Petrovic, Benede, Haas und Riedmüller über ihre Zeit unter dem „Tiger“

Amateur-Stars erinnern sich an Hermann Gerland - „Jugo! Du bist fett, aber kicken kannst du“

Aleksandro Petrovic, Hermann Gerland, Leonhard Haas
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Aleksandro Petrovic (l.) und Leo Haas (r.) hatten beide die Ehre, unter Hermann Gerland (m.) zu trainieren, und können sich vor Anekdoten über ihren einstigen Trainer gar nicht retten.

Hermann Gerland hört nach 22 Jahren beim FC Bayern auf. Wir haben mit seinen ehemaligen Kickern gesprochen, die noch heute den Amateurfußball in Oberbayern prägen.

München - Der „Tiger“ hört auf. Nach über 22 Jahren sagt Hermann Gerland dem FC Bayern München „Servus“. Der Bochumer war über Jahrzehnte dafür verantwortlich, dass viele Nachwuchsspieler beim Rekordmeister den Sprung vom Nachwuchsbereich in den Profibereich gepackt haben.

Neben absoluten Bayern-Legenden wie Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm betreute der 66-Jährige auch viele Fußballer, die noch heute im oberbayrischen Amateurbereich anzutreffen sind. Wir haben mit den ehemaligen Spielern vom „Tiger“ gesprochen und für euch die besten Anekdoten rausgesucht.

Hermann Gerland über Aleksandro Petrovic: „Kicken kannst du. Aber du bist halt übergewichtig“

Einer der das Vergnügen hatte von Gerland lernen zu dürfen, ist Aleksandro Petrovic. Der Mittelfeldspieler durfte in der Saison 2005/06 als A-Jugendlicher bereits in der zweiten Mannschaft mittrainieren. Zu einem Einsatz kam der heutige Buchbacher unter der Bayern-Legende jedoch nicht. Das hält den 33-Jährigen allerdings nicht davon ab, in den höchsten Tönen vom langjährigen Co-Trainer des FC Bayern zu sprechen.

Einer der Standardsprüche von Gerland zu dem Mittelfeldspieler war: „Jugo. Du bist fett. Aber kicken kannst du“. Böse gemeint waren die Aussagen jedoch nie, versichert Petrovic. „Einen Trainer wie ihn, der dir mal in den Arsch tritt, hätte ich wohl öfter in meiner Karriere gebraucht“, glaubt der Rekordspieler der Regionalliga Bayern vom TSV Buchbach heute. Dabei waren die Trainingsmethoden vom Schleifer oft gewöhnungsbedürftig. „Die bekanntesten Geschichten sind wohl am Kopfballpendel entstanden. Als der Trainer einmal den Ball so hoch gehangen hat, dass Jan Mauersberger nicht mehr hingekommen ist und Jan sich deswegen beschwert hat, entgegnete der Coach nur: Langer, spring höher!“, erinnert sich der ehemalige Dynamo Dresden-Spieler zurück. „Eine anderes Mal sollten wir Mann gegen Mann spielen. Der Verlierer musste dann Liegestützen machen. Und da ich meinem Gegenspieler nie hinterher gekommen bin, musste ich am Ende fast 200 Liegestützen im Training machen.“

„Ich habe den ‚Tiger‘ nicht früh genug verstanden, bin ihm aber sehr dankbar“

Alexander Benede über seine Zeit unter Hermann Gerland

Eine weiterer Dauerbrenner im oberbayrischen Amateurbereich ist Alexander Benede. Der 32-Jährige hat seit 2014 173 Bayernligaspiele für den SV Pullach bestritten. Zuvor war er schon für den TSV Aindling und den BC Aichach in der Bayern- und Landesliga aktiv. Von 2007 bis 2009 war der Abwehrspieler fester Bestandteil des Regional- und Drittligakaders der Bayern-Amateure.

Die Zeit unter Gerland war für Benede oft nicht die leichteste. Der damals 18-Jährige ging zu dieser Zeit noch in die Schule und hatte deswegen öfter mal Probleme am Training teilzunehmen. „Das Training war vormittags um 10 Uhr angesetzt und nachmittags um 15 Uhr. Da ich noch zur Schule ging, habe ich die Einheit am Vormittag sowieso verpasst und nachmittags hat der „Tiger“ gerne mal früher angefangen zu trainieren. Teilweise bin ich zum Training gekommen und die Jungs waren schon im Abschlussspiel. Da hieß es dann vom Coach nur: Jugo, die zehn Minuten kannst du dich auch noch ins Tor stellen.“

Generell war das Training unter Gerland für Jugendspieler oft hart. „Hermann war einer von der alten Schule. Das musst du wirklich im Kreuz haben. Heute würden viele junge Spieler das nicht mehr so akzeptieren und ich hätte damals wahrscheinlich auch einen anderen Typ als Trainer gebraucht“, erzählt Benede. Was er damit meint? Der Pullacher gibt ein Beispiel: „Am Anfang der Saison mussten wir immer einen Cooper-Test machen und in den zwölf Minuten mindestens drei Kilometer laufen. Wer das nicht geschafft hat, musste ihn nochmal laufen, solange bis er irgendwann die vorgegebene Strecke erreicht hat. Das wurde natürlich nicht leichter mit der Zeit“.

