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Salihamidzic spricht über dunkles Kapitel in seiner Vergangenheit: „Habe jeden Tag geheult“

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Von: Marius Epp

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Sportdirektor Hasan Salihamidzic nachdenklich bei einem Interview.
Hasan Salihamidzic hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. © Mladen Lackovic/imago-images

Hasan Salihamidzic machte einst eine schwere Zeit durch. Der Sportvorstand des FC Bayern erzählt vom Balkan-Krieg und seiner Flucht nach Deutschland.

München - Für einen bosnischen Einwanderer ist es alles andere als selbstverständlich, Entscheidungsträger bei einem der größten Vereine der Welt zu sein. Nicht immer hatte es Hasan Salihamidzic leicht - im DFL Magazin blickt er auf seinen bewegenden Lebenslauf zurück.

Mit 15 Jahren flüchtete er 1992 aus seinem Heimatort Jablanica im damaligen Jugoslawien. Dort wütete der Balkankrieg. „Es waren furchtbare Zeiten. Jablanica wurde bombardiert. Ein Blindgänger schlug direkt bei uns im Flur ein. Gott sei Dank haben wir alle überlebt“, erzählt er.

Hasan Salihamidzic (FC Bayern) gibt emotionale Einblicke in seine Kriegs-Vergangenheit

Sein Vater habe eines Tages zu ihm gesagt: „Hier ist eine Kalaschnikow, hier ist eine Pistole. Sobald die Front zusammenbricht, schnappst du dir Mama und deine Schwester und fährst mit dem Auto los.“ Dazu kam es zum Glück nicht, denn der junge „Brazzo“ war ein enorm talentierter Kicker - und fasste den Entschluss, in Deutschland Fußballprofi zu werden.

Mit einem Bus wurde er an mehreren Checkpoints vorbei nach Kroatien geschmuggelt .„An der Grenze musste ich aussteigen. Die kroatischen Soldaten wollten wissen, was ich hier mache“, erinnert sich Salihamidzic. Er wolle in Hamburg Fußball spielen, Profi werden. „Die haben sich kaputtgelacht und mich schließlich gehen lassen.“ Drei Jahre später gab er sein Profidebüt beim Hamburger SV, wechselte später zum FC Bayern und spielte auch noch für Juventus Turin.

Hasan Salihamidzic: „Habe jeden Tag geheult“

Besonders schwer fiel ihm damals die Trennung von seiner Familie. „Während der ersten drei Monate habe ich jeden Tag geheult“, sagt der heute 44-Jährige. Deutschland habe ihn aber gut aufgenommen. „Mir hat nie jemand was Ausländerfeindliches ins Gesicht gesagt.“

Der Fußball hat dem ehemaligen Flüchtling geholfen, Anschluss zu finden. „Im Fußball zählt nur, was du kannst. Nicht, wer du bist. Für mich ist es komplett unerheblich, wie ein Mensch aussieht, welche Religion er hat oder welchen Pass.“ An seinen ersten Satz auf deutsch erinnert sich der Bayern-Sportvorstand auch noch: „Ich möchte eine Limonade“.

Nicht immer zuckersüß geht es im harten Fußballgeschäft zu. Der Bosnier sah sich schon des Öfteren mit üblen Anfeindungen der Bayern-Fans konfrontiert. (epp)

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