Dauer-Zwist zwischen München und DFB

Unterschied zwischen Kimmich und Löw zeigt Problem des FC Bayern mit dem DFB: „Als Trainer die Tür zumachen“

Antreiber und Mentor: Joshua Kimmich vom FC Bayern (li.) und Bundestrainer Joachim Löw.
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Antreiber und Mentor: Joshua Kimmich vom FC Bayern (li.) und Bundestrainer Joachim Löw.

Während Joshua Kimmich vom FC Bayern die Schuld für die schlechten DFB-Auftritte bei sich sucht, verharmlost Bundestrainer Joachim Löw. Eine Analyse.

München/Frankfurt am Main - Seine intensive Arbeitsauffassung ist bekannt, seine Einstellung sowohl in der deutschen Nationalmannschaft als auch beim FC Bayern München in Bundesliga und Champions League absolut vorbildlich. Manche sagen ja schon, er sei einen Tick zu verbissen.

FC Bayern München: Joshua Kimmich übernimmt im DFB-Team Verantwortung für Rumpel-Fußball

Die Rede ist von Joshua Kimmich, dem neuen Chef des deutschen Fußballs. Auf Instagram pusht der Schwabe gerne sich, seine Mitspieler und die komplette Fangemeinde.

So tat es der 25-jährige Bayern-Leader auch am Mittwochnachmittag (14. Oktober) gegen 17 Uhr. Er postete ein Foto von sich im Deutschland-Trikot und schrieb dazu: „Immer wieder eine Ehre!“

Den Fans versprach er #wirbleibendran, forderte #zusammen und motivierte #kommtjetzt. In bester Hashtag-Sprache. Schon unmittelbar nach dem äußerst wackeligen 3:3 (1:2) des DFB-Teams gegen die Schweiz in der Nations League hatte der einstige Stuttgarter und Leipziger auch vis-a-vis Verantwortung übernommen.

Joshua Kimmich: FC-Bayern-Star nimmt Gegentor der deutschen Nationalmannschaft auf sich

„Wir wollten mit mehr Dynamik spielen, offensiv unsere PS, die wir haben, auf die Straße bringen“, referierte der Champions-League-Sieger in der ARD: „Dann kriegen wir so ein ekliges Standardtor. Auch das zweite Tor war ein bisschen komisch. Ich fand alles Tore so a bisserl kurios. Beim dritten (Tor) krieg ich den (Ball) nicht richtig weg. Das müssen wir natürlich besser verteidigen.“

Er nahm besagten Gegentreffer durch den unbequemen, weil ziemlich guten Mario Gavranovic also auf seine Kappe, wie man im Fußball-Deutsch von der Bundesliga bis zur Kreisklasse sagt. Und was tat Joachim Löw?

Er beschwichtigte, verharmloste und redete sich einmal mehr raus. Dabei weiß er ja angeblich, was er tut, was er Fußball-Deutschland in den vergangenen Tagen hinlänglich (und mit einem Hauch von Arroganz) vollumfänglich wissen ließ.

DFB-Team: Für Joachim Löw ist bei der Fußball-EM 2021 „das Halbfinale das Minimum-Ziel“

„Kritik kann ja schon mal inspirierend wirken, das ist ja gut. Aber als Trainer muss man irgendwann mal die Tür hinter sich zumachen und sagen: ‚Okay, das ist unser Plan, das ist unsere Idee, unsere Vision, und das tun wir‘“, sagte der 60-jährige Badener vor dem Länderspiel - und meinte danach mit Blick auf die Fußball-EM 2021: „Das Halbfinale ist das Minimum-Ziel, sicher.“

Dass Löw „Minimum-Ziel“ statt „Minimalziel“ sagte, war ein Randaspekt. Dass er angesichts des aktuellen Leistungsvermögens der „Mannschaft“ tatsächlich selber daran glaubt, ist extrem mutig, um es ganz vorsichtig zu formulieren.

Der Shitstorm auf Social Media ließ nicht lange auf sich warten - und auch nicht der nächste Akt im Dauer-Zwist zwischen seinem Frankfurter Arbeitgeber DFB und dem FC Bayern.

Von der Säbener Straße in München, dem Arbeitsplatz von Kimmich, gab es zuletzt einen ordentlichen Rüffel von FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gegen den deutschen Verband, warum dieser angesichts des krass engen Spielplans in der Corona-Krise unbedingt Länderspiele wie das 3:3 gegen die Türkei brauche.

FC Bayern versus DFB: Zwist zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Bierhoff

Rummenigge kritisierte ferner, dass dem Verband mittlerweile die Vermarktung des Premium-Produkts Nationalmannschaft wichtiger sei als der Fußball selbst. Eine Einschätzung, die im Übrigen viele Fans teilen. Das zeigen verschiedene Umfragen, etwa der Ippen Digital Zentralredaktion.

DFB-Manager Oliver Bierhoff meinte zu Rummenigges verbaler Breitseite nun in der Sport Bild: „Solche Aussagen werden immer mal wieder in den Raum gestellt, entsprechen aber nicht den Fakten. Wenn man falsche Dinge dauernd wiederholt, werden sie dadurch nicht richtig.“

Es wirkt derzeit, als würden sich die Verantwortlichen rund um die Nationalmannschaft wie in einer Wagenburg gegen Einflüsse von außen abschotten. Während die Protagonisten des FC Bayern eben diese Verantwortung übernehmen. Fortsetzung folgt. (pm)

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