Coach übt Kritik

Bayern-Trainer Nagelsmann wird plötzlich nachdenklich: „Sitze zuhause im Büro und überlege“

Der FC Bayern München hat RB Leipzig mit 4:1 besiegt. Trainer Julian Nagelsmann hatte dennoch einige Fehler im Spiel des Rekordmeisters entdeckt.

Leipzig - Samstagabend in Leipzig: Als der Mannschaftsbus des FC Bayern die Red-Bull-Arena in Richtung Flughafen verlässt, ist am Himmel ein buntes Feuerwerk zu beobachten. Auch, wenn es passen würde – Grund dafür war nicht der deutliche Sieg des deutschen Rekordmeisters vor 34 000 Zuschauern bei RB. Zwar animierte das 4:1 durch Tore von Robert Lewandowski*, Jamal Musiala*, Leroy Sané* und Eric Maxim Choupo-Moting* viele Münchner Fans zum Feiern und Träumen.

FC Bayern: Auch nach klarem Sieg in Leipzig sieht Coach Julian Nagelsmann viele Baustellen

Trainer Julian Nagelsmann* (34) lässt sich vom Knaller-Ergebnis im Duell mit seinem Ex-Klub allerdings nicht blenden. „Wir sind sehr glücklich über die drei Punkte. Die sieben Punkte Vorsprung auf Leipzig sind auch ein Punkt, der wichtig ist, weil wir wissen, was RB für eine Qualität hat“, erklärte der Landsberger nach dem Spiel. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich: „Am Ende sind wir der verdiente Sieger, aber nicht so verdient, dass wir 4:1 hätten gewinnen müssen.“

Am zufriedensten war Nagelsmann mit dem Auftreten seiner Mannschaft direkt nach der Pause, als der FC Bayern* seine Führung auf 2:0 bzw. 3:0 ausbauen konnte. „Das war die einzige Phase im Spiel, wo wir besser waren“, meinte der Coach, der mit Blick auf den Champions-League-Hit am Dienstag* (21 Uhr, Amazon) in Barcelona noch ein paar Baustellen hat.

FC Bayern: Nagelsmann-Elf hat in der ersten Halbzeit zu viele Bälle verloren

Laut Nagelsmann haben die Münchner in Leipzig in der ersten Halbzeit zu viele Bälle verloren, zu häufig Pässe vor die gegnerische Abwehr-Kette gespielt, obwohl dahinter doch so viel Raum gewesen sei, „wo wir deutlich mehr Tore hätten machen können.“ Zudem merkte er an: „Wir hatten insgesamt zu wenige Positionen besetzt. Wir hatten in den letzten 20 Minuten sehr viele Spieler auf einer Linie vorne und auch hinten.“ Dadurch seien viele zweite Bälle bei den Leipzigern gelandet. Der Sieg gegen RB „frohlocke“ Nagelsmann nicht. Aussagen, die typisch für den ehrgeizigen Trainer sind. Er verkörpert die Mia-san-mia-Mentalität des FC Bayern, sieht stets Verbesserungspotenzial. Das war auch schon bei seinen vorherigen Stationen bei Hoffenheim und Leipzig der Fall.

Nagelsmann: „Wann entwickeln wir uns weiter?“

Doch in München hält er sich mit Neuerungen noch zurück. Und irgendwie scheint ihn das zu wurmen. „Ich sitze zuhause im Büro und überlege, wie viel Neues bringe ich jetzt rein? Was machen wir? Wieder nur das Altbewährte? Aber wann entwickeln wir uns weiter?“, verriet Nagelsmann, der von einer „Gratwanderung der Entscheidungen“ sprach. Einerseits habe die Mannschaft unter Hansi Flick (56/Bundestrainer) zuvor in zwei Jahren acht Titel geholt. Andererseits möchte Nagelsmann seine Ideen einbringen. „Das stiftet immer ein bisschen Unruhe bei den Spielern“, meinte er, betonte aber ebenso: „Die Spieler wollen auch, dass wir uns entwickeln.“

Die Mannschaft erinnert hin und wieder noch an Flick. Das liegt natürlich auch daran, dass aufgrund der hohen Belastung mit englischen Wochen und vielen Nationalspielern wenig Zeit für gemeinsame Trainingseinheiten bleibt. Hinzu kommt Verletzungspech. Immer wieder sind Stars angeschlagen. Der Abwehr, die in der vergangenen Saison noch 44 Gegentore kassiert hat, hat Nagelsmann jedenfalls schon zu mehr Stabilität verholfen. Auch die Flügelspieler Leroy Sané und Serge Gnabry* macht der Trainer wieder stark. Schritt für Schritt entwickelt sich die Mannschaft zu den Nagelsmann-Bayern. Der gute Saisonstart hilft ihm dabei, seine Ideen in Ruhe umsetzen zu können. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jan Huebner / Imago

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