Im tz-Interview

Mainzer Malli im Interview über Bayern und Gott

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Yunus Malli.

München - Im tz-Interview spricht Mainz-Spieler Yunus Malli über den Gegner FC Bayern, über Lewandowskis Tor-Show und über seine Religion. 

Herr Malli, die 0:1-Pleite in Leverkusen schon aufgearbeitet?

Malli: Muss ja, wir haben ja nicht so viel Zeit. Jetzt regenerieren wir und dann geht es weiter gegen die Bayern. Die Niederlage war bitter, aber sie ist abgehakt.

Was lief denn falsch?

Malli: Wir waren zu ängstlich. In der ersten Halbzeit hatten wir keine Torchance, erst nach der Pause sind wir mutiger geworden. Wenn du dann aber in der besten Phase das Gegentor kassierst, ist das schlecht. Insgesamt war es zu wenig. Ihr Spiel war am Mittwoch. Dienstag gegen 21 Uhr saßen Sie vorm Fernseher, nehme ich an? Malli: Bayern gegen Wolfsburg habe ich mir angeguckt, ja.

Schon verrückt, dieser Lewandowski, oder?

Malli: Ich konnte es nicht glauben, vor allem nicht, dass es so schnell ging.

Ihre Abwehrkollegen dürften etwas geschluckt haben, jetzt bekommen es ja sie mit ihm zu tun.

Malli (lacht): Die wissen, was da auf sie zukommt. Wir müssen die 90 Minuten über hellwach sein, sonst kann es bei uns enden wie bei den Wölfen.

Oder umgekehrt wie bei Ihnen gegen Hoffenheim?

Malli: Da habe ich einen perfekten Tag erwischt. Drei Tore in einem Spiel war auch neu für mich. Es war der perfekte Abend, einfach unglaublich. Dazu haben wir auch noch die drei Punkte geholt, was sehr wichtig war, da jetzt schwere Spiele anstehen.

Wie sind Sie damit umgegangen, dass Sie schlagartig in aller Munde waren? 

Malli: Stimmt schon, in den letzten Tagen war schon ein wenig mehr los als sonst. Aber da gewöhnt man sich mit der Zeit dran. Die Tore macht man ja gern, dafür nehme ich es auch gern in Kauf, zwei Interviews mehr zu geben. Also ich würde das schon gerne noch mal machen.

Stand jetzt haben Sie eine Kiste weniger als in der gesamten vergangenen Saison. Woran liegt’s? 

Malli: Ich habe immer betont, dass ich an meinem Abschluss arbeiten muss. Dass ich jetzt schon so früh in der Saison fünf Tore gemacht habe, ist perfekt. Es ist auch für den Kopf enorm wichtig, wenn man was auf dem Konto hat.

Braucht es so einen Sahnetag wie Ihren gegen Hoffenheim, um die Bayern zu ärgern? 

Malli: Es hilft schon, klar! Aber es wird vielmehr daran liegen, dass wir hinten kompakt stehen. Und die Chancen, die wir mit Sicherheit auch bekommen werden, müssen wir eben nutzen. Da bin auch ich gefragt und muss vor dem Tor die Ruhe bewahren.

Schätzen Sie die Bayern noch stärker ein als in der vergangenen Saison? 

Malli: Mit Douglas Costa haben Sie jedenfalls einen Spieler bekommen, der außen für Betrieb sorgt. Ob sie stärker sind als davor? Schwer zu sagen. Sie haben eine überragende Mannschaft mit Weltklasse-Spielern in ihren Reihen, aber das war letztes Jahr nicht anders. Es wird schwer für uns, so viel steht fest.

Sie sind seit 2011 am Bruchweg. Ist der FSV mittlerweile eine feste Größe in der Bundesliga? 

Malli: Kann man so sagen, ja. Wir haben uns im Mittelfeld etabliert und schaffen es jedes Jahr aufs Neue, einen schlagkräftigen Kader aufzustellen. Die Tendenz ist steigend, daher können wir mit der Entwicklung des Vereins auch sehr zufrieden sein.

Zumal es ja stets eine Herausforderung darstellt, Spieler wie Okazaki oder Geis zu ersetzen.

Malli: Leistungsträger zu verlieren, ist nie leicht. Aber das gehört dazu, und dank unseres Managers hat der Klub auch super Ersatz gefunden.

Nach Ihrem Dreierpack gelten Sie bereits als der Nächste, der dem FSV den Rücken kehren soll. 

Malli: Damit befasse ich mich überhaupt nicht. Dass das jetzt überall geschrieben wird, ist natürlich klar. Für mich zählt aber nur: Ich fühle mich wohl und will mich weiterentwickeln. Was in Zukunft passiert, das ist jetzt noch kein Thema für mich. Wichtig ist das Hier und Jetzt.

Inwiefern war für Ihre Entwicklung Thomas Tuchel ausschlaggebend?  Malli: Sehr. Aber nicht nur für mich, er hat insgesamt für Mainz 05 überragende Arbeit geleistet und dem Klub in den fünf Jahren, die er hier war, dabei geholfen, sich in der Bundesliga zu etablieren. Für mich war er auch ein super Trainer, unter dem ich die ersten Schritte in der Bundesliga gemacht habe. Ich habe von jedem Training eine Menge mitgenommen, dafür bin ich sehr dankbar.

Was meint Tuchel damit, wenn er sagt, er habe Ihnen das Phlegma ausgetrieben? 

Malli: Das lese ich oft, aber so bin ich einfach. Das ist meine Spielweise und ich denke auch nicht, dass ich das ablegen werde. Es wird zwar nicht mehr erwähnt, wenn ich mal ein paar Tore schieße, aber das Phlegma steckt noch in mir drin. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt noch wegbekomme. Er wollte mir mitgeben, dass ich emotionaler und aktiver sein soll – was mir auch geholfen hat.

Es heißt, privat seien Sie auch eher ein ruhiger Zeitgenosse. Richtig?  Malli: Kann man so sagen. Ich brauche auch mal meine Ruhe, bin da eher der ruhige, familiäre Typ.

Und auch religiös. Sie sind erst kürzlich mit Freunden nach Mekka gepilgert. 

Malli: Im Winter war das, ja. Es war ein sehr schönes Erlebnis, ich konnte abschalten, weltliche Dinge ausblenden und mich mal nur mit dem Glauben beschäftigen. Es hat mir Kraft gegeben.

Ihr Torjubel, bei dem Sie auf den Boden sinken, hat auch damit zu tun? Malli: Es soll meine Niederwerfung vor Gott symbolisieren. Wendet man sein Angesicht zu Boden, so heißt es, dass man Gott am nächsten sei. Als Moslem betet man ja auch so. Ich persönlich will mich auf diese Weise bedanken, das ist der Gedanke dahinter.

Vielleicht sinken Sie ja auch am Samstag das ein oder andere Mal zu Boden. 

Malli: Ich hätte nichts dagegen. Bislang haben Sie in den U-Teams für Deutschland gespielt, die Türkei soll aber ihr Interesse bekundet haben.

Für wen schlägt denn nun Ihr Herz?

Malli: Da lasse ich mir Zeit. Ich beschäftige mich erst damit, wenn es so weit ist. Mit Deutschland hatte ich bisher eine tolle Zeit, aber noch weiß ich nicht, wohin es geht. Dafür ist es noch zu früh.

Sollte sich Jogi Löw demnächst aber melden, dürfte es schwierig sein, ihm abzusagen. 

Malli: Bislang ist das aber nicht der Fall gewesen. Wichtig sind erst mal die Bayern. Mehr nicht.

Interview: José Carlos Menzel Lopez

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