Unter Trainer Flick gesetzt

Plötzlich muss sich sogar der Rekordtransfer hinter Boateng anstellen - besonderes Lob von Müller

Nationalspieler a.D. - bei Bayern wichtig wie eh und je: Jerome Boateng (r.) und Thomas Müller jubelten über ihre Co-Produktion.
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Nationalspieler a.D. - bei Bayern wichtig wie eh und je: Jerome Boateng (r.) und Thomas Müller jubelten über ihre Co-Produktion.

Der FC Bayern marschiert wieder vorneweg - auch dank Jerome Boateng. Dabei wurde der Weltmeister von 2014 schon häufiger abgeschrieben. Doch nun setzt er an zur finalen Pointe.

  • Jerome Boateng wurde beim FC Bayern schon mehrmals abgeschrieben.
  • Doch seit einigen Wochen zählt der Weltmeister von 2014 wieder zu den Erfolgsgaranten.
  • Sogar der Rekordtransfer muss sich hinter ihm anstellen.

München - Manche Dinge, so ist es im Leben, ändern sich nie, das hat auch Jerome Boateng erkannt. Mit genau diesem Satz nämlich - und einem Bild mit Thomas Müller - hat der Weltmeister seinen Auftritt beim 2:0 des FC Bayern gegen den FC Augsburg kommentiert. Boateng und Müller spielen bekanntlich seit 2011 zusammen beim FC Bayern, sie haben zusammen sieben Meistertitel, die Champions League und den WM-Titel gewonnen. Sie hatten Glanzzeiten wie im Triple-Jahr 2013 und Flauten wie zuletzt im Herbst unter Niko Kovac. Aktuell haben sie: einen Höhenflug.

Die jüngste Co-Produktion datiert nun also vom Samstag, und 75.000 Zuschauer hatten das Glück, in diesem vorerst letzten Spiel vor Publikum in der Allianz Arena einen feinen Spielzug zu sehen. „Das Tor hat das Spiel aufgemacht, das war sehr gut“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Dass das 1:0 fiel, war für die Mannschaft wichtig. Die Art aber, wie es zustande kam, war für Boateng eine persönliche Genugtuung.

FC Bayern: Boateng überspielte vor 1:0 gegen Augsburg zehn Gegenspieler

Der 31-Jährige hatte den Ball an der Mittellinie bekommen, ihn sich vorgelegt und dann einen Pass geschlagen, den nicht viele schlagen können. Zehn Augsburger überflog die Kugel, ehe sie Müllers linken Fuß erreichte. Der traf, sagte Danke und kommentierte hinterher: „Ich bin ja so ein kleiner Klugscheißer und hab’ da einen super Spruch auf Lager: Alles, was man kann, ist einfach. Jerome hat die Übersicht und das feine Füßchen für die Spielverlagerungen und auch für den Tiefpass.“

Da steckt viel Wahrheit drin, wenn man als Maßstab Jerome Boateng in seinen guten Phasen nimmt. Es gab in den vergangenen Jahren allerdings auch zahlreiche Wochen und Monate, in denen er diese nicht hatte. Die Frage, ob er den Verein verlässt, stellt sich schon lange nicht mehr. Die Frage, wann er den Verein verlässt, wurde jedoch aufgrund zahlreicher Transfer-Irrungen und -Wirrungen zum ständigen Begleiter. Eigentlich war Boateng schon zwei Mal weg - und trotzdem ist er noch da. Bis zum Sommer, dann dürfte die Zeit in München endgültig vorbei sein. Aktuell erleben Club wie Spieler so etwas wie die finale Pointe.

FC Bayern: Boateng avanciert unter Flick zu Leistungsträger

Womöglich hat selbst Boateng nicht mehr daran geglaubt, dass er in dieser Bayern-Elf, in der er oft wie ein Fremdkörper wirkte, noch einmal eine derart entscheidende Rolle einnehmen kann. Denn man übertreibt nicht, wenn man sagt, dass der Verteidiger unter Hansi Flick nicht nur zu einer echten Konstante, sondern sogar zu einem Leistungsträger geworden ist. Die Auftritte erinnern wie bei Müller an die Glanzzeiten zwischen 2013 und 2014, als das Duo unter Jupp Heynckes Triple-Sieger und mit der Nationalmannschaft Weltmeister wurden. Hätte sich Bundestrainer Joachim Löw nicht dem Umbruch innerhalb der Nationalmannschaft nach der verkorksten WM 2018 verschrieben, würde auch beim DFB kein Weg an den beiden vorbeiführen. Beim deutschen Rekordmeister werden die Nationalspieler a.D. mehr und mehr zu Titelgaranten.

Das sieht Löw, das sieht aber freilich auch Lucas Hernandez. Der Mann, der im Sommer für 80 Millionen Euro verpflichtet wurde, stand am Samstag wieder bei bester Fitness im Kader, hat aber in Boateng nun einen Konkurrenten vor sich, den er wie viele andere eigentlich schon lange abgeschrieben hatten. Im Moment gibt es für Flick keinen Grund, seine Abwehr umzubauen. Er hat den soliden Benjamin Pavard, den explosiven Alphonso Davies und eine funktionierende Zentrale aus David Alaba und Boateng. Seit vier Spielen (eines davon verpasste Boateng krank) haben sich die Bayern kein Gegentor gefangen - und das ist eine Grundvoraussetzung für Titel. Manche Dinge ändern sich halt nie.

Vor dem Heimspiel gegen Augsburg überraschte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus mit einer Geste. Derweil gibt es bereits Spekulationen über eine Verstärkung für die Innenverteidigung, die sich in der Bundesliga bereits auskennt. Unsicher ist auch die Zukunft von Trainer Flick.

Hanna Raif, Manuel Bonke

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