Ehrliche Worte im Kroos-Podcast

Bayern-Coach Nagelsmann wäre ohne eine bestimmte Person nie Trainer geworden: „So ein bisschen reingerutscht“

Bayern-Coach Julian Nagelsmann wollte nach seiner Spielerkarriere nicht Trainer werden.
+
Bayern-Coach Julian Nagelsmann wollte nach seiner Spielerkarriere nicht Trainer werden.

Bayern-Coach Julian Nagelsmann wollte erst gar nicht Trainer werden. Das verriet er im Podcast „Einfach mal luppen“ von Real-Star Toni Kross und Bruder Felix.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (34) gehört zu den besten Fußballlehrern in Europa. Dabei war es nie der Plan Landsbergers, Coach zu werden. Das verriet er in der aktuellen Podcast-Folge „Einfach mal luppen“ von Real-Star Toni Kross und dessen Bruder Felix.

FC Bayern: Der junge Trainer Nagelsmann wird von Tuchel entdeckt

Verletzungsbedingt beendete er in der zweiten Mannschaft von Augsburg seine Spielerkarriere relativ früh, wurde dann vom damaligen dortigen Trainer Thomas Tuchel (Chelsea) davon überzeugt, von Anfang bis Mitte 2008 die kommenden Gegner zu analysieren. „Im Zuge dessen bin ich so ein bisschen reingerutscht in das Trainerwesen. Ich hatte das ehrlich gesagt nie vor als Spieler“, so Nagelsmann, den die Arbeit mit Tuchel weitergebracht hat. „Er hat dann auch am Ende des Tages gesagt, dass es unter Umständen eine Idee für mich sein kann, als Trainer zu arbeiten, weil er das Auftreten und auch das, was ich so gesehen habe, gut findet.“

Nagelsmann: Steiler Aufstieg der Trainer-Karriere - Von 1860 über Hoffenheim nach Leipzig

Über eine Co-Trainer-Station bei 1860 München ging es für Nagelsmann im Sommer 2010 nach Hoffenