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Kritik nach Benfica-Gala? Nagelsmann sieht bei Sané „wieder diese talentfreien Aktionen“

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Von: Christoph Klaucke

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Julian Nagelsmann (l.) klatscht mit Leroy Sané ab.
Julian Nagelsmann (l.) klatscht mit Leroy Sané ab. © IMAGO / Nordphoto

Der FC Bayern gewinnt in der Champions League eindrucksvoll gegen Benfica Lissabon. Wir fassen die Stimmen und Reaktionen zum Spiel zusammen.

München - Der FC Bayern hat mit einem 5:2-Sieg gegen Benfica das Achtelfinale der Champions League klargemacht. Vor der Partie der Münchner in der Königsklasse drehte sich alles um die Rückkehr ihres Trainers an die Seitenlinie. Julian Nagelsmann saß nach überstandener Corona-Infektion in der Allianz Arena wieder auf der Bank - der Coach konnte direkt am Spielfeldrand Einfluss auf sein Team nehmen.

Das bedeutet auch, dass die Reporter im Stadion im Interview wieder das Vergnügen mit Nagelsmann hatten. Die letzten vier Spiele übernahm Co-Trainer Dino Toppmöller den Job in Abwesenheit des Chefs. Zuletzt hatte Nagelsmann bereits durchklingen lassen, dass er trotz der erfolgten Reaktion gegen Union Berlin (5:2) nach der Pokal-Schmach gegen Gladbach (0:5) nicht vollends zufrieden ist. Die Abwehr-Thematik nervt den 34-Jährigen.

FC Bayern: Stimmen und Reaktion in der Champions League gegen Benfica

Auch Lothar Matthäus prangert die Defensive des Rekordmeisters an und legt den Finger in die Wunde. Der Sky-Experte spricht vier Abwehrspielern sogar eine essenzielle Eigenschaft ab. Aussagen, die auch als indirekte Kritik an Sportvorstand Hasan Salihamidzic verstanden werden können. Wegen dessen Transferpolitik will ihm FCB-Boss Oliver Kahn nun ganz genau auf die Finger schauen.

Die Protagonisten beim FC Bayern äußerten sich am Dienstagabend zu all diesen Themen.

Wir fassen die Stimmen und Reaktionen rund um das Champions-League-Spiel der Bayern gegen Benfica auf Amazon Prime Video zusammen:

Julian Nagelsmann (Trainer FC Bayern) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel über ...

... die Performance von Leroy Sane: „Er hatte heute eine unglaubliche Aktivität. Gegen Union hatte ich nicht so das Gefühl, heute wollte er immer den Ball haben. Am Ende geht‘s sehr viel darum, dass er versteht, was sein große Stärke ist, das ist Punkt eins. Außerdem ist es wichtig, welche Position er spielt. Wenn er zentrumslastiger spielt, hat er viel, viel mehr Aktionen und kürzere Gegenpressingwege. Zudem hatte er heute auch wieder ‚talentfreie Aktionen‘. Das bedeutet Aktionen, für die du kein Talent brauchst. In der ersten Hälfte haben wir einen Standard, den er mit Phonzie (Alphonso Davies, Anm. d. Red.) über 70 Meter hinterherverteidigt. Das sind so Momente, wo die Zuschauer ihn natürlich feiern - und das völlig zurecht.“

... den Einsatz von Tanguy Nianzou: „Ich muss da jetzt nicht rumlügen, er hat heute gespielt, weil zwei Spieler auf der Position ausgefallen sind. Wenn ich aber eine Spieler verbessern will, geht das nicht nur mit Training, zumal wir sehr wenig Training haben. Am Ende musst du dann einen Spieler auch mal reinwerfen. Was er sehr gut gemacht hat, waren seine Bälle in den Halbraum. Er hat sehr clever verteidigt, er hat da eine sehr große Aggressivität. Ich finde, er hat‘s sehr gut gemacht.“

Video: Nagelsmann vergleicht Lewandowski mit Messi und CR7

Julian Nagelsmann (Trainer FC Bayern) bei Amazon Prime nach dem Spiel über...

