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Kein Platz für Müller nach James-Transfer? Von wegen!

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Von: Stefan Matern

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Thomas Müller (l.) und James Rodriguez harmonierten richtig gut.
Thomas Müller (l.) und James Rodriguez harmonierten richtig gut. © dpa/sdm

Die Verpflichtung von James Rodriguez galt als klares Indiz für eine Auflösung eines der zentralen bajuwarischen Gesetze: „Müller spielt immer“. Seit dem Telekom-Cup-Finale stehen die Zeichen wieder anders.

München - Einst etablierte der niederländische Star-Trainer Louis van Gaal ein Gesetz. Es lautete: „Müller spielt immer.“ Ob in der Nationalmannschaft oder bei Bayern München, die meisten Trainer hielten sich daran - Müller sorgte aufgrund seiner unorthodoxen Spielweise für viele Überraschungsmomente und im Endeffekt auch für Erfolg. 

Doch dieser Status bröckelte in der vergangenen Saison unter Carlo Ancelotti spürbar - und mit der Verpflichtung von James Rodriguez bereitete sich manch einer schon gedanklich auf eine vorzeitige Aufhebung des Müller‘schen Gesetzes vor. 

Müller und James? Das passt!

Aber der Raumdeuter zeigt sich in der bisherigen Vorbereitung von seiner besten Seite, führt die Mannschaft an und wirkt spritzig und aktiv wie eh und je. Und beim Finale des Telekom Cups konnte man dann eine besonders interessante Entwicklung beobachten, als sowohl Müller als auch James auf dem Platz standen. 

Denn das funktionierte richtig gut! Müller agierte auf der rechten Außenbahn, James sollte nominell als Zehner auflaufen und damit vor allem die Zentrale besetzen. Die beiden rotierten immer wieder, spielten einige schöne Doppelpässe und sorgten für viel Variabilität im Spiel nach vorne.

Weniger Flügelspiel - mehr Durchbrüche in der Zentrale

Besonders interessant dabei: Im Halbfinale des Telekom Cups stellte Carlo Ancelotti mit Franck Ribéry noch einen Winger der alten Schule auf, sein Konterpart auf der rechten Seite war Kingsley Coman. Die Bayern machten das Spiel sehr breit, Thiago verlagerte immer wieder geschickt auf die Außenbahnen und die Winger sorgten über die Flügel für Durchbrüche. 

Mit James auf dem Platz veränderte sich dann die Spielanlage der Roten, Müller erhielt mehr Freiräume und konnte sowohl durch das Zentrum als auch über Außen gefährlich werden. Der bajuwarische Raumdeuter wirkte geradezu befreit. Die gesamte Spielanlage der Roten hatte sich deutlich in die Zentrale verlagert, die Winger standen weniger breit und James sorgte mit seiner Kreativität immer wieder für gefährliche Momente über das Zentrum. Beim 2:0 von Juan Bernat im Finale gegen Werder Bremen waren bezeichnenderweise sowohl Müller als auch James im Zusammenspiel beteiligt.

Mehr taktische Variabilität - und das nicht zu Lasten Müllers

Das eröffnet Trainer Carlo Ancelotti einige spannende taktische Alternativen. Langfristig könnte der FC Bayern mitunter durch die James-Verpflichtung weg vom klassischen Flügelspiel gelangen und mehr Variabilität durch Angriffe über das Zentrum erlangen. Der italienische Trainer ließ bereits in seiner Zeit beim AC Mailand das sogenannte Tannenbaum-System spielen (4-3-2-1), in dem sowohl Müller als auch James Platz hätten. Auch die interessante Offensiv-Reihe bestehend aus Coman, James und Müller mit einem Stoßstürmer Robert Lewandowski (im Finale des Telekom Cups war es Youngster Evina) bietet sich an.

Doch was wird dann aus dem nominell stärksten Offensiv-Akteur Arjen Robben, der traditionell auf der rechten Seite beim FC Bayern gesetzt ist? Sofern Robben nicht verletzt ist, eröffnen sich hier noch mehr Möglichkeiten: Mit dem Niederländer böte sich Carlo Ancelotti eine weitere taktische Alternative im klassischen 4-4-2. James auf der linken, Robben auf der rechten Seite und Müller neben bzw. hängend hinter Lewandowski: Auch das könnte passen. Fest steht jedenfalls: James Rodriguez und Müller schließen sich keinesfalls gegenseitig aus. Die beiden harmonieren prächtig und könnten den Bayern in der kommenden Saison im Zusammenspiel eine wertvolle Alternative zum klassischen, flügellastigen Bayern-Spiel bieten.

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sdm

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