Taktik-Experte erklärt das System

Dank Nagelsmann: Bayern-Star plötzlich auf den Spuren von Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger gewann 2013 die Champions League mit dem FC Bayern.
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Bastian Schweinsteiger (r.) gewann 2013 die Champions League mit dem FC Bayern.

Trainer Julian Nagelsmann lässt den FC Bayern etwas anders spielen als seine Vorgänger. Ein Star erinnert Taktik-Experte Eckner dabei an Triple-Held Bastian Schweinsteiger.

München - Als Julian Nagelsmann (34) als neuer Trainer des FC Bayern vorgestellt wurde, betonte er, dass er in Sachen Taktik nicht „alles auf den Kopf stellen“ werde. Daran hielt er sich bislang. Ein paar Änderungen im Vergleich zu seinen Vorgängern waren beim Bundesliga-Auftakt gegen Gladbach (1:1) und im Supercup gegen Dortmund (3:1) dennoch gut zu erkennen.

Auffällig: Joshua Kimmich (26) ließ sich für den Spielaufbau regelmäßig zwischen die Innenverteidiger, Dayot Upamecano (22) und Niklas Süle (25) zurückfallen. „Als abkippender Sechser hat Kimmich unter Nagelsmann die gleiche Rolle wie Bastian Schweinsteiger beim Triple-Gewinn 2013“, sagt Taktik-Experte Constantin Eckner von spielverlagerung.de im Gespräch mit der tz.

Unter Nagelsmann-Vorgänger Hansi Flick (56/Bundestrainer) hat sich Kimmich zur Spielgestaltung selten in die eigene Abwehr zurückgezogen. „Seine leicht veränderte Rolle jetzt kann damit zusammenhängen, dass in der Abwehr einer wie Alaba fehlt, der gut im Spielaufbau ist. Bei Leipzig war dort zum Beispiel Kevin Kampl. In Hoffenheim hatte Nagelsmann mit Kevin Vogt auch einen zentralen Aufbauspieler, aber in der Abwehr-Dreierkette.“

FC Bayern München: Darum ist Joshua Kimmich als abkippender Sechser so wichtig

Mit dem abkippenden Sechser gehe es darum, „gegen die zwei vordersten Pressingspieler des Gegners eine Überzahl zu schaffen“. Laut Eckner sei es wichtig, dass sich nicht beide zentralen Mittelfeldspieler, also Kimmich und Leon Goretzka (26), nach hinten fallen lassen. „Nur Müller und Lewandowski sind bei Ballverlust im Spielaufbau in Sachen Gegenpressing zu wenig. Dann kann der Gegner ins Umschaltspiel kommen“, erklärt der Taktik-Experte. „Das war gegen Dortmund ein paar Mal der Fall - und dann wurde es gefährlich.“ Indem sich Kimmich zwischen den Innenverteidigern positioniert, können auch die Außenverteidiger bei Ballbesitz weiter nach vorne rücken. Von dort verdrängen sie die offensiven Flügelspieler ins Zentrum. Dadurch bekommt man im Idealfall in der Mitte mehr Durchschlagskraft. Genau das, was der neue Bayern-Trainer sehen will.

„Unter Nagelsmann fällt auf, dass sie das Feld jetzt nach vorne hin enger machen. Man sieht eine Art Trichter“, so Eckner. „Dass Flanken nicht die größten Erfolgsaussichten haben, haben auch Pep Guardiola, Lucien Favre oder Marco Rose gemerkt. Wann schießt man die meisten Tore? Richtig, wenn man die Mitte durchbricht.“ Das passt zu Nagelsmanns Motto: Wer das Zentrum kontrolliert, kontrolliert das Spiel. In der Offensive will der Landsberger auf minimale Breite setzen. Das bedeutet: Die Flügelspieler kleben nicht an der Außenlinie, sondern rücken ein Stück in die Mitte. Auch die Außenverteidiger werden Eckners Meinung nach künftig häufiger nach innen ziehen. Alphonso Davies (20) tat dies schon in Gladbach, wurde so sogar selbst torgefährlich.

FC Bayern München: Taktik-Experte erklärt das Pass-Dreieck

In der Vergangenheit - vor allem zu Zeiten von Arjen Robben (37) und Franck Ribéry (38/beide bis 2019 beim FCB) - waren die Münchner für ihr Flügelspiel gefürchtet. Nagelsmann will künftig allerdings noch unberechenbarer werden. „Beim FC Bayern wird man aber immer eine Mischung aus Flanken- und Zentrumsangriffen sehen, weil sie gute Flügelspieler haben“, ist sich Eckner sicher.
Eine Taktik-Änderung hat er bei intensiver Beobachtung der bisherigen Saison-Spiele des deutschen Rekordmeisters noch bemerkt. „Wenn man ganz genau draufschaut, fällt auf, dass die Bayern stets versuchen, ein Pass-Dreieck zu bilden“, erklärt Eckner. „So wollen sie immer eine Überzahl, ein Drei gegen Zwei, haben.“

Trotz schwieriger Vorbereitung spielen die Bayern teilweise schon so, wie es sich Nagelsmann vorstellt. Man darf gespannt sein, wie er die Münchner entwickelt, wenn er mehr Trainings mit dem kompletten Kader hat…

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