Er lieferte ein denkwürdiges Spiel ab

Bayern-Held gesteht vor Champions-League-Kracher gegen Lyon: Eine Erinnerung quält ihn bis heute

Bastian Schweinsteiger und Ivica Olic diskutieren im Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern München und Olympique Lyon mit Schiedsrichter Roberto Rosetti.
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Bastian Schweinsteiger und Ivica Olic standen 2010 zusammen für den FC Bayern gegen Lyon auf dem Platz.

Der FC Bayern München trifft am Mittwoch in der Champions League auf Olympique Lyon. Ivica Olic hat sich vorab an einen ganz besonderen Tag erinnert.

  • Der FC Bayern München kann gegen Olympique Lyon ins Finale der Champions League einziehen.
  • An die Franzosen hat man durchaus gute Erinnerungen.
  • Eine quält den einstigen FCB-Helden Ivica Olic aber bis heute.

München - Es war der Abend des Ivica Olic an diesem 27. April 2010 im Stade de Gerland in Lyon. Die Vorzeichen waren ähnlich wie am Mittwochabend, wenn es für den FC Bayern in Lissabon um den Einzug in das Champions-League-Endspiel geht (hier im Live-Ticker). Der Gegner dort: Paris Saint-Germain. Die Franzosen gewannen im Halbfinale gegen RB Leipzig klar mit 3:0.

Olic erinnert sich gerne zurück an den besagten Abend damals, als er nach einem 1:0-Sieg im Hinspiel in München im Rückspiel drei Tore erzielte und den Rekordmeister quasi im Alleingang ins Finale schoss.

FC Bayern München: Halbfinale gegen Lyon - Ivica Olic denkt zurück

„Ich habe im Halbfinal-Rückspiel von Anfang an gespielt und hatte eine gute Saison hinter mir“, sagt Olic im tz-Gespräch. „Wir hatten ganz schön Druck, denn das Hinspiel endete nur 1:0. Lyon hatte in München eine gute Leistung gezeigt und sie waren nicht zu unterschätzen, waren in einer guten Form. Ich habe nicht erwartet, dass ich in einem Halbfinale drei Tore erziele.“

Aber der Reihe nach: Nach starker Vorarbeit von Thomas Müller nahm der Kroate den Ball mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich blitzschnell um die eigene Achse und traf zum 1:0. Die Erleichterung war groß - das so wichtige Auswärtstor. Es war der Beginn einer Bayern-Gala.

Ivica Olic erinnert sich an Gala-Abend: FC Bayern deklassierte Olympique Lyon in der Champions League

In der 67. Minute kam es zur Vorentscheidung. Hamit Altintop steckte auf Olic durch und der quirlige Kroate erzielte eiskalt das 2:0. Doch die unbändige Lust von Olic war da noch nicht gestillt. In der 78. Minute brachte Philipp Lahm eine Flanke gekonnt vor das Tor, Olic stand wieder goldrichtig und vollendete mit dem Kopf zum 3:0-Endstand. Damit standen die Münchner im Endspiel um den Henkelpott.

„Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen. Thomas Müller gab mir die Vorlage, bevor ich dann mit rechts zum 1:0 traf. Danach wurde ich immer selbstbewusster und bekam vor dem 2:0 einen super Pass von Hamit Altintop, da habe ich in die lange Ecke getroffen. Und das 3:0 habe ich nach einer überragenden Vorarbeit von Philipp Lahm erzielt“, meint Olic. „Alle drei Tore mit rechts, links und mit dem Kopf. Drei Treffer - das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe den Ball vom Halbfinale mit nach Hause genommen und habe ihn immer noch in meiner Vitrine.“

Ivica Olic (FC Bayern München): Rot für Ribéry der Knackpunkt für die Final-Pleite

Ein Wermutstropfen war das, was sich in der 37. Spielminute abspielte. Schiedsrichter Roberto Rosetti zeigte Franck Ribéry die Rote Karte - und sorgte für die Debatte des Abends: War der Platzverweis berechtigt? Ribéry hatte bei seinem Foul im Mittelfeld Lyons Stürmerstar Lisandro Lopez voll am Sprunggelenk erwischt. In der Zeitlupe sah es aus, als stünde der Bayern-Star mit seinen lila Tretern Sekunden lang auf dem abgeknickten Knöchel des Argentiniers.

