seinem Alter war ich keineswegs so gut.“

Es ist so ein bisschen das Schicksal des Manuel Neuer, dass zwar jeder weiß, dass er der „weltbeste Torhüter“ ist (Kahn), er es aber selten zeigen kann. Beim 6:0 gegen Bremen etwa war er vollkommen ohne Beschäftigung, nun, wo die kalte Jahreszeit ansteht, wird es wieder Spiele geben, bei denen er sich mit Aufwärmübungen im eigenen Sechzehner auf Betriebstemperatur halten muss. Es wirkte also fast wie eine Rechtfertigung, als der 28-Jährige nach seinem bisher besten Saisonspiel sagte: „Ich bin in den letzten Wochen schon gut. Ich weiß, wo ich momentan stehe.“ Fünf Mal musste er gegen Gladbach eingreifen, die „klaren Tormöglichkeiten“ auf der anderen Seite aber fehlten. Und so gab sogar Über-Ehrgeizling Neuer zu, „dass wir mit dem 0:0 zufrieden sein müssen“. Einen Sieger hätte das Spiel nicht verdient gehabt, sagte auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Das Unentschieden ging in Ordnung, das stellte niemand infrage. Aber was für Schlüsse man ziehen sollte, wusste auch auf der Heimreise noch niemand so recht. „Leben“ könne man mit dem Remis, sagte Guardiola, „sehr, sehr stolz“ sei er auf einige Dinge, die er auf dem Spielfeld gesehen habe. Die Spielkontrolle etwa, den Willen, über weite Strecken die Ordnung. Aber ohne Zug zum Tor gewinnt man keine Spiele – auch nicht, wenn man der FC Bayern ist. Und so bleibt Gladbach zwar weiterhin vier Punkte auf Distanz, absetzen vom ebenfalls noch ungeschlagenen Verfolger konnte man sich aber nicht.

Auf den Punkt brachte die Stimmung wohl Thomas Müller am besten, als er sagte: „Man muss auch mal mit einem 0:0 zufrieden sein“, sich am Kopf kratze, und erneut ansetze: „Also . . . zufrieden ist das falsche Wort. Man muss es mitnehmen.“ Abhaken, weitermachen – mehr gab es nicht zu sagen. Und zum Glück warten morgen (20.30 Uhr) im Hamburger SV und am Samstag im Prestige-Duell gegen Borussia Dortmund gleich zwei weitere Partien der „Wochen der Wahrheit“ (Guardiola).

„Es ist wichtig, dass wir unser Ding machen“, sagte Neuer. Nicht nur er erinnert sich noch gut an das bis zum Sonntag letzte Unentschieden, das die Bayern zum Wiesn-Auftakt ausgerechnet beim HSV hatten hinnehmen müssen. „Wir haben uns schwer getan“, ergänzte er: „In Hamburg bekommt man nichts geschenkt.“ Nicht in der Liga, und sicherlich auch nicht in der zweiten Runde des DFB-Pokals.

„Konzentriert bleiben“ müsse die Mannschaft, forderte Rummenigge als einer der wenigen, die nach dem Spiel überhaupt sprechen wollten. Der Großteil ging wortlos in den Bus – vorbei an Guardiola, der seine Hände aber weitestgehend bei sich behielt. Womöglich hatte er schon genug Körperkontakt gehabt.

Hanna Schmalenbach

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