Erste Pressekonferenz

Taktik-Versprechen, Sané-Vorhaben und Geschenke für Mitarbeiter: Nagelsmann-Feuerwerk bei Premiere

Julian Nagelsmann erklärt bei seiner Vorstellung, wie er sich kommende Saison den FC Bayern vorstellt. Außerdem schildert er Eindrücke der Fußball-EM - und übt Systemkritik.

München - Am Mittwoch wurde Julian Nagelsmann (33) offiziell als neuer Trainer des FC Bayern vorgestellt. Auf der virtuellen Pressekonferenz wurde schnell klar: Die Harmonie zwischen dem Landsberger, Vorstands-Boss Oliver Kahn (52) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) stimmt schon mal. Immer wieder wurden die guten Gespräche innerhalb des Vereins erwähnt. Eine Zusammenarbeit, in der – bei aller Seriosität – auch ein Wohlfühlfaktor, eine gewisse Dolce-Vita-Atmosphäre, geschaffen werden soll.

Am Dienstag sei Nagelsmann beispielsweise in das Büro von Salihamidzic gekommen. „Ich habe eine neue Espressomaschine. Wir haben uns auch einen Kaffee gemacht“, verrät Salihamidzic und betont: „Wir wollen eine 1A-Kommunikation haben. So stellen wir uns den FC Bayern vor.“ Ein aktuelles Gesprächsthema zwischen dem Vorstands-Boss und Nagelsmann: die Europameisterschaft. Salihamidzic sagt: „Mir gefällt, wie Italien spielt und Mentalität auf den Platz bringt, wie sie eine Mannschaft sind. Das wünsche ich mir, dass Julian so etwas wieder formt.“

FC Bayern: Nagelsmann möchte EM-Scheitern ad acta legen - und gibt taktische Einblicke

Nach der für FC-Bayern-Spieler enttäuschenden EM 2021 verschickte der Trainer kurze, aufmunternde Textnachrichten. „Da ging es darum, ihnen die schöne Seite aufzuzeigen, ihnen mitzuteilen, dass sie Urlaub bekommen“, erzählt Nagelsmann. „Wir werden gemeinsam versuchen, hier erfolgreich zu sein und somit möglichst schnell zu vergessen, wie es bei der EM war.“ Zudem ließ er mit seinen Aussagen (PK-Ticker zum Nachlesen) durchblicken, dass er nicht dieselben Fehler wie Joachim Löw (61) machen werde.

Der Ex-Bundestrainer hielt während des Turniers stur an der umstrittenen Taktik mit Dreierkette fest, setzte Spieler nicht auf ihrer besten Position ein. „Ich werde nicht alles auf den Kopf stellen und wir werden nicht jedes Spiel mit Dreierkette spielen. Es geht darum, flexibel zu sein und die Spieler in ihren idealen Positionen spielen zu lassen“, macht Nagelsmann klar. „Man hat jüngst bei der EM bei einigen Mannschaften gesehen, dass die Spieler in Momenten nicht auf der Position spielen, wo sie sich 100 Prozent wohlfühlen. Das werden wir vermeiden. Wir werden Grundordnungen wählen, in denen die Spieler die beste Qualität haben.“

Julian Nagelsmann wurde vom FC Bayern in der Münchner Allianz Arena vorgestellt.

FCB-Trainer Nagelsmann erklärt Vorhaben mit Sané - und bedrohliches Schicksal als Losfee

Vor allem Leroy Sané (25) wurde während der EM für seine angeblich lethargische Körpersprache heftig von Experten kritisiert und von Fans beim 2:2 gegen Ungarn sogar ausgepfiffen. Nagelsmann nimmt den Offensivspieler in Schutz. „Wir tun gut daran, ihn medial in Ruhe zu lassen. Er hat herausragende Qualitäten, hat unglaublichen Speed und ist einer der besten in Eins-gegen-Eins-Situationen. Er hat einen guten Abschluss und ist auch stark im Kombinationsspiel“, sagt der Trainer. „Es geht darum, seine Qualität auf den Platz zu bringen und seine Quote hochzuschrauben. Ich bin mir sicher, dass wir einen stärkeren Leroy Sané sehen werden, der großen Einfluss auf den Erfolg beim FC Bayern haben wird.“

Auch die Vereinsmitarbeiter dürfen sich auf Nagelsmann, der ein für renommierte Trainer eigentümliches Gefährt benutzt, freuen. Bei seiner vorherigen Station in Leipzig konnten Mitarbeiter unter ihm Wünsche im Wert von bis zu 1000 Euro abgeben. Musste ein Spieler eine größere Strafe zahlen, wurde eines der Zettelchen gezogen. Bei drei Siegen in Folge zog auch Nagelsmann. „Das muss ich mir jetzt überlegen, weil das hoffentlich sehr häufig vorkommt“, meint Nagelsmann. „Ich finde es eine sehr gute Sache, weil man eine Verbundenheit mit allen im Klub schafft. Ich bespreche mit dem Mannschaftsrat, ob sie die Maßnahme auch mitgehen. Falls nicht, bin ich gerne bereit, für mich die Lose zu ziehen und die Mitarbeiter zu beschenken. Das mache ich gerne, solange ich nicht selbst die ganzen Staubsauger bestellen muss…“

Rubriklistenbild: © Marco Donato / BAYERN MUNICH / AFP

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