Verlängerungen uns Transfers stehen an

Bald Vorstand: Auf Salihamidzic warten entscheidende Wochen - er hat wichtige Fürsprecher

Gesprächspartner: Sportdirektor Hasan Salihamidzic (l.) und Vorstand Oliver Kahn.
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Gesprächspartner: Sportdirektor Hasan Salihamidzic (l.) und Vorstand Oliver Kahn.

Wegen der Corona-Krise geht es beim FC Bayern ungewohnt ruhig zu. Dennoch sollte der Eindruck nicht täuschen: Der Druck auf Hasan Salihamidzic nimmt zu - was auch mit einer Personalie zusammenhängt.

  • Beim FC Bayern* machen sich die Entscheidungsträger in der Corona-Krise* rar.
  • Dabei stehen besonders für Hasan Salihamidzic einmal mehr wichtige Wochen ins Haus.
  • Der Sportdirektor kann sich auf seine Vorgesetzten aber bislang verlassen.

München - Schweigen. Das ist die Devise, zu der sich die Bosse des FC Bayern entschieden haben. Da ist es freilich von Vorteil, dass der Ball in der Bundesliga noch ein paar Wochen ruht. Wer ständig Kameras vor und Diktiergeräte unter der Nase hat, kommt brisanten Themen nicht aus. Wer aber hinter verschlossenen Türen vor sich hin arbeitet, kann Themen setzen, wann, wie und wo er will.

Die Causa Manuel Neuer hat Karl-Heinz Rummenigge also mit warmen Worten („gehe von Einigung aus“) kommentiert, viel mehr wird da nicht kommen. Nicht von Vorstand Oliver Kahn, der in seiner vier Monate langen Amtszeit sowieso erst ein einziges Interview gegeben hat.

FC Bayern: Salihamidzic steht unter Maulwurf-Verdacht

Und auch nicht von Hasan Salihamidzic, der zwar im Alltag gerne Stellung bezieht, in diesem Fall aber lieber nicht. Natürlich wird es dem 43-Jährigen missfallen, dass er - von Neuers Berater Thomas Kroth als zweiter Verhandlungspartner neben Kahn genannt - unter dringendem Verdacht steht, Details aus den Vertragsverhandlungen ausgeplaudert zu haben. Aber es ist auch in diesem Fall so, wie es immer ist, wenn Geheimnisse die Runde machen: Wer sich verteidigt, macht sich verdächtig. Warum etwas sagen, wenn nichts zu sagen ist?

Man kann ihm das nicht verübeln - obwohl der Grat schmal ist. Denn die Personalie Salihamidzic ist seit ihrem Bestehen eine, die polarisiert. Knapp drei Jahre ist es nun her, dass aus „Brazzo“ der Sportdirektor Hasan Salihamidzic geworden ist, dem es nicht anders ergeht als anderen Ex-Spielern.

FC Bayern: Nerlinger wurde selten so verteidigt wie Salihamidzic

Wie schwer der Übergang von den kurzen in die langen Hosen ist, hat unter anderem Christian Nerlinger zu spüren bekommen. Der Vor-Vorgänger von Salihamidzic war in den letzten Monaten seiner gerade mal drei Jahre währenden Amtszeit nahezu getrieben vom Wort „profilieren“. Die Bosse wollten mehr von ihm sehen, als er zu bieten hatte. Anders als Salihamidzic - für den Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung darum bat, „ihm eine Chance zu geben“ - wurde Nerlinger selten öffentlich verteidigt.

Salihamidzic sei „wie der junge Uli“ (Hoeneß), das sagte Rummenigge auch einst, und wenn solche Marken im Raum stehen, werden sie gerne als Gradmesser benutzt. Zur Erinnerung: Hoeneß startete 1979 mit sieben Millionen Mark Schulden, er ging 2019 mit einem prall gefüllten Festgeldkonto. Salihamidzic übernahm den seit dem Rückzug von Matthias Sammer vakanten Posten 2017 mit der vergleichsweise leichteren Aufgabe, die Millionen an den richtigen Stellen in den Kader zu stecken.

FC Bayern: Glücksgriff Davies ist Salihamidzic zuzuschreiben

Eine Mannschaft im Umbruch, heißt es ja seitdem, und es passte diese Woche als Antwort auf die Neuer-Debatte nur zu gut, dass ausgerechnet Alphonso Davies seinen Vertrag verlängerte. Der Kanadier ist jener Transfer, der als Musterbeispiel gilt. Ein Volltreffer, ein Glücksgriff, zuzuschreiben: Salihamidzic.

„Ein guter Junge“, das sagt der Sportdirektor über den 19-Jährigen, aber so bezeichnet er auch all die anderen Kadermitglieder gerne, sogar Alvaro Odriozola, seinen bis dato letzten Transfer. Das Leihgeschäft mit Real Madrid stand in der Winterpause sinnbildlich für den Gegenwind, der Salihamidzic nicht nur öffentlich, sondern auch gelegentlich in den geschlossenen Räumlichkeiten an der Säbener Straße entgegen weht.

FC Bayern: Flick macht klare Ansagen zu Kadervorstellungen

Der kleine interne Machtkampf mit Trainer Hansi Flick*, der gerne noch ein bis zwei weitere Neuzugänge gehabt hätte, ist offiziell zwar ausgeräumt (Vermittler: Kahn), wird aber auch in der nächsten Transferperiode - egal wann sie startet - mitschwingen. Flick hat eine klare Vorstellung von seinem Kader*, und er scheut nicht davor zurück, seine Forderungen zu artikulieren.

Aus dem Vorjahr stehen zu Buche: Benjamin Pavard (solide), Lucas Hernandez (lange verletzt), Ivan Perisic (guter Joker), Philippe Coutinho (wird nicht gekauft), Michael Cuisance und Fiete Arp (spielen keine Rolle). Bilanz: ausbaufähig. Priorität haben nun die Verlängerungen, Flick, Thomas Müller und Davies waren ein guter Anfang. Wenn Salihamidzic im Juli zum Vorstand aufrückt, startet die nächste Reifeprüfung. Er kann nur hoffen, dass die Causa Neuer bis dahin gelöst ist. Wer um Leroy Sané* oder womöglich doch Timo Werner pokert, braucht: Ruhe.

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Hanna Raif

Alphonso Davies überzeugt nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in den sozialen Medien, wo er seine Fans unterhält. Dieses Talent könnte ihm auch bei seinem Berufswunsch in die Karten spielen.

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