Pep & Thiago: Reise in die Vergangenheit

"Barcelona ist im Moment besser als wir"

München - Es wird eine emotionale Heimkehr nach Barcelona. Für Thiago, aber vor allem für Pep Guardiola. Das Champions-League-Halbfinale im Camp Nou ist eine ganz besondere Angelegenheit – eine Reise in die Vergangenheit.

Pep Guardiola und Thiago Alcantara: Die beiden Spanier sind fußballerisch in Barcelona beheimatet.

Pep Guardiola dürfte dabei aber leichte Orientierungsprobleme haben.Der Weg in die Gästekabine im legendären Stadion und zur Trainerbank rechts vom Spielertunnel ist dem 44-Jährigen überhaupt nicht vertraut. Es wird für ihn in jeder Hinsicht eine ganz besondere Geschichte, wenn er am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ZDF) zum Halbfinale antritt. „Natürlich ist es etwas Besonderes. Es ist Barcelona, es ist mein Zuhause“, sagte Guardiola unmittelbar nach der Auslosung mit strahlenden Augen. Er sei einer von Barça, „und werde es immer bleiben“, hatte er zuvor schon betont.

Der Trainer des deutschen Rekordmeisters kehrt an jenen Ort zurück, an dem er als Balljunge angefangen und als Jugendspieler eine großartige Karriere gestartet hat. 22 Jahre wirkte er bei Barça, war dort Kapitän und mit 14 Titeln der erfolgreichste Trainer der Vereinshistorie. Noch heute ist er Volksheld. Als er im März bei einem Ligaspiel im Stadion saß, erhoben sich die Leute ehrfürchtig zu Ovationen.

Auch am Mittwoch wird Guardiola im Camp Nou, wo er am 5. Mai 2012 beim 4:0 gegen Espanyol Barcelona frenetisch verabschiedet worden war, freundlicher Applaus der Anhänger gewiss sein. „Wir werden Pep mit allen Ehren empfangen“, sagte Präsident Josep Maria Bartomeu.

Doch Guardiola will sich von jeglichen Sentimentalitäten freimachen, auch wenn sogar seine zwölfjährige Tochter Maria den besonderen Wert der Reise nach Barcelona hervorgehoben hatte. „Gut. Dann kann ich ja Oma und Opa sehen“, antwortete sie ihrem Papa per SMS, als dieser den Halbfinal-Gegner übermittelt hatte.

Guardiola wird ab Dienstagmittag, wenn die Bayern am Flughafen El Prat landen, im Mittelpunkt stehen. Auf ihn werden sich alle stürzen. Ihm trauen sie in der alten Heimat auch heute noch alles zu. Trotz aller Verletzungssorgen der Bayern sagte Andres Iniesta im Sportbild-Interview mit Hochachtung: „Gegen ein Team mit Guardiola als Trainer gibt es eigentlich kein gutes Ausgangsergebnis. Denn für Guardiola ist alles möglich.“

Der Bayern-Trainer meinte dennoch vor dem Abflug vorsichtig: „Barcelona ist im Moment besser als wir. Auch weil sie seit 15, 20 Jahren den selben Stil pflegen.“ Einen Stil, den er als Coach mit seiner Philosophie vom Ballbesitz-Fußball zwischen 2008 und 2012 perfektioniert hat. Noch immer profitieren Lionel Messi, ­Iniesta oder jetzt auch Neymar davon.

Auch Thiago war bei Barcelona in den Genuss der Ideen von Guardiola gekommen – und ihm 2013 nach München gefolgt. Guardiolas Spruch „Thiago oder nix“ ist inzwischen legendär. 25 Millionen überwiesen die Bayern schließlich an Barcelona für einen Spieler, den damals keiner so richtig auf der Rechnung hatte. „Man gab mir bei Barça nicht das Gefühl, dass man an mich glaubte. In München habe ich das gefunden, was ich gesucht habe“, sagte der 24-Jährige unlängst El Pais.

Dennoch sei es für ihn „ein großartiges Gefühl“, in seine Heimat zurückzukehren, zumal er auf seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Rafinha trifft. „Wir haben immer zusammengespielt, jetzt spielen wir gegeneinander. Aber am Ende ist das nicht wichtig“, sagte er dazu. „Ich muss mich gut vorbereiten, denn es spielt Bayern gegen Barça – das ist wichtig.“ Der Satz hätte auch von Guardiola sein können.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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