Gratulation zum 120-Jährigen

BVB-Boss Watzke über FCB: Bayern verursacht „Riesenschmerzen“ 

Ziemlich beste Freunde? BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und FCB-Sportdirektor Hasan Salihamidzic
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Ziemlich beste Freunde? BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und FCB-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Es gibt ein Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, mit dem hadert Hans-Joachim Watzke noch heute. Ansonsten hat der BVB-Chef nicht viel am Erzrivalen auszusetzen.

  • Der FC Bayern München und Borussia Dortmund sind zwei Erzrivalen des deutschen Fußballs.
  • Dies ist den Erfolgen der aktuell erfolgreichsten heimischen Fußballklubs geschuldet.
  • Zum 120-jährigen FCB-Bestehen spricht BVB-Boss Watzke über das Verhältnis zwischen West- und Südklub.

Dortmund/München - Auf dem Spielfeld sind sie erbitterte Rivalen, abseits davon Partner. Die Zeiten der Süd-West-Feindschaft zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund gehören der Vergangenheit an, seit einigen Jahren gehen BVB und FCB zum Wohle des deutschen Fußballs sogar Hand in Hand. Kein Wunder also, dass sich Hans-Joachim Watzke in die Liste der FCB-Gratulanten eintragen wollte. Das Interview mit dem Borussen-Boss:

Herr Watzke, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt mit dem FC Bayern?

Hans-Joachim Watzke: Das war 1966. Damals haben die Bayern im Endspiel um den DFB-Pokal gegen Duisburg gespielt. Zu dieser Zeit hieß der Klub noch Meidericher SV, jedenfalls wohnte meine Tante zu dieser Zeit in der Nähe von Aschaffenburg und hat Tickets für das Finale in Frankfurt bekommen. Also bin ich mit ihr zum Fußball und habe dort zum ersten Mal Bayern München gesehen, die erst im Jahr zuvor aufgestiegen waren. Die Duisburger gingen in Führung, nach 90 Minuten stand es dank eines Brenninger-Doppelpacks jedoch 4:2 für München. Seit diesem Tag war mir bewusst, dass die Bayern da sind.

FC Bayern gegen Borussia Dortmund: Mit diesem Spiel hadert Watzke noch heute

Es bestand jedoch nie die Gefahr, dass Sie morgens in rotweißer Bettwäsche aufgewacht wären.

Watzke: Völlig ausgeschlossen. Ich war damals weder Bayern- noch Meiderich-Fan, sondern fand es als knapp Siebenjähriger einfach toll, bei einem Pokalfinale dabei sein zu können. Hinzu kommt, dass der BVB einen Monat zuvor den Europapokal der Pokalsieger gewonnen hatte. Die Gefahr bestand also nie. Dennoch habe ich die Bayern von Anfang an auf dem Schirm gehabt.

So?

Watzke: Ich bin ein Kind der Bundesliga. Seit meinem Schuleintritt 1965 habe ich die Bundesliga verfolgt und somit auch den Werdegang des FC Bayern. Der Klub hat mir schon immer Respekt abgenötigt, keine Frage. Bayern-Hasser war ich jedenfalls nie.

Gibt es vielleicht trotzdem ein Bayern-Erlebnis, das Sie am liebsten ungeschehen machen würden?

Watzke: Das wäre natürlich die denkbar knappe Niederlage im Champions-League-Finale 2013. Mit diesem 1:2 in London hadere ich noch heute. Mit einem Klub wie Borussia Dortmund in ein derartiges Endspiel einzuziehen, ist nicht selbstverständlich. Das sieht man allein schon daran, dass es die Bayern seitdem auch nicht mehr geschafft haben. Und wenn man es doch hinbekommt, dann will man dieses Spiel natürlich unter allen Umständen gewinnen. Hinzu kam, dass wir das Ding ja auch noch in der 89. Minute verloren haben. Das hat schon Riesenschmerzen verursacht, ist doch klar.

Sie haben aber bestimmt auch schöne Erinnerungen an die Bayern.

Watzke: Das 5:2 in Berlin 2012. Das hatte schon was.

Darum sind die Beziehungen zwischen Bayern München und Borussia Dortmund heute so gut

Dieses Endspiel fiel auch in eine Zeit, in der es zwischen beiden Klubs einigermaßen knisterte.

Watzke: Das stimmt, zwei bis drei Jahre lang war es durchaus kritisch. Mittlerweile hat sich das aber wieder gelegt. Speziell Karl-Heinz Rummenigge und ich haben eine sehr gute Basis miteinander geschaffen. Dadurch, dass sich der Fußball ja immer weiter internationalisiert*, gibt es in der Zwischenzeit auch eine Menge Dinge, bei denen wir zum Wohl des deutschen Fußballs an einem Strang ziehen. Ich glaube nicht, dass Borussia Dortmund und Bayern München jemals auf einer stabileren Basis standen als speziell in den vergangenen Monaten.

Wie kam es dazu, dass sich beide Parteien aufeinander zubewegt haben?

