Kurz vor Weihnachten

Bayern-Star gibt denkwürdiges Interview und lässt tief blicken - mehrere Vorwürfe in Richtung Säbener Straße

Jerome Boateng kritisiert die Vereinsführung des FC Bayern.
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Jerome Boateng kritisiert die Vereinsführung des FC Bayern.

Ein Abwehr-Star erlebte beim FC Bayern zuletzt ein Wechselbad der Gefühle. Jerome Boateng übt heftige Kritik an den Bossen.

  • Jerome Boateng wirft dem FC Bayern „falsche Versprechen“ vor.
  • In der Vergangenheit blockierten die Bosse trotz Zusage einen möglichen Wechsel.
  • Der Weltmeister kann sich mittlerweile aber eine Vertragsverlängerung vorstellen.

München - Jerome Boateng hat beim FC Bayern unter Trainer Hansi Flick zu seiner Topform zurückgefunden. Dabei stand der 32-Jährige schon kurz vor einem Wechsel und erhebt rückblickend schwere Vorwürfe gegen seinen Klub.

Diese Bilder vom 18. Mai 2019 wird wohl kein Bayern-Fan so schnell vergessen. Der FC Bayern holte nach einem furiosen 5:1 gegen Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag in der heimischen Allianz Arena die Meisterschaft. Nur einem war überhaupt nicht zum Feiern zumute. Jerome Boateng hielt sich abseits der Jubel-Arien und saß mit seinen beiden Töchtern allein. Er wirkte traurig und nachdenklich, während seine Kollegen ausgelassen feierten.

FC Bayern: Boateng kritisiert Chefetage

„Im Nachhinein hätte ich das sicherlich anders gemacht“, sagte Boateng im Sportschau-Club einen Tag vor Heiligabend. „Für die Leute war es schwer zu beurteilen, was da mit mir los war. Ich war enttäuscht und sehr nachdenklich. Mir ging es nicht gut.“ Für Boateng war vor allem die mangelnde Kommunikation ein Problem: „Ich hätte mir gewünscht, dass man sich mit dem Spieler beschäftigt und mal ein ehrliches Gespräch führt, das wäre fair.“

Neben seiner schwierigen sportlichen Situation unter dem damaligen Trainer Niko Kovac missfiel Boateng insbesondere, dass die Klubführung der Münchner seinem angestrebten Vereinswechsel im Sommer 2018 nach Paris einen Riegel vorgeschoben hatte - obwohl Boateng „eigentlich schon fast weg vom FC Bayern“ war. „Mir wurde zugesagt, dass mir keine Steine in den Weg gelegt werden. Am Ende wurde es trotzdem nicht zugelassen.“ Boateng haderte noch lange Zeit mit dem geplatzten Wechsel. „Es wurden falsche Versprechen gemacht, das hat auch mit Respekt und Wertschätzung zu tun“, kritisierte der 32-Jährige.

FC Bayern: Boateng kann sich Vertragsverlängerung vorstellen - wegen Flick

Rückblickend ist Boateng jedoch „froh, das hatte alles seinen Sinn, dass es so gekommen ist.“ Seit der Ankunft des heutigen Bayern-Trainers Hansi Flick besserte sich seine Situation. „Der FC Bayern kann sich glücklich schätzen, so einen herausragenden Trainer zu haben - mit so viel Fachwissen, aber auch mit Fingerspitzengefühl für die Spieler“, schwärmt der Ex-Nationalspieler in den höchsten Tönen von Flick, unter dem Boateng seinen Stammplatz zurückeroberte. „Es hat sich extrem vieles geändert, weil ich unter Hansi wieder das Vertrauen bekommen habe und die faire Chance“, sagte Boateng. Der Erfolg des FC Bayern trage die Handschrift von Flick.

Mittlerweile kann sich Boateng, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, auch einen Verbleib in München vorstellen. „Ich habe immer wieder gesagt, dass ich mir absolut vorstellen kann zu verlängern. Da gehören aber immer zwei Seiten dazu. Es wird demnächst Gespräche geben. Ich bin da absolut offen für“, sagte Boateng. „Es wäre schön, wenn sich in den nächsten Wochen oder in den nächsten zwei Monaten eine Richtung abzeichnet.“ Sollte eine Verlängerung scheitern, würde Boateng es gelassen hinnehmen: „Es ist kein Muss. Mir ist nur wichtig, dass es sauber und klar abläuft. Den Rest lasse ich auf mich zukommen.“ (ck)

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