Ex-Goalgetter im tz-Interview

Giovane Elber: Bayern-Legende mit düsteren Brasilien-Eindrücken - Kritik an Bolsonaro: „Sohn von Donald Trump“

Bayern-Legende Giovane Elber.
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Bayern-Legende Giovane Elber.

Da vergeht sogar Giovane Elber (47) die gute Laune! Die Bayern-Legende erlebt die Corona-Krise in seiner Heimat Brasilien und übt im tz-Interview Kritik an Präsident Jair Bolsonaro. 

  • Die Bundesliga* befindet sich weiter in der Corona-Pause*.
  • Auch beim FC Bayern München* hofft man auf einen baldigen Neustart.
  • FCB-Legende Giovane Elber weilt aktuell in seiner brasilianischen Heimat - und wurde im tz-Interview deutlich.
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München - Die Corona-Krise hat die Bundesliga* und den FC Bayern München* weiter im Griff. In Kürze könnte eine Entscheidung über den Neustart fallen - oder hat das irre Skandal-Video von Hertha-Profi Salomon Kalou nun alles zerstört?

Bayern-Legende Giovane Elber ist aktuell in seiner brasilianischen Heimat. Im tz-Interview übt er Kritik an Präsident Jair Bolsonaro. Außerdem verrät Elber, wie er und seine Familie sich die Zeit vertreiben.

Herr Elber, wie geht es Ihnen? Wie erleben Sie die Corona-Krise in Brasilien? 

Elber: Bis jetzt geht es mir gut. Ich bin mit meiner Familie zuhause. Wir waren einige Tage auf meiner Farm, jetzt sind wieder seit gut einer Woche wieder in der Stadt, in Londrina. Die Situation hier macht mir wirklich Angst. Obwohl schon sehr viele Menschen gestorben sind, sollen die Geschäfte wieder geöffnet werden.

Dabei sind die Zahlen in Brasilien erschreckend hoch. 

Elber: Ja, die Todeszahlen sind mittlerweile höher als in China. Deshalb verstehe ich nicht, warum Präsident Bolsonaro und die anderen Politiker die Geschäfte wieder öffnen wollen. Natürlich geht es vielen Firmen und den Mitarbeitern schlecht, einige haben nicht einmal etwas zu essen. Aber im Moment darf man nicht ans Geld denken, sondern an die Gesundheit. Was nützt alles Geld, wenn jemand krank wird und wegen Corona stirbt?

FC Bayern München: Giovane Elber ist aktuell in Brasilien - und schimpft über Präsident Bolsonaro

Wie sehen Sie den Umgang Ihres Präsidenten mit der Krise? 

Elber: Präsident Bolsonaro glaubt offensichtlich, er sei der Sohn von Donald Trump. Er hat anfangs gesagt, dass das Coronavirus nur wie eine normale Grippewelle sei. Bolsonaro ist selbst in die Städte gefahren, hat sich dort mit Menschen getroffen und die umarmt – als sei gar nichts passiert. Das macht mir Sorgen und Angst! Immerhin: Viele Brasilianer haben verstanden, dass es jetzt erst mal darum geht, gesund zu bleiben. Die Arbeitslosen bekommen jetzt 100 Euro monatlich vom Staat. Ich finde aber, das ist noch zu wenig.

Was schlagen Sie vor? 

Elber: Es gibt hier in Brasilien einen Fonds für die Parteien, damit sie vor den Wahlen die Werbung und den Wahlkampf bezahlen können. Ich glaube, jetzt wäre die Zeit gekommen, nicht über Politik nachzudenken, sondern darüber, wie man der Bevölkerung helfen kann. Das Geld sollte zum Beispiel an die Krankenhäuser gehen, aber nicht für den Wahlkampf aufbewahrt werden.

FC Bayern München: Giovane Elber glänzt jetzt am Herd

Wie verbringen Sie die viele freie Zeit? 

Elber: Mein neues Hobby ist Kochen. Ich habe viel Zeit, die ich mir meiner Familie verbringen kann. Wir alle essen und trinken gerne, verbringen schöne Nachmittage und Abende zusammen. Ich habe in meinem Garten auch ein Beachvolleyball-Feld, das wir nutzen. Nebenan gibt es einen Golfplatz, auf dem man jetzt wieder zu zweit spielen darf. Ich kann die Zeit also nutzen, um Golf zu lernen.

Was tischen Sie Ihrer Familie auf? 

Elber: Ich koche viel und gerne mit Fleisch. Heute gab es Wiener Schnitzel. In Brasilien ist es außerdem üblich, dass man jeden Tag Reis und Bohnen isst. Das ist fast wie bei den Italienern und der Pasta. Ich habe auch schon Brötchen und Eiscreme gemacht. Bis jetzt hat es sehr gut funktioniert, nur die Brötchen sind etwas zu hart geworden (lacht). Die Familie ist bisher jedenfalls sehr zufrieden.

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Wissen Sie Ihre finanzielle Sicherheit jetzt noch einmal mehr zu schätzen? 

Elber: Gott sei Dank habe ich in meinem Leben gutes Geld verdient. So kann ich auch Situationen wie die Corona-Krise mit meiner Familie gut überstehen. Andere Menschen wissen nicht, was sie morgen essen können. Das macht mich sehr traurig. Ich kann mit meiner Familie in den Swimmingpool oder den Fitnessraum, viele Leute aber müssen die Zeit mit bis zu sieben Personen auf 30 Quadratmetern verbringen.

Wie ist der Kontakt nach München, zum FC Bayern*? 

Elber: Ich vermisse München sehr. Ich habe den letzten Flug nach Brasilien genommen – mit dem Gedanken, dass ich in drei, vier Wochen wieder zurück nach Deutschland kann. Bis jetzt weiß ich aber nicht, wann ich wieder nach München reisen darf. In Brasilien ist die Pandemie jetzt in vollem Gange, in den großen Städten wie Manaus, Sao Paulo und Rio de Janeiro sind die Krankenhäuser alle überfüllt. Bei uns geht es jetzt erst richtig los! Ich mache derzeit, genau wie die anderen Mitarbeiter des FC Bayern*, ein bisschen Homeoffice, stehe ständig mit ihnen in Kontakt. Ich vermisse auch die Reisen als Markenbotschafter sehr. Ich habe wegen des Coronavirus viele Reisen absagen müssen: Singapur, China, Thailand. Das ist schade, aber die völlig richtige Entscheidung gewesen.

Das Gespräch führte Jonas Austermann.

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