Teil zwei des großen Interviews

FCB-Präsident Hainer verrät spektakulären Campus-Plan: „Nagelsmann wird Schlüssel zum Erfolg sein“

Julian Nagelsmann lehnt an einem Wagen auf dem Trainigsplatz.
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Julian Nagelsmann soll eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der FCB-Talente spielen.

Im zweiten Teil unseres großen Interviews spricht FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer über die Corona-Pandemie, Nachwuchs und die Zuschauer-Rückkehr in die Stadien.

München - Herbert Hainer steht der tz Rede und Antwort. Im zweiten Teil des großen Interviews mit dem Präsidenten des FC Bayern München (hier der erste Teil) geht es um die Folgen der Pandemie für den Fußball, die Zuschauerrückkehr in die Stadien der Bundesliga sowie die Frauen und Basketballer des Rekordmeisters. Der Anspruch ist in allen Abteilungen derselbe: die Nummer 1 zu sein!

Inwieweit wird sich die Pandemie weiterhin auf den Fußball auswirken?
Herbert Hainer: Unser Hunger nach Erfolg und Titeln wird unverändert bleiben, aber auch wir müssen uns der neuen Situation stellen. Da ist nicht nur die Pandemie, sondern da sind auch die steigenden Ausgaben für Spieler und Berater. Und wenn man sich die Bilanzen einiger großer europäischer Klubs anschaut, muss man sich fragen, wie das in Zukunft funktionieren soll. Der FC Bayern hat es hingegen bisher immer geschafft, maximalen sportlichen Erfolg und wirtschaftliche Stabilität zu vereinen.
Dabei wird auch der Campus künftig eine noch größere Rolle spielen.
Hainer: Julian Nagelsmann wird ein Schlüssel zum Erfolg sein, wenn wir mehr junge Spieler vom Campus zu den Profis bringen wollen. Beim FC Bayern auf Anhieb den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen, ist natürlich sehr schwer. Das haben wir schon früher bei Philipp Lahm oder David Alaba gesehen, die erst ausgeliehen wurden, bevor sie zu internationalen Top-Spielern wurden. Jamal Musiala hat sehr schnell den Sprung zu den Profis geschafft, und auch Chris Richards oder Joshua Zirkzee haben das Talent, Bundesliga-Spieler zu werden – vielleicht sogar beim FC Bayern.
Bleibt Chris Richards aufgrund der Personalsituation in der Abwehr?
Hainer: Hasan Salihamidzic und Julian Nagelsmann müssen entscheiden, was für die Entwicklung von Chris Richards das Beste ist. Klar ist: Auf der Bank ist noch keiner besser geworden. Gerade junge Spieler müssen viel lernen und brauchen Spielpraxis. Wir werden sehen, ob Julian Chris zutraut, bei uns Spielpraxis zu bekommen oder was die beste Alternative für ihn ist. Julian hat gesagt, er will sich alle jungen Spieler anschauen, um zu sehen, wie sie sich machen.

FC Bayern: Hainer freut sich auf volle Stadien - „Fans sind die Essenz des Fußballs“

