Ein Jahr Flick beim FCB

Blick hinter die Bayern-Kulissen: Der „nette Hansi“ zeigt mittlerweile ganz andere Seiten

Trainer des FC Bayern: Hansi Flick.
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Weiß, was er will: Bayern-Trainer Hansi Flick.

Seit rund einem Jahr ist Hansi Flick als Cheftrainer beim FC Bayern im Amt. Er hat sich vom „netten Hansi“ zu einem Coach entwickelt, der seine Meinung gerne kundtut.

  • Im November 2019 wurde Hansi Flick beim FC Bayern zum Cheftrainer.
  • Seitdem hat er sich vom „netten Hansi“ zum echten Chef gewandelt.
  • Der Fall David Alaba gefällt ihm gar nicht.

München – Ein Tag durchschnaufen war angesagt. Nicht auf dem Platz, wo Hansi Flick sein Team zur Vorbereitung auf das Topspiel beim BVB bat, sondern daneben. Keine Pressekonferenz, kein öffentlich gesprochenes Wort musste vonseiten des Bayern-Trainers zwei Tage vor dem Liga-Gipfel geleistet werden. Das hieß: Es bestand keine Gefahr, dass ihm bei einer weiteren Nachfrage zum Thema David Alaba endgültig der Kragen platzen würde.

Aus seinem Ärger über diesen Nebenschauplatz hat Flick seit Sonntag, also seit dem Auftritt von Herbert Hainer im BR, kein Geheimnis gemacht. Öffentlich gab er zu Protokoll, „alles andere als glücklich“ darüber zu sein, sich „in einer Woche, in der wir zwei schwere Spiele haben“, mit diesem Fall beschäftigen zu müssen. Und auch intern machte er seinen Standpunkt unmissverständlich klar.

FC Bayern München: Hansi Flick von Alaba-Fragen genervt

Dafür, dass die Partie in Salzburg nach dem zurückgezogenen Angebot an den Abwehrboss vollkommen in den Hintergrund geriet und auch das Topspiel im Schatten dieses Themas über die Bühne gehen wird, hat der Cheftrainer kein Verständnis. Man hätte das auch wann anders verkünden können, denkt er. Hätte man nicht, denken die Bosse.

Die Interessen von Übungsleitern und Club-Verantwortlichen sind freilich nicht immer dieselben. Flick will nichts als Ruhe für sein Team, das sich mit schwindenden Kräften durch anstrengende Auswärtswochen kämpft, und natürlich will er auch, dass ein Mann wie David Alaba ihm als wichtige Stütze erhalten bleibt. Er hat den Erfolg im Blick, kurzfristig wie langfristig, während Hasan Salihamidzic und Karl-Heinz Rummenigge darüber hinaus an Finanzen, Hierarchien und das Gesamtkonzept denken müssen. Alaba ist da nun ein besonders gutes Beispiel. Es steht nicht nur sinnbildlich für die Vereinspolitik, sondern auch für das interne Wirken Flicks.

FC Bayern: Hansi Flick fand die Zeit vor einem Jahr „schwer“

Genau ein Jahr war es in dieser Woche her, dass der FC Bayern den Mann, der als Co-Trainer von Niko Kovac im Verein als „der nette Hansi“ wahrgenommen wurde, zum Chef beförderte. Man erinnert sich noch gut an das letztjährige Spiel gegen den BVB. 4:0 endete es, und danach durfte Flick „bis auf Weiteres“ (Rummenigge) im Amt bleiben. Etwas später stellte man ihm eine Garantie bis Weihnachten aus, der Coach hangelte sich bis zum neuen Vertrag. „Nicht immer ganz einfach“ sei das gewesen, sagt er, die Zeit ließ den 55-Jährigen aber auch wachsen. Heute ist er kein beförderter Co-Trainer mehr, der macht, was von ihm verlangt wird. Sondern ein Coach mit klarem Plan, intern als streitbarer Geist gesehen.

Langjährige Weggefährten wussten schon lange, welches Potenzial in Flick schlummert. An der Säbener Straße aber gibt es nicht wenige, die von seiner Metamorphose doch überrascht sind. Während Niko Kovac auch daran scheiterte, es allen Recht machen zu wollen, bleibt Flick bei seiner Linie. Er ist da stur, sagen manche, aber genau das kommt gut an. Bei den Spielern sowieso, aber auch in den höheren Etagen. Die einhellige Meinung: Die Mannschaft spielt guten Fußball – und auch die Arbeit neben dem Platz (=Kaderplanung) trägt ja Früchte.

FC Bayern: Hansi Flick hatte bei Odriozola und Hudson-Odoi eine klare Meinung

Verantwortlich dafür zeichnet Salihamidzic, die regelmäßigen Meinungsverschiedenheiten mit Flick aber sieht man als durchaus förderlich an. Schon im Winter, als er einen Außenverteidiger forderte und Alvaro Odriozola bekam, trat Flick meinungsstark auf, das zieht sich bis heute durch. Im Sommer sorgte die Causa Callum Hudson-Odoi für Unmut, dessen Transfer platzte. Der Rest von Flicks Forderungen aber wurde erfüllt. Man ist vom Ergebnis, also Breite und Qualität des Kaders, überzeugt.

Auch Uli Hoeneß und Rummenigge haben sich ja nicht den ganzen Tag umarmt, man sieht da durchaus Parallelen. Reibung erzeugt Energie. Im Fall Alaba ist das wohl zu spät. Für die Zukunft aber nur förderlich.

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