Nach Amateur-Meisterschaft

FCB „in eigener Blase“? Hainer möchte U23 im Unterhaus - und erntet heftige Vorwürfe

FC Bayern: Präsident Herbert Hainer möchte, dass man darüber nachdenkt, ob Reserve-Teams in der 2. Bundesliga spielen sollten.
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FC Bayern: Präsident Herbert Hainer möchte, dass man darüber nachdenkt, ob Reserve-Teams in der 2. Bundesliga spielen sollten.

Sollten Reserve-Teams in der 2. Bundesliga spielen dürfen? Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern, will, dass man darüber nachdenkt. Nun gibt es Kritik.

  • In Deutschland dürfen Reserve-Teams nicht in die 2. Bundesliga aufsteigen.
  • Nach der Meisterschaft des FC Bayern II fordert Herbert Hainer, das zu überdenken.
  • Der FCB-Präsident sagt, Talente könnten sich so besser entwickeln, muss sich allerdings Kritik gefallen lassen. 

Update vom 22. Juli: Die Kritik an den Aussagen von Bayern-Präsident Herbert Hainer häuft sich. In die gleiche Kerbe, in die schon die Verantwortlichen von Rot-Weiss Essen schlugen, schlägt jetzt auch Zweitligist Greuther Fürth. Manager Rachid Azzouzi holt gegenüber der Sportschau aus: „Die Aussage zeigt, dass die Top-Vereine in ihrer eigenen Blase leben und lässt mich befürchten, dass trotz der aktuellen Umstände während der Corona-Pandemie leider wenig Verständnis für ihre ‚kleineren Mitstreiter‘ besteht.“

Der 49-Jährige befürchtet, dass die Schere zwischen kleinen und großen Vereinen durch Hainers Vorstoß immer größer werden würde. Die Amateure des FC Bayern hätten schließlich mehr Geld zur Verfügung als die Vereine der zweiten Bundesliga. Ob Hainer, ob der vielen Gegenstimmen, bei seiner Aussage bleibt, oder in der Zukunft einen Rückzieher macht, bleibt nun abzuwarten.

Update vom 21. Juli, 21.55 Uhr: Aus Sicht des FC Bayern München ist die Argumentation von Präsident Herbert Hainer, der U23 des Rekordmeister müsse es erlaubt sein, aufzusteigen, völlig schlüssig. Es gibt allerdings auch eine andere Sichtweise. 

So wird der Boss des großen FCB von einem Traditionsverein aus der Regionalliga attackiert. „Das geht aus unserer Sicht eines ambitionierten Traditionsvereins in die komplett falsche Richtung“, so Markus Uhlig, Vorstandschef von Rot-Weiss Essen gegenüber der dpa. Für die Entwicklung des Fußballs aus ganzheitlicher Sicht sei dies „der völlig falsche Weg“. 

„Eher favorisieren wir hier mittelfristig Modelle wie in England, wo die zweiten Mannschaften abgekoppelt vom normalen Ligen-System in einem autarken, eigenen Wettbewerb spielen“, so Uhlig, dessen Klub den Aufstieg in die 3. Liga in der abgelaufenen Saison verpasst hat, weiter.

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München - Meister müssen aufsteigen! Diese Forderung unterschreiben fast alle Fußball-Fans. Zumindest, wenn es um die Regionalligen geht. In der 3. Liga gestaltet sich das schon ganz anders. Der Erstplatzierte darf hier im Normalfall ohne Relegation nach oben. Aber nicht jeder. Reserve-Teams bleibt der Aufstieg auf jeden Fall verwehrt. 

Das Szenario einer zweiten Mannschaft als Drittliga-Sieger machte der FC Bayern II in dieser Saison als erste deutsche Mannschaft wahr. Der historische Titel ist natürlich ein Grund zur Freude, doch vor allem für die jungen Spieler ist der fehlende Aufstieg eben doch ein Wermutstropfen. 

FC Bayern: Talente sollen in die Bundesliga - neue Aufstiegs-Regelung für bessere Entwicklung?

So entwickeln sich bei den Münchnern momentan einige verzwickte Personalfragen. Hält man die talentierten Kicker im Verein, können sie keinen Zwischenschritt einlegen, bevor sie sich dem Star-Ensemble in der Bundesliga anschließen. Aktuelle Beispiel sind Lars Lukas Mai und Angelo Stiller, denen von der Vereinsführung Hochbegabung, aber noch nicht unbedingt die Klasse für Deutschlands Beletage attestiert werden. Zweifelsohne würden sie der U23 auch im kommenden Jahr enorm weiterhelfen, hilft ihnen aber noch ein Jahr Drittklassigkeit in der individuellen Entwicklung?

Leihgeschäfte sind vor diesem Hintergrund die gängige Praxis. Doch droht man den Kontakt und das enge Verhältnis zum Spieler dabei zu verlieren. Oftmals kehren die verliehenen nicht zurück. Die Münchner erinnern sich an Jungs wie Marco Friedl

Und Herbert Hainer mahnt, immer mehr Talente des FC Bayern würden bei den Profis anklopfen. Die Jugendarbeit werde „mehr und mehr zum Quell von jungen Spielern“ und ihre Entwicklung könne sich in der 2. Bundesliga schlicht besser fortsetzen, sie an die erste Elf heranführen.

Aufstieg für die U23: Herbert Hainer fordert Diskussion - „Warum denn nicht?“

„Ein Leistungssportler strebt nach dem Maximum – und will aufsteigen, wenn er aufsteigen kann. Ich denke, dass man sich da in Deutschland durchaus mal Gedanken machen sollte", fordert der Präsident des FC Bayern nun im Vereinsmagazin 51 und fährt mit einer Suggestiv-Frage fort: „Es ist verständlich, dass nicht zwei Mannschaften von einem Klub in einer Liga spielen dürfen. Aber beispielsweise in Liga eins und zwei - warum denn nicht?“

Die Frage sei dem FCB-Funktionär durchaus gestattet, doch eine Änderung der Regularien ist momentan keinesfalls in Sicht. Schon die 3. Liga, so der Einwand vieler Fans, sollte für die Zweitvertretungen geschlossen bleiben. Schließlich handelt es sich um eine Profispielklasse.

Reserve-Teams in der 2. Bundesliga? Szenario unwahrscheinlich - und Gegenstimmen laut

Andere Beobachter werfen großen Klubs wie dem FC Bayern Egoismus vor, wenn die Forderung nach Zweitklassigkeit der U23-Teams laut wird. Jeder Klub möchte so hoch spielen, wie es nur geht. 

Über überhaupt nur eine Mannschaft in den obersten Ligen würden sich viele Fans schier zu Tränen freuen. Wenn dann ein ambitionierter Drittligist dabei zusehen müsse, wie ein Nachwuchs-Team die 2. Bundesliga erfahren dürfte, nur damit sich die Akteure für den selben Klub weiterentwickeln, könnte man manchen Missmut wohl nur allzu gut nachvollziehen. (*tz.de ist Teil des bundesweiten Redaktionsnetzwerks von Ippen-Digital.)

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