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Kimmich mit Lungenproblemen nach Corona-Erkrankung - „Setzt womöglich seine ganze Karriere aufs Spiel“

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Joshua Kimmich leidet unter den Folgen seiner Corona-Infektion und wird in diesem Jahr kein Spiel mehr für den FC Bayern bestreiten. Ein Sportmediziner richtet eindringliche Worte an ihn.

München - Trotz seiner überstandenen Corona-Erkrankung steht nun fest: Joshua Kimmich wird in diesem Kalenderjahr nicht mehr auf den Fußballplatz zurückkehren. Das gab der FC Bayern München am vergangenen Donnerstag (9. Dezember) bekannt. Der Grund: Der 26-Jährige hat mit Lungenproblemen zu kämpfen.

„Aufgrund von leichten Infiltrationen in der Lunge kann ich aktuell noch nicht voll trainieren“, so Kimmich in einer Pressemitteilung. Der Mittelfeldspieler betonte aber auch, dass es ihm gut gehe und er es kaum abwarten könne, im Januar wieder voll mit dabei zu sein. Somit verpasst er definitiv die nächsten drei Bundesligaspiele gegen Mainz, Stuttgart und Wolfsburg.

FC Bayern: Kimmich nach Corona-Infektion mit Lungenproblemen - „Für Profis kann es das Karriereende bedeuten“

Im Spiegel-Interview warnt Prof. Dr. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der TU München, vor Langzeitfolgen. „Ich sehe jeden Tag Leute, die sagen: Ich komme nicht mehr richtig auf die Beine. Ich habe immer noch Muskelschmerzen. Ich kann nicht mehr an meine Leistungsfähigkeit anknüpfen. Ich kann mich nicht richtig konzentrieren. Auch nach drei oder sechs Monaten noch. Das betrifft Freizeitsportler genauso wie Profis. Für Letztere kann es das Karriereende bedeuten.“

FCB-Trainer Julian Nagelsmann glaubt hingegen fest an eine erfolgreiche Genesung von Kimmich. „Es ist nicht so dramatisch, dass man da irgendwelche Folgeschäden erwarten kann“, sagte der 34-Jährige auf der Pressekonferenz am Freitag.

Sportmediziner Prof. Dr. Halle: „Kimmich hat das Risiko auf sich genommen“

Kimmich war zum Zeitpunkt seiner Corona-Infektion nicht geimpft. Er hatte Bedenken aufgrund „fehlender Langzeitstudien“. Für Sportmediziner Halle unverständlich: „Jeder, der in der Medizin ein bisschen zu Hause ist, weiß, dass die Erkrankung Lunge, Herz und Gehirn erheblich beeinträchtigen kann. Bei der Impfung ist das Risiko viel geringer. Ich kann nur den Kopf schütteln, dass wir über ihren Sinn überhaupt diskutieren. Dass es Joshua Kimmich jetzt erwischt hat, ist ungeachtet dessen schlimm. Aber die allermeisten Sportler, die ich kenne, haben sich ohne Zögern impfen lassen. Kimmich hat das Risiko auf sich genommen.“

Laut Prof. Dr. Halle kann das Risiko von später auftretenden Problemen mit der Lunge mit einer Impfung reduziert werden. „Ein Spitzensportler wie Joshua Kimmich setzt ohne Impfung womöglich seine ganze Karriere aufs Spiel.“

Ein Spitzensportler wie Joshua Kimmich setzt ohne Impfung womöglich seine ganze Karriere aufs Spiel.

Prof. Dr. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der TU München

Droht dem deutschen Fußball-Nationalspieler nun eine dauerhafte Leistungseinschränkung aufgrund seiner Lungenprobleme? „Das hängt von der Ausprägung ab. Wenn es um eine minimale Infiltration geht, wird es vielleicht auch wieder ganz in Ordnung kommen“, so Halle. „Es kann auch sein, dass der Sauerstofftransport dauerhaft eingeschränkt ist. Das Gewebe, das einmal verklebt ist, wird sehr wahrscheinlich nicht mehr am Sauerstofftransport partizipieren.“ Man müsse daher sehr vorsichtig sein, bis man es ganz einschätzen könne. „Ich gehe aber davon aus, dass sie das beim FC Bayern auch sind.“

Das erste Spiel im neuen Jahr bestreitet der deutsche Rekordmeister am 7. Januar gegen Borussia Mönchengladbach. Ob mit oder ohne Joshua Kimmich, ist noch offen. (sk)

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