Watzke: Die Bayern haben zu dieser Zeit natürlich mit aller Macht versucht, uns zurückzudrängen. Und wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich auch Späne. Im Laufe der Jahre habe ich allerdings schnell erkannt, dass man sich auf Rummenigges Wort zu einhundert Prozent verlassen kann. All das hat dazu beigetragen, dass wir heute ein sehr entspanntes Verhältnis haben. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir werden immer Rivalen sein und uns sportlich streiten. Solange es das Tandem Watzke-Rummenigge gibt, ist die gegenseitige Wertschätzung zwischen den Klubs aber definitiv gewährleistet.

Wie kann man sich den Austausch zwischen Ihnen und Rummenigge vorstellen? Greifen Sie auch mal zum Hörer und klingeln an der Säbener Straße durch oder beschränkt es sich doch eher auf repräsentative Anlässe?

Watzke: Der Kontakt ist schon ein regelmäßiger. Wir treffen uns auch immer wieder, weil es nun mal viele Themen zu besprechen gibt – sei es die ECA (Europas Klub-Vereinigung, d.Red.), die Weiterentwicklung im internationalen Bereich oder spezifische Ereignisse im deutschen Fußball. Die Bayern und wir sind die zwei erfolgreichsten Klubs Deutschlands mit der größten Strahlkraft für das Ausland, da ist es völlig normal, dass man sich öfter mal kurzschließt. Und in der Regel sind die Interessen beider Klubs auch identisch.

Hans-Joachim Watzke spricht über das Verhältnis zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern.

Welche Persönlichkeiten waren in Ihren Augen die prägendsten für den FC Bayern?

Watzke: Erst mal gilt es hier natürlich den Namen Uli Hoeneß zu nennen. Wer einen Verein in 40 Jahren als Manager und Präsident derart erfolgreich prägt, der sticht einfach heraus (alle FCB-Titel in der Übersicht). Der zweite Name ist auch klar: Karl-Heinz Rummenigge. Auch er hat es nun über viele Jahre in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender exzellent gemacht. Einen Franz Beckenbauer darf man hier auch nicht vergessen. Er wurde Mitte der Neunziger zu einer Zeit Präsident, in der es den Bayern bei Weitem nicht so gut ging wie heute. Franz hat dem Verein viel Glanz verliehen. Bei allem Respekt vor den handelnden Personen von heute darf man hier das Tandem Neudecker-Schwan auch nicht vergessen. Beide haben schon früh dafür gesorgt, dass der Europapokal dreimal nach München gewandert ist. Sie haben in den Siebzigern dramatische Weichenstellungen vorgenommen, von denen die heutige Bayern-Führung sehr stark profitieren konnte.

Was kann der BVB vom FCB lernen?

Watzke: Von diesem extremen Selbstbewusstsein könnten wir uns manchmal schon eine Scheibe abschneiden.

FC Bayern und seine Mia-san-Mia Kultur: „Vielleicht eine Spur zu prall“

Und umgekehrt?

Watzke: Der BVB ist für seine starke Bodenhaftung bekannt, vielleicht würde das auch anderen Klubs gut zu Gesicht stehen.

Warum fällt es den Nicht-Bayern eigentlich so schwer, die Bayern zu mögen?

Watzke: Dieses „Mia san mia“ entspricht ja sehr stark dem bayerischen Lebensgefühl. Demzufolge tun sich andere Regionen mit dieser prallen Selbstgewissheit schon schwer. Man muss jedoch auch neidlos anerkennen, dass diese Selbstgewissheit auch Gründe hat. Insofern kann ich persönlich gut damit leben, dem ein oder anderen ist es dagegen vielleicht eine Spur zu prall.

Wenn Sie einen Spieler aus 120 Jahren Bayern München zu Borussia Dortmund holen könnten, wer wäre das?

Watzke: Definitiv Franz Beckenbauer. Bei Gerd Müller wäre ich ebenfalls schwach geworden. Robert Lewandowski war ja schon bei uns, ein Karl-Heinz Rummenigge zu seinen besten Zeiten hätte uns aber auch sehr gut zu Gesicht gestanden. Ich würde aber beim Franz bleiben.

Und zu guter Letzt noch Ihre Geburtstagswünsche an die Bayern – abgesehen davon, dass Sie die nächsten 120 Jahre hinter Schwarzgelb stehen.

Watzke (lacht): Das wird sich ab und zu nicht vermeiden lassen, in der Regel werden sie es aber schon zu verhindern wissen. Nein, ich wünsche den Bayern, dass sie auch weiterhin so ein großer Verein bleiben. Dass sie auch weiterhin Leute an der Spitze haben, die sich die aktuellen Verantwortlichen zum Vorbild nehmen und den Verein ordentlich führen. Und dass sie weiterhin solide wirtschaften und eine Institution bleiben, die auch in Zukunft in die Gesellschaft hineinwirkt. Im Prinzip kann man Bayern München als Außenstehender nur wünschen, dass sie den Status quo erhalten.

Noch spielt Mittelfeldmann Adrian Fein beim HSV in der zweiten Liga. U21-Coach Stefan Kuntz lobt das Bayern-Juwel, dessen Zukunft ab Sommer feststeht*.

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Watzke darf sich nun wohl auf den nächsten Transfer-Coup freuen - offenbar verpflichtet der BVB einen 16-Jährigen für 35 Millionen Euro.

Interview: José Carlos Menzel López

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