Für die Teamchemie

Nagelsmann nimmt Nachhilfe bei Hansi Flick - Diesen Tipp holte sich der neue FCB-Coach bei seinem Vorgänger

Julian Nagelsmann ist noch sieglos mit dem FC Bayern. Seine Hausaufgaben aber hat er gemacht: Bei Ex-Trainer Hansi Flick hat er sich nach den Vorlieben seiner neuen Stars erkundigt.

München - Der Aufstieg von Julian Nagelsmann (34) vom Trainer-Juwel zum Chefcoach des FC Bayern verlief rasant: Im Frühjahr 2016 übernahm er die Profi-Mannschaft der TSG Hoffenheim. In seinen drei Jahren im Kraichgau qualifizierten sich die Hoffenheimer zweimal für den internationalen Wettbewerb – unter anderem für die Champions-League-Saison 2018/2019. Daraufhin übernahm Nagelsmann RB Leipzig und schaffte es mit den Bullen im Sommer 2020 bis ins Königsklassen-Halbfinale. Als Cheftrainer der Bayern steht Nagelsmann jetzt eine ganz neue Herausforderung bevor: Er muss das Star-Ensemble des deutschen Rekordmeisters bei Laune halten.

Nagelsmann hat sich bei Hansi Flick nach den Vorlieben der Bayern-Stars erkundigt

Darum hat sich der Fußballlehrer auch schon bei seinem Vorgänger Hansi Flick nach den Vorlieben der Bayern-Kicker erkundigt: „Was ist den Spielern wichtig? Was waren Hansis Erfahrungen im Umgang mit den einzelnen Spielern? Was bedeutet ihnen viel, was sind Dinge, die man vielleicht eher weglassen sollte?“ Das sei ein wertvoller Austausch gewesen, wofür er Flick überaus dankbar sei, verriet Nagelsmann im BR.

Wie wichtig für den Bayern-Trainer der psychologische Aspekt ist, zeigt die Verpflichtung von Sportpsychologe Dr. Maximilian Pelka, mit dem Nagelsmann bereits in Leipzig zusammengearbeitet hat und der am vergangenen Freitag seine Arbeit in München aufgenommen hat.

Nagelsmann muss den Stars Freiräume lassen - aber ein Grundgerüst stellen

Dass Nagelsmann mit Weltklasse-Spielern wie Kapitän Manuel Neuer (35), Weltfußballer Robert Lewandowski (32) oder Klub-Urgestein Thomas Müller (31) anders umgehen muss als mit durchschnittlichen Bundesliga-Kickern, weiß er auch ohne Flick-Nachhilfe oder Tipps vom Sportpsychologen. „Du musst schon ein Gefühl dafür haben, wie du auftrittst, wenn du als Trainer jünger bist als der Kapitän. Ich habe es mir auf die Fahne geschrieben, so zu sein, wie ich bin: Und ich bin jetzt nicht der Zampano oder auch nicht autoritär.“

Mannschaften, die noch nicht viele Titel gewonnen hätten, gibt man laut Nagelsmann deutlich mehr Dinge und Strukturen an die Hand, als es in München der Fall sein wird. „Das ist schon eine Entwicklung, die du als Trainer durchgehen musst: Dass du eben bei Bayern München nicht selber der Star bist, sondern die Spieler. Und dessen musst du dir immer bewusst sein“, sagt Nagelsmann. So bräuchten die Stars zwar ­Freiräume, um ihre Entscheidungen zu treffen, aber „trotzdem brauchen auch sie ein gewisses Grundgerüst oder ein gewisses Netz, weil auch sie mal Stress-Phasen haben oder wenn im Spiel etwas mal nicht funktioniert, dass sie darauf zurückgreifen können“.

Erste harte Personal-Entscheidungen werden zeigen, wie die Stimmung beim FC Bayern ist

Es ist in den Augen von Nagelsmann also wie so oft im Sport: Die Mischung macht’s. „Gerade bei Bayern München oder Weltvereinen ist es schon so, dass die Stimmung, Spieler bei Laune halten und gewisse Strömungen erkennen und extrahieren vielleicht ein Stück wichtiger sind als Inhaltliches.“

Spätestens wenn Nagelsmann die ersten harten Personal-Entscheidungen treffen muss, ist eine gute Grund-Stimmung innerhalb der Mannschaft enorm wichtig für den Trainer: „Du hast ja nicht immer nur Stammspieler, sondern auch Spieler, die mal draußen sitzen müssen. Und jeder muss mit dieser Rolle auch zurechtkommen und trotzdem fürs Team alles geben. Und wenn das gegeben ist, dann werden wir wieder eine sehr gute Saison spielen.“ Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Rubriklistenbild: © ANNEGRET HILSE

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