Nach Pleite in Mönchengladbach

Hansi Flick spielt weiter Harakiri: Die tz erklärt Bayerns Abwehrschwäche

Hansi Flick gestikuliert vor der Bank des FC Bayern, hinter ihm sitzen Holger Broich und Hasan Salihamidzic.
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Hansi Flick hat bisher keine Lösung für die Defensivschwäche des FC Bayern gefunden.

Die Abwehr des FC Bayern ist auch gegen Borussia Mönchengladbach löchrig. Hansi Flick übt Kritik - und ist jetzt zum Handeln gezwungen.

  • Der FC Bayern zeigt bei der 2:3-Pleite gegen Borussia Mönchengladbach erneut eklatante Schwächen in der Defensive.
  • Das Team von Hansi Flick lässt sich erneut von zwei Pässen durchs Zentrum aushebeln.
  • Die tz erklärt, warum es in der Abwehr des FC Bayern nicht läuft und was der Rekordmeister ändern muss.

München - Rund vier Monate ist es her, dass die Fußball-Welt sich ernsthaft die Frage stellte, wer den FC Bayern unter Hansi Flick eigentlich aufhalten soll. Die Münchner rollten über Lionel Messi und den FC Barcelona hinweg, krönten sich zum Champions-League-Sieger.

Ein wichtiger Teil des bayerischen Erfolgsrezepts: die hoch positionierte Abwehrreihe. Das war im August 2020 - im Januar 2021 ist davon nicht mehr viel übrig. Der FC Bayern kassierte bei der Pleite in Gladbach drei Treffer, insgesamt sind es nach 15 Bundesliga-Spielen bereits 24 Gegentore - die schlechteste Defensiv-Bilanz seit 39 Jahren.

FC Bayern: Hansi Flick nimmt David Alaba und Niklas Süle in die Pflicht

Trotz der offensichtlichen Abwehr-Probleme lässt Flick die Viererkette weiter sehr hoch und mutig agieren, das Risiko aber zahlt sich nicht so aus wie in der Triple-Saison. In der Bundesliga stand bislang nur gegen den FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt die Null. Das wirft die Frage auf: Warum spielt Hansi weiter Harakiri?

„Wir sind bestraft worden für drei unnötige Ballverluste“, meinte der Trainer des FC Bayern. „Wir müssen versuchen, diese Fehler nicht zu machen. Aber es ist auch so, dass wir die Tiefe absichern müssen.“ Eine treffende Analyse von Flick, der David Alaba beim ersten Gegentreffer ankreidete, er laufe „ein bisschen zu früh raus und verlässt hinten die Linie“. Stattdessen hätte der Österreicher einfach auf Höhe von Innenverteidiger-Kollege Niklas Süle stehen bleiben sollen. Im Anschluss patzte auch Süle noch gewaltig, wollte einmal unnötig auf Abseits spielen (Flick: „Da muss man einfach mitgehen“) und leitete das 2:3 mit einem haarsträubenden Fehlpass ein.

FC Bayern: Wann passt Flick sein System endlich an?

Individuelle Fehler sind das eine, andererseits darf von einem erfahrenen Fußball-Fachmann wie Flick erwartet werden, dass er seinen Plan an die aktuelle Verfassung des Teams anpasst. An den bislang 15 Spieltagen lief die Viererkette in zwölf verschiedenen Besetzungen auf, eine perfekte Abstimmung darf man also nicht erwarten.

Vor dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach gerieten die Bayern zudem acht Mal hintereinander in Rückstand - ebenfalls eine Tatsache, die das Vertrauen in die Defensiv-Arbeit nicht stärkt. Und bei Flicks im erfolgreichen Fall so attraktivem Pressing liegen oft Sekundenbruchteile und Zentimeter zwischen Ballgewinn oder Großchance für den Gegner.

Die logische Konsequenz wäre, die Abwehr wenigstens ein paar Meter weiter nach hinten zu verschieben. Der Raum zwischen Viererkette und Keeper Manuel Neuer wäre kleiner, für den Gegner schwieriger zu bespielen. Im Moment nämlich gleicht die Münchner Defensive einem Selbstbedienungsladen.

FC Bayern: So einfach hebeln die Gegner den Rekordmeister aus

Sogar der FSV Mainz, inzwischen Tabellenletzter, durfte sich so richtig austoben und zwei Tore schießen. Bei den Gegnern ist die Bayern-Schwäche längst bekannt. Gladbachs Doppel-Torschütze Jonas Hofmann erklärte nach Abpfiff, wie der Plan lautete: „Bayern verteidigt hoch, wir müssen hinter die Kette kommen.“ Trainer Marco Rose habe ihm „strikt vorgegeben“, immer wieder vom Mittelfeld aus in Angriffsposition zu laufen.

Es waren individuelle Fehler, aber trotzdem kann man sich so positionieren, dass die Ballverluste nicht so verheerend enden.

Leon Goretzka

Der Plan gegen den Triple-Sieger ist aktuell simpel wie selten: Das Zentrum verengen, um Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Thomas Müller wenig Platz für Kombinationen zu geben. Nach Ballgewinn reicht oft ein - zumindest auf Bundesliga-Niveau - handelsüblicher Flachpass zwischen Bayerns Innenverteidiger. Bislang gab’s 14 der 24 Gegentore nach diesem Muster.

„Wenn man unser Spiel sieht, ist es schon auffällig, wo wir Probleme haben“, sagte Flick dazu. „Es ist unsere Aufgabe als Trainer, dieses Spiel herzunehmen und die Dinge, die wir besser machen müssen, in den Fokus zu stellen.“ Das fordert auch Goretzka. „Es waren individuelle Fehler, aber trotzdem kann man sich so positionieren, dass die Ballverluste nicht so verheerend enden.“

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