Weltmeister lässt tief blicken

Bayern-Star Boateng spricht über emotionales Thema und appeliert: „Fängt mit der Erziehung an“

Nachdenklich: Jerome Boateng vom FC Bayern. Foto: Christof Stache/AFP/Pool/dpa
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Nachdenklich: Jerome Boateng vom FC Bayern. Foto: Christof Stache/AFP/Pool/dpa

Die Zukunft von Jerome Boateng beim FC Bayern ist weiter offen. Der Bundesliga-Star der Münchner äußert sich zu einem polarisierenden Thema, das den Weltmeister offenbar aufwühlt

München - Jerome Boateng wuchs einst, als kleiner Bub, in Berlin-Charlottenburg auf. Unweit liegt der Multi-Kulti-Bezirk Moabit.

Der Innenverteidiger des FC Bayern München, der seinen Vertrag an der Säbener Straße* noch immer nicht verlängert hat, kam hier früh in den Kontakt mit sozialer und gesellschaftlicher Vielfalt, aber auch mit Rassismus. Das betont der hochgewachsene (1,92 Meter) und wuchtige Mann mit ghanaischen Wurzeln immer wieder.

FC Bayern: Jerome Boateng äußert sich immer wieder über Rassismus

Ob es in den Stadien der Bundesliga* Thema ist, in seinem Wohnort München, oder in Deutschland ein Fall von Diskriminierung Wellen schlägt - Weltmeister Boateng scheut sich nie, klar Stellung zu beziehen. So tat er es auch jetzt wieder, vor dem Hintergrund der Kampagne „Black Lives Matter“.

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„Ich denke, für viele ist es schwer, nachzuempfinden, was für ein Schmerz ausgelöst wird, wenn man wegen seiner Hautfarbe oder auch wegen seiner Religion anders behandelt wird“, sagte der 31-Jährige im Gespräch mit dem Bayern-Magazin 51: „Ich denke, es fängt alles mit der Erziehung an: Kein Mensch wird als Rassist geboren. Wenn du mit Hass aufwächst, den dir deine Eltern vielleicht vorleben, ist es schwer, aus diesem Kreislauf herauszukommen.“

FC Bayern: Jerome Boateng ist der Kampf gegen Rassismus wichtig

Boateng ist das Thema Rassismus offensichtlich ein Anliegen. Der Abwehrspieler des FC Bayern München hat auch konkrete Vorschläge parat, wie rassistischen Tendenzen bestenfalls Einhalt geboten werden kann. „Vielleicht sollte man dieses Thema in den Lehrplänen an den Schulen mehr aufgreifen; nicht als eigenes Fach, aber einfach gründlicher in der Auseinandersetzung. Menschen sehen unterschiedlich aus, sonst wäre es ja langweilig“, meinte er: „Aber wir haben alle das gleiche Blut in unserem Körper, und wenn wir in den Sand treten, bleibt da auch immer der gleiche Fußabdruck.“

In vielen Familien müssten beide Eltern arbeiten, gerade, wenn sie neu nach Deutschland kommen, erklärte er in 51 weiter zum Aspekt Integration: „Da haben die Kinder nicht den Rückhalt zuhause, den sie brauchen. Es sollte mehr Organisationen geben, die sie unterstützen beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Aufgaben in der Schule, und ihnen Werte vermitteln. Es ist wichtig, die deutsche Kultur zu verstehen, wenn du hierherkommst. Ich finde es nicht richtig, wenn Menschen nach Jahren in Deutschland noch nicht die Sprache können.“

FC Bayern München: Jerome Boateng plant offenbar Initiative für Kinder

Doch, wer soll diese Unterstützung bieten? Boateng plant offenbar selbst eine Initiative: „Kinder sind die Zukunft. Ich bin in Gesprächen, was man in dieser Hinsicht aufbauen kann.“ (pm) *tz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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