Bei den Testspielen können sie sich beweisen. Dabei sollen wieder bis zu 20.000 Fans in die Allianz Arena dürfen.
Hainer: Ich freue mich sehr, dass endlich wieder Fans zurückkommen. Die eineinhalb Jahre, in denen wir zu zehnt auf der Ehrentribüne gesessen haben, waren auf Dauer nicht sonderlich kommunikativ (lacht). Fans sind die Essenz des Fußballs. Das hat man bei der Fußball-EM 2021 gesehen. Da herrschte wieder eine ganz andere Stimmung.
In anderen Bundesländern dürfen bis zu 25.000 Zuschauer in die Stadien. Haben Sie von den Behörden schon eine Erklärung für diese Ungleichbehandlung erhalten?
Hainer: Wir haben die Erklärung erhalten, dass Bayern ein Durchreiseland sei und viele Urlaubsrückkehrer habe. Deswegen sei man ein bisschen vorsichtiger und lasse nur 20.000 Fans zu.
Worüber selten gesprochen wird, sind die kleineren Abteilungen, wie zum Beispiel Schach, beim FC Bayern. Wie wichtig ist es, dass auch die wieder Sport machen und sich treffen dürfen?
Hainer: Ich muss eine Lanze für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter brechen. Ob Schach, Kegeln, Tischtennis, Handball, Basketball, Seniorenfußball oder unsere Schiedsrichter-Abteilung: Unsere Mitglieder haben mehr oder weniger eineinhalb Jahre keinen Sport machen dürfen. Wir haben versucht, möglichst viel über Cybertraining aufzufangen. Die Menschen über einen so langen Zeitraum aktiv zu halten, ist wirklich nicht einfach. Da haben unsere Abteilungen ganze Arbeit geleistet.
Sie betonen immer wieder, dass der FC Bayern den Anspruch hat, überall die Nummer eins zu sein. Wie bekommt man das auf Dauer auch bei den Fußball-Frauen hin?
Hainer: Überall, wo der FC Bayern im Profisport antritt, ist es unser Anspruch, Erster zu sein. Unsere Frauen haben in der letzten Saison die Meisterschaft gewonnen und haben in der Champions League das Halbfinale erreicht. Insofern würde ich sagen, dass wir in der europäischen Spitze angekommen sind. Das wollen wir in der kommenden Saison bestätigen. Wir wollen den Meistertitel verteidigen und in der Champions League ganz vorne mitmischen.

Wie Herbert Hainer kürzlich schilderte, rechne er mit einem Umsatzverlust des FC Bayern aufgrund der Corona-Krise von etwa 150 Mio. Euro:

FCB-Chef will Frauenfußball fördern: „Es braucht dringend größere finanzielle Mittel“

Im Vergleich mit den englischen Frauen-Teams, die mittlerweile Millionen an TV-Geldern kassieren, hat Deutschland einen starken Wettbewerbsnachteil.
Hainer: Diesen Nachteil haben wir ja ganz ähnlich auch bei den Männern. Die Engländer haben einen viel höher dotieren Fernsehvertrag als wir in der Bundesliga. Wir müssen uns eben andere Dinge einfallen lassen, haben andere Stärken – zum Beispiel den Erfolgshunger, der den FC Bayern auszeichnet, und den familiären Gedanken. Ich habe noch keinen Spieler erlebt, der aus München weggegangen ist und gesagt hat, er habe sich hier nicht wohlgefühlt. Ob Luca Toni, Javi Martinez oder Franck Ribéry: Sie alle schwärmen von ihrer Zeit beim FC Bayern. Wir haben ein super Umfeld in München, und das macht uns wie bei den Männern natürlich auch für das Frauen-Team interessant. Wir werden auch dort weiter in den Kader investieren und uns Stück für Stück verstärken.
Wie wichtig wäre ein Liga-Verband für die Frauen?
Hainer: Natürlich muss sich in dieser Hinsicht etwas tun. Es braucht dringend größere finanzielle Mittel, um dem Frauenfußball gerecht werden zu können.
Woran hakt es derzeit?
Hainer: Ich würde es vorsichtig ausdrücken: Der DFB hat in letzter Zeit wohl andere Probleme, um die er sich kümmern muss als diesen Liga-Verband. In Zukunft muss aber dringend darüber nachgedacht werden, wie der deutsche Frauenfußball strukturiert und organisiert wird. Und das Gleiche gilt allgemein für den DFB. Für die Frauen könnte ich mir ein Modell analog zur DFL gut vorstellen.
Die FC-Bayern-Basketballer haben mit der dauerhaften EuroLeague-Lizenz einen riesigen Schritt gemacht.
Hainer: Es ist eine große Anerkennung, dass wir nun fest zur europäischen Elite gehören. Sportlich können wir uns jetzt dauerhaft auf höchstem europäischen Niveau messen. Für uns ist das auch deshalb interessant, weil wir in eineinhalb Jahren den SAP Garden eröffnen – eine der modernsten Hallen in Europa mit einem Fassungsvermögen von 12.000 Zuschauern. Die Mannschaft hat sich diese Lizenz sportlich verdient, wenn man sieht, wie sie mit der Wild Card in der Euro League gespielt hat. Chapeau an das Team und an die Führung um Marko Pesic!

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