„Ribérys Rot war der Knackpunkt für die Final-Niederlage. Er war in der Form seines Lebens und einer der drei besten Spieler in Europa. Für uns war er so enorm wichtig. Er war immer bereit für die entscheidende Aktion. Er konnte ein Spiel entscheiden", stellt Olic klar.

„Ohne ihn fehlte die ganze Power nach vorne. Ich leide noch immer, dass Franck damals im Finale fehlte. Wir wären zu 100 Prozent eine bessere Mannschaft auf dem Platz gewesen mit viel mehr Druck nach vorne. Franck war damals in der Form seines Lebens. Dass er fehlte, war ein schwerer Schlag für uns.“ Mit der Folge, dass die Bayern das Endspiel 0:2 gegen Inter Mailand verloren.

FC Bayern München: Ivica Olic und sein ganz besonderer Lyon-Moment

Die Begegnung in Lyon gehört zweifelsohne zu den Highlights in der Laufbahn von Olic. „Das Spiel kann man nicht vergleichen mit anderen Duellen, es gab viele wichtige und schöne Spiele, auch gerade bei Europa- und Weltmeisterschaften. Aber Lyon bekommt definitiv den ersten Platz in meiner Karriere. Ich werde das nie vergessen.“

Das hoffen die aktuellen Bayern-Stars, von denen nur noch Thomas Müller und David Alaba von 2010 an diesem Mittwoch mit dabei sind, auch. Bei der Frage nach dem Gewinner des Henkelpotts gibt es für Olic gar keine Zweifel. „Der FC Bayern ist der große Favorit in der Champions League. Nicht nur für mich. Sie haben das gegen Chelsea und vergangenen Freitag gegen Barca gezeigt.“

Die Mannschaft sei „in einer überragenden Form“ und Bayern-Trainer Hansi Flick könne „immer einen entscheidenden Mann von der Bank bringen“, dies sei einer der großen Unterschiede im Vergleich zu den anderen Teams.

Bayern-Held Ivica Olic über Olympique Lyon - Große Überraschung in der Champions League

Lyon habe bisher in der Königsklasse überrascht. „Olympique hat niemand im Halbfinale erwartet, denn sie hatten Juve und ManCity mit im Turnierbaum. Doch sie haben Stärke gezeigt und super reagiert“, findet Olic. „Am Ende sind sie verdient ins Halbfinale gekommen. Die Bayern wissen das und werden den Gegner nicht unterschätzen.“

Der Rekordmeister werde Gas geben und auch ins Finale einziehen, ist der Ex-Profi überzeugt. „Ich glaube an die Qualität des FC Bayern und ich hoffe, sie werden auch das Triple holen. Aber es ist noch ein Spiel bis zum Finale, da kann auch mal etwas schief gehen, also muss Bayern voll konzentriert sein.“ Dafür wird Hansi Flick schon sorgen. „Wie er das in relativ kurzer Zeit alles geschafft hat, ist wirklich stark. Er hat die Mannschaft schnell in die richtige Spur bekommen, bei ihm spielen alle Spieler eine Rolle. Man sieht im Team eine Harmonie und es funktioniert alles.“

Olic ergänzt: „Flick hat bisher einen super Job gemacht. Er spielt eine große Rolle und die Mannschaft folgt ihm, ist trotz der Corona-Pause in einer hervorragenden Form. Ich hoffe Flick kann das Triple holen.“

Doch Olic, der ein Freund von Flicks Vorgänger Niko Kovac ist, räumt ein: „Er hatte aber auch den großen Vorteil, dass er wusste, was er vorfindet, um an den personellen Problemen und Schwachstellen zu arbeiten. Niko ist glücklich, dass der Erfolg da ist, denn auch er hat viel Zeit mit der Mannschaft verbracht und war zu Beginn dieser Champions-League-Saison dabei.“

Reinhard Franke

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