An seiner Bewunderung für den Bochumer hat das für Benede allerdings nichts geändert. „Ich habe leider nicht früh genug verstanden, was er von mir wollte. Ich bin ihm aber unglaublich dankbar für die Zeit“. Heute ist Benede übrigens selbst Trainer. Seit dieser Saison hat er die Rolle des Spielertrainers beim SV Pullach inne.

Leonhard Haas vergibt Kopfballchance - Nächstes Training nur am Kopfballpendel

Leonhard Haas hingegen hat nach seiner Zeit in der Jugend beim FC Bayern München den Sprung in den Profibereich geschafft. Der heute 39-Jährige spielte unter anderem für die SpVgg Greuther Fürth und den FC Ingolstadt in der 2. Bundesliga. Seit dieser Saison ist der ehemalige Mittelfeldspieler Trainer beim Regionalligisten Wacker Burghausen. Zuvor führte er seinen Heimatverein TSV Wasserburg innerhalb von fünf Jahren von der A-Klasse in die Bayernliga.

An seine Zeit unter Hermann Gerland kann sich Haas noch gut erinnern. „Gerland war immer extrem verbissen und ehrgeizig, die Spieler nach oben zu bringen. Für Jugendspieler war es aber auch nicht immer ganz so leicht“, erinnert sich der heutige Trainer an seine Zeit beim FCB. An ein ganz besonderes Ereignis erinnert sich der ehemalige Zweitliga-Profi noch heute: „Wir haben mal in Offenbach gespielt, die absoluter Aufstiegsfavorit waren, und haben ein überragendes Spiel gemacht. Wir haben mit 4:0 gewonnen und Standing-Ovations von den Offenbacher Fans bekommen. Ich selber habe, meiner Meinung nach, ganz gut gespielt, aber in der 85. Minute eine Kopfballchance vergeben und wurde direkt im Anschluss ausgewechselt. Am nächsten Tag hatte Hermann das Kopfballpendel für mich schon aufgebaut und so hoch gehangen, dass ich kaum hingekommen bin. Am Ende vom Training habe ich weit über 100 Kopfbälle daran geübt“, erzählt der Regionalliga-Trainer lachend.

Eine Aktion, die wohl sinnbildlich für den Trainer Hermann Gerland von damals war. „Heute ist der „Tiger“ glaube ich ein bisschen lockerer. Als ich ihn zu meiner Zeit bei Hansa Rostock mal getroffen habe und er schon länger Co-Trainer der Profis war, machte er auf mich einen deutlich entspannteren Eindruck als früher“, glaubt Haas am Telefon.

„Der bringt mich noch um“

Hermann Gerland über einen indischen Busfahrer im Trainingslager

Ein richtiges Urgestein bei den Bayern-Amateuren ist Maximilian Riedmüller. Der Torwart spielte von 2008 bis 2013 in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München. Er erlebte damit Hermann Gerland in seiner finalen Zeit als Cheftrainer. „Hermann war bei uns glaub ich schon deutlich entspannter als früher in seiner Karriere. Sein Standardspruch war immer: Elf gegen Elf. Hier ist der Ball. Lasst gehen“, erinnert sich der Keeper des Regionalligisten SV Heimstetten an seine Zeit in München zurück. „Unter ihm gab es keine Ausdauerläufe im Wald. Er hat immer gesagt, wir holen uns die Fitness über Spielformen und das war dann auch tatsächlich so.“

Vergessen wird Riedmüller auch das Trainingslager in Indien nicht. „Der „Tiger“ saß, wie es sich für einen Trainer gehört, immer vorne rechts im Bus. Doch der Busfahrer ist so gestört gefahren, dass er fast in jeder Kurve den rechten Außenspiegel abgefahren hat. Da hat es keine zwei Minuten gedauert bis der Coach nach hinten gegangen ist, mit dem Spruch: Der ist doch verrückt und bringt mich noch um“, erzählt der ehemalige Drittliga-Profi über seine gemeinsamen Reisen mit dem Bochumer.

Der „Tiger“: Was bleibt ist der Mensch Hermann Gerland

In den Gesprächen mit den ehemaligen Wegbegleitern von Hermann Gerland bleibt Einiges hängen. Zum Einen die harte Gangart des „Tigers“ gerade in seinen jüngeren Jahren. Sowohl Haas als auch Benede hatten des öfteren Probleme mit dieser Art. „Es war schon so, dass es eigentlich nur diejenigen geschafft haben, von denen Gerland viel gehalten hat. Es war die absolute Ausnahme, dass es einer in den Profibereich geschafft hat, bei denen Gerland nicht das OK gegeben hat“, bringt es Pullachs Benede auf den Punkt.

Maxi Riedmüller, der das Urgestein auf seinen „alten Tagen“ als Cheftrainer erlebt hat, spricht hingegen von einem viel entspannteren Menschen.

Zum Anderen bleibt aber vor allem der Mensch Gerland den ehemaligen Spielern in Erinnerung. Alex Benede betont immer wieder wenn er von seinem ehemaligen Trainer spricht: „Gerland eine unglaubliche Erscheinung - eine ehrliche Haut und ein herzensguter Mensch“.

(Korbinian Kothny)

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