Historische Niederlage im Elfmeterschießen

FC Bayern: Triple-Traum platzt in Kiel

Zum ersten Mal seit 20 Jahren gehen die Bayern in Runde zwei baden. Gegen aufopferungsvoller Kieler musste sich der Triple-Sieger im Elfmeterschießen geschlagen geben.

  • DerFC Bayern fliegt gegen Holstein Kiel unerwartet aus dem Pokal.
  • Nach Elfmeterschießen unterlag der Rekord-Pokalsieger dem Zweitligisten mit 7:8.
  • Den Kielern gelang der Ausgleichstreffer erst in der Nachspielzeit.

Kiel – Warm anziehen, das war gestern Abend in Kiel angesagt – Uli Hoeneß merkte es schon vor der Partie. Der Ehrenpräsident des FC Bayern zog sich die Mütze weit ins sowieso von einer Maske bedeckte Gesicht, auch den rot-weißen Schal wickelte er noch enger um den Hals, ehe der Ball überhaupt rollte. Als hätte er im eiskalten Wind auf der Tribüne des Holstein Stadions so eine Vorahnung gehabt, dass dieser Pokal-Abend ungemütlich werden würde. Sogar richtig. Nach 120 Minuten und dem Elfmeterschießen stand es 6:5 i.E. (2:2, 1:1) für den Zweitligisten. Bayerns Triple-Traum platzte im hohen Norden. Dieses Spiel wird nachhallen.

FC Bayern: Last-Minute-Schock sorgt für Verlängerung

Die Verlängerung hatte der Zweitligist inallerletzter Sekunde erzwungen – und zwar, weil Kiel sich selbst nicht aufgab, während die Bayern hinten teils haarsträubend agierten. Ein frühes Tor (aus Abseitsposition) von Serge Gnabry (14.) hatte ebenso wenig gereicht wie ein Traum-Freistoß von Leroy Sané (48.). Fin Bartels (37.) und Hauke Wahl (90.) glichen jeweils verdient aus. Das erste Ausseit 20 Jahren gegen einen unterklassigen Gegner konnte weder in der Verlängerung noch im Elfmeterschießen abgewendet werden. Eine unglaubliche Geschichte für beide Teams – mit Buhmann Marc Roca, der als einziger Schütze vom Punkt vergab. Bartels ließ sich zum 6:5 dann nicht zwei Mal bitten.

„Unser Ziel ist es, Pokalsieger zu werden“, hatte Flick vor der Partie gesagt – alles andere aber wäre auch eine Überraschung gewesen. Trotzdem verzichtete der Bayern-Coach neben dem angeschlagenen Leon Goretzka zunächst auch auf seine Stammkräfte Robert Lewandowski und David Alaba. Im Vergleich zum 2:3 in Gladbach schickte er Bouna Sarr, Lucas Hernandez, Corentin Tolisso, Jamal Musiala und den genesenen Serge Gnabry aufs Feld, Douglas Costa und Benjamin Pavard blieben dafür draußen. „Lust“ hatten die Bayern laut Flick auf das Spiel, und sie wollten es von Beginn an bestimmen.

Holstein Kiel bemüht, Bayern zaghaft

Die Partie war sehenswert, die Rollen eigentlich verteilt. Aber obwohl die Bayern versuchten, den Schwerpunkt des Geschehens mit langen Kombinationen in der gegnerischen Hälfte zu halten, konnte man Kiel nie abschreiben. Manuel Neuer hatte den Ball von Bartels bereits nach zwei Minuten in der Hand – unddie Führung durch Gnabry war auch eher glücklich. Hätte es einen Videoschiedsrichter gegeben, hätte der Treffer, der von Müller eingeleitet und von Kiels Torwart Ioannis Gelios begünstigt wurde, nicht gezählt. So aber jubelte Gnabry, nachdem er aus spitzem Winkel eingeschoben hatte.

Die Bayern hatten eine gute Phase, Gnabry (25.) und vor allem Müller (35.) Top-Chancen. Aber weil Fehler hinten derzeit eben von allen Gegnern schnell bestraft werden, ließ auch Kiel sich nicht zwei Mal bitten. Dehm schlug den Ball von der rechten Abwehrseite weit in das Zentrum. Bartels enteilte Sarr und vollendete aus vollem Lauf. Neuer schimpfte – zurecht.

FC Bayern: Leroy Sane erzielt Traumtor

Es passte gut, dass Musiala direkt nach dem Seitenwechsel einen Freistoß herausholte – und es passt noch besser, dass Sané diesen aus 19 Metern passgenauin die obere rechte Ecke zirkelte. Ein Traumtor, dem allerdings fast der erneute Ausgleich folgte. Mühling vergab, aber Kiel wurde mutiger, während die Bayern sich hinten mehrere grobe Fehler leisteten, ins Schwimmen kamen und sich mehrfach anschnautzten. Musiala vergab vorne (66.), so blieb es spannend bis zum Schluss. Als der Schneesturm einsetzte, traf Hauke Wahl zum Ausgleich.

Verlängerung. 15 Minuten ohne Spannung, dann war Bayern am Drücker. Ein Tor aber gelang nicht. Vom Punkt verwandelten Lewandowski, Kimmich, Müller, Alaba und Costa souverän. Aber ein Fehlschuss war einer zu viel. Roca war zu bemitleiden an diesem Bibber-Abend. 

(Hanna Raif / Jonas Austermann)

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