... die Leistung von Leroy Sané: „Herausragend, Torvorbereitung, Tor. In der ersten Halbzeit leitet er einen Konter ein und spielt am eigenen Sechzehner drei Spieler aus. Was nach Köln passiert ist, als er ausgepfiffen wurde... jetzt hat er Momente, die die Zuschauer gerne sehen wollen und für die sie ihn feiern. Das tut jedem Menschen gut, wenn draußen welche sind, die ihn feiern. Da hat er jetzt den Schalter gefunden. Wir haben seine Position verändert. Ich mag ihn ganz gerne, weil er ein cooler Typ ist und den Rest hat er schon selber hingekriegt. Er spielt unglaublich gut und hat heute glaube ich sein aktivstes Spiel gemacht.“

... sein erstes Spiel nach Corona-Erkrankung: „Es hat Spaß gemacht zuzuschauen, das hab ich den Jungs auch gesagt. Die beiden Gegentore sind sehr unglücklich, das eine nach einem Standard, das haben wir anders besprochen. Es war aber ein unfassbar gutes Spiel von uns, sehr gute Kontrolle und hohes Spieltempo. Mein erstes Spiel mit mehr Zuschauern, seit langem. Ich habe irgendwann in der 70. Minute gesagt: ‚Schön, dass mehr Leute da sind und man es nicht am Fernseher anschauen muss‘.“

... den Auftritt von Robert Lewandowski: „Man reduziert ihn oft auf seine Tore. Aber wenn man seine Spielfreude in den letzten Minuten sieht. Er setzt immer nach, das ist sein Charakterzug, das zeichnet ihn aus. Er will immer weiter treffen. Er hat jeden Ball gefordert und geholt. Seine Quote ist beeindruckend. Die 100 Tore wird er hoffentlich noch schaffen.“

... die Konkurrenz in der Königsklasse: „Die werden uns auf dem Schirm haben, wir müssen das bestätigen. Wir haben uns jetzt qualifiziert, ein erster guter Schritt, die K.o.-Spiele kommen aber erst. Es gibt noch ein paar andere Teams, die auch gut sind, wir gehören auch dazu.“

Robert Lewandowski (dreifacher Torschütze beim FC Bayern) nach dem Spiel über...

... seine perfekte Leistung: „Ob das perfekt war, weiß ich nicht. Ich habe einen Elfmeter verschossen, habe darüber aber nicht viel nachgedacht. Das war falsch geschossen, mein Fehler. Zum Glück habe ich noch mehr Tore geschossen und wir haben die drei Punkte.“

... sein 100. Spiel in der Champions League: „Kurz vorm Spiel hat der Trainer mich dazu gefragt. Ich habe kurz überlegt und war nicht sicher, wusste es aber. Ich habe nie geglaubt, dass ich so viele Spiele und Tore mache. In der Champions League will ich immer dabei sein.“

... seinen Einsatz über die volle Distanz: „Es gibt drei Tage bis zum nächsten Spiel. Der Unterschied zwischen zwei und drei Tagen ist sehr groß. Dann habe ich genug Zeit zum Regenerieren, ich fühle mich körperlich sehr gut. Man kann aber nicht jedes Spiel 90 Minuten spielen.“

... seine drei Tore: „Beim zweiten Tor war die Annahme am wichtigsten. In den ersten 20 Minuten habe ich wenige Bälle bekommen, es war nicht so einfach die Geduld zu bewahren. Es ist nicht einfach als Stürmer einen freien Raum zu finden. Nach dem ersten Tor läuft es einfacher. Die Flanke von Kingsley war super.“

... die beiden Gegentore: „Das erste Tor war ein Fehler in der Positionierung. Es motiviert uns, wieder nach vorne zu spielen. Aber wir wissen, dass Manu das nicht gern hat.“

... die Spekulationen über einen Transfer von Erling Haaland: „Ich bin Lewandowski und denke an mich selbst. Er ist ein junger Stürmer, ich bin auf einem anderen Level im Leben, bin zehn Jahre älter. Klar, wenn man viele Tore erzielt, besteht Interesse. Wichtig ist aber, was auf dem Platz passiert.“

Julian Nagelsmann (Trainer FC Bayern) vor dem Spiel über...

