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„Das ist ein Unding!“ - Hermann Gerland kritisiert Talentförderung des FC Bayern

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Von: Alexander Nikel

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Hermann Gerland kritisiert die deutsche Jugendarbeit und die des FC Bayern.
Hermann Gerland kritisiert die deutsche Jugendarbeit und die des FC Bayern. © Sampics/Stefan Matzke

Hermann Gerland ist im Sommer vom FC Bayern zum DFB gewechselt. Nun hat der 67-Jährige die Jugendarbeit in Deutschland und des FC Bayern kritisiert.

München - Im Sommer gab Hermann Gerland bekannt, dass er den FC Bayern* nach 20 Jahren trotz gültigem Vertrag verlässt. Insgesamt war der „Tiger“ ein Vierteljahrhundert beim deutschen Rekordmeister in verschiedenen Positionen beschäftigt. Von August bis September 2021 war Gerland wenige Wochen beim DFB* als Scout tätig. Im September 2021 wurde er dann Co-Trainer von Antonio Di Salvo, dem neuen Chefcoach der U21-Nationalmannschaft.

Beim FC Bayern war Gerland zwischen 2016 und 2017 zusammen mit Jochen Sauer für die Leitung des FC Bayern Campus zuständig und hat auch viele Jahre davor die Nachwuchsarbeit an der Säbener Straße* und im Nachwuchsleistungszentrum mit verantwortet. Dennoch hat der 67-Jährige nun nach der 0:4-Niederlage der U21 gegen Polen die Jugendarbeit in Deutschland analysiert und auch die Arbeit in seinem Ex-Klub kritisiert: „Ich denke, dass wir da an verschiedenen Stellschrauben drehen müssen. Wir müssen sehr früh das Eins-gegen-eins und Zweikämpfe schulen, wir müssen den Ball in den Vordergrund stellen. Wir müssen ein Training gestalten, das den Kindern Spaß macht und sie sich darauf freuen. Das ist die Aufgabe im Nachwuchs“, wird Gerland bei kicker.de zitiert.

Hermann Gerland kritisiert heutige Generation: „Ich höre nur noch von Systemen und von Belastungssteuerung“

Gerland spielt nimmt dabei besonders den FC Bayern in die Pflicht: „Wenn man in den Akademien mal kontrolliert, etwa die U 19 des FC Bayern hat 29 Spieler im Kader. Das heißt: Wechselt der Trainer nicht aus und alle sind gesund, schauen 18 zu. Das ist ein Unding! Die jungen Leute müssen Fußballspielen. Auch im Training. Immer spielen.“ Gerland will schon bei den ganz kleinen Stars von morgen ansetzen: „Im Kindesalter müssen wir ran. Mit kleinen Spielformen, drei gegen drei, damit die Kinder viele Ballkontakte haben. Wir haben früher als Kinder in den Ferien acht Stunden gespielt.“

Zudem übt Gerland Kritik am derzeitigen Ausbildungs- und Trainingssystem: „Als ich beim FC Bayern anfing, haben wir gerade in den Ferien zweimal am Tag trainiert. Da war keiner verletzt. Heute hört man nichts mehr von Adaption und Superkompensation, heute höre ich nur noch von Systemen und von Belastungssteuerung. Die gab es damals nicht. Übung macht den Meister, das war vor 50 Jahren so, ist heute so und in 50 Jahren auch noch“.

„Wenn sie bis 17 nur gepasst haben, können sie mit 19 nicht dribbeln.“

Hermann Gerland über die Ausbildung von jungen Spielern.

Auch bei der Ausbildung der einzelnen Spieler fordert Gerland ein Umdenken: „Wir müssen den Spielern beibringen zu dribbeln, aber wenn ich nur immer fordere, pass, pass, pass und jedes Spiel nur mit zwei Kontakten mache, dann kann ich keinen Dribbler entwickeln. Wenn ich denen helfen will, muss ich sagen: dribbel, dribbel, dribbel! Und wenn er den Ball verliert, gleich noch mal. Dann können sie mit 19 auch dribbeln. Aber wenn sie bis 17 nur gepasst haben, können sie mit 19 nicht dribbeln.“

Inzwischen steht laut Ex-Profi gar die taktische und nicht mehr die spielerische Entwicklung der Spieler im Vordergrund: „Früher haben wir elf gegen elf gespielt, heute spielen wir 3-4-3, 4-4-2, 4-1-4-1, 5-4-1 und noch zwei, drei andere Systeme. Im Nachwuchsbereich müssen wir die Inhalte anders gestalten.“ (Alexander Nikel) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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