Gewonnener Punkt gegen Leipzig

Zahnfleisch-Bayern! Immer mehr Verletzungen - Aber Flick hat einen Masterplan für den Jahres-Endspurt

Beim FC Bayern sehnen Trainer und Spieler die kurze Winterpause herbei. Doch noch sind vier Spiele zu absolvieren. Ändert sich die taktische Herangehensweise?

München - Das Zahnfleisch wird wunder. Vor gut einer Woche, als sich die Bayern beim VfB Stuttgart zu einem 3:1-Sieg gequält hatten, sprach Gonzalo Castro das aus, was dieser Tage ein offenes Geheimnis ist an der Säbener Straße. „Die Bayern gehen jetzt schon auf dem Zahnfleisch“, meinte der Stuttgarter. Linderung ist nicht in Sicht.

Im Gegenteil: Aus Sicht des Rekordmeisters musste nach dem 3:3 gegen Leipzig von einem gewonnenen und nicht von zwei verlorenen Punkten die Rede sein. Dank der Tore von Thomas Müller und Jamal Musiala wurde die Wurzelbehandlung vertagt, gerade die Abwehr drückt aber weiter auf den Nerv von Hansi Flick. Und der Cheftrainer will jetzt operieren.

FC Bayern München: Ändert Hansi Flick jetzt die Taktik?

13 Gegentore haben seine Schützlinge in den vergangenen neun Partien hinnehmen müssen. Der letzte Zu-null-Sieg ist anderthalb Monate her - ein Problem, dass mehrere, teils komplexe Gründe hat. Im Gegensatz zu vergangener Saison, als der FCB seinen Weg zum Triple mit einer eingespielten Viererkette beschritt, muss Hansi heuer öfter hinten flicken als ihm lieb sein kann.

Verletzungen führen zu Umstellungen, Umstellungen zu Unsicherheiten, Unsicherheiten wiederum zu (mittlerweile zu vielen) Gegentoren. Der riskante Stil mit teils weit aufgerückter Hintermannschaft tut ihr Übriges, sodass sich Flick mit Blick auf die vier verbleibenden Partien 2020 etwas einfallen lassen muss.

FC Bayern auf dem Zahnfleisch: Flick denkt über defensivere Herangehensweise nach

Und dies bereits getan zu haben scheint. „Wir haben letzte Saison immer wieder mit der gleichen Viererkette gespielt. Jetzt mussten wir das ein oder andere Mal wechseln“, so der Coach. „Das hat auch damit zu tun, dass die Abstimmung nicht hundertprozentig stimmt, wie es normalerweise sein sollte, weil wir auch sehr hoch agieren und dem Gegner so auch mehr Möglichkeiten bieten. Das sind Dinge, die wir verbessern müssen und bei denen wir als Trainerteam überlegen müssen, ob wir das vielleicht nicht ein bisschen anpassen. Es ist auch nicht einfach, das in die Trainingsarbeit einfließen zu lassen, weil du regenerierst und dann sofort in die Spielvorbereitung übergehst. Für die Automatismen fehlt die Zeit.“

Heißt: ab sofort soll taktisch reservierter gespielt werden. Die Abwehr soll tiefer stehen, die Räume in ihrem Rücken kleiner gehalten, vorne folgerichtig später gepresst werden. In der Winterpause ist dann wieder Zeit für Defensiv-Feintuning. Der Notplan bis dahin greift auch aufgrund der nächsten Verletzten, diesmal Jerome Boateng und Javi Martinez. Beim Spanier war sogar von einem Faserriss die Rede.

Lucas Hernandez fehlte gegen Leipzig zudem mit Oberschenkelproblemen. Darunter leidet die Abwehr. Müller zum 3:3: „Dass wir zurückkommen können, wussten wir schon vor dem Spiel. Dass wir aktuell zu oft zurückkommen müssen, wissen wir auch nicht erst seit heute. Deswegen können wir am Ende damit leben, müssen damit leben.“ Vier Spiele muss das Zahnfleisch noch halten. (lop)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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