... Angst vor dem Corona-Test: „Ne, hatte ich nicht. Ich bin seit Sonntag mit Schnelltests negativ gewesen. Alles war auf bestem Wege, insofern hatte ich keinen Bammel. Ich wusste, dass ich die zwei Wochen zuhause bleiben muss. Gestern habe ich mich dann nochmal selbst getestet, um ganz sicher zu sein.“

... die vielen Gegentore: „Es war zuletzt zu wild. Wir haben zu viele Chancen zugelassen und viele Tore kassiert. Die Gier, die wir schon zu Beginn der Saison hatten, hat gefehlt. Diese Gier will ich heute wieder sehen.“

... seine Abwesenheit wegen der Corona-Erkrankung: „Ich habe ja schon gesagt, dass wir mit mir gegen Gladbach auch nicht gewonnen hätten. Vielleicht wäre es nicht so hoch gewesen. Es ist aber was anderes, wenn der Trainer da ist. Wir waren gegen Gladbach nur in der eigenen Hälfte, da müssen wir auch mal nicht Bayern-like agieren und lange Bälle spielen.“

... die Ausfälle von Lucas Hernandez und Niklas Süle: „Luci hatte noch einen Schlag, heute bei der Aktivierung hatte er noch Schmerzen bei Drehungen. Niki hat muskuläre am Hüftbeuger.“

... das Spiel gegen Benfica: „Wir wollen gewinnen und unsere gute Bilanz in der Champions League ausbauen, auch für unsere innere Überzeugung.“

... Impf-Zögerer Joshua Kimmich: „Ich habe eine klare Meinung zu dem Thema, respektiere aber auch andere. Ich versuche Leute, davon zu überzeugen, dass es sinnvoll ist. Ohne Impfung ist das Risiko größer. Wir müssen aber darauf achten, dass das Thema nicht zu groß wird. Wir leben in einer Demokratie und müssen alle Meinungen zulassen.“

Hasan Salihamidzic (Sportvorstand FC Bayern) vor dem Spiel über...

... die Stärke des FC Bayern: „Es geht jeden Tag an die Grenze. Man muss jeden Tag im Training performen, um mit diesen Topspielern auf einem Niveau zu sein. Sie pushen sich selber immer an die Grenze. Wenn du Kimmich oder Lewy im Rücken hast, können sich die Jungen gut entwickeln. Die Einstellung ist sehr gut. Darauf achtet man auch, wenn man die Spieler holt.“

... einen möglichen Transfer von Erling Haaland über den in der FC-Bayern-Doku gesprochen wurde: „In der Doku darf man auch nicht alles ernst nehmen. Wir erzählen auf der Bank ja auch oft Blödsinn. Wir wurden auch gefragt, ob wir die Szenen rausgeschnitten haben wollen. Das wollten wir aber nicht, damit die Fans das sehen. Ich telefoniere mit diesem Berater über 100 Spieler.“

... die Rückkehr von Trainer Nagelsmann: „Es ist erst mal gut, dass der Trainer wieder da ist. Er kann am Spielfeldrand mit seiner Gabe sofort was verändern. Gegen Gladbach hätte er das aber vermutlich auch nicht geschafft, da hatten wir einen ganz, ganz schlechten Tag. Es war ein Schock für mich, das hat man ja nach dem Spiel gemerkt. Das ist zu viel gewesen, war aber auch verdient. Wir haben das aber abgehakt. In den Köpfen der Spieler war das vielleicht auch gut. Jetzt haben wir wieder umgeschaltet und in Berlin fünf Tore gemacht.“

... Joshua Kimmich: „Wir führen viele Gespräche. Man kennt meine persönliche Einstellung dazu, Impfen macht alles einfacher. Jo ist aber ein ganz wichtiger Spieler für uns, eine Persönlichkeit. Man muss ihm seine Entscheidung lassen und nicht unter Druck setzen. Er lässt sich Zeit, das akzeptieren wir. Wir sprechen aber eine ganz klare Empfehlung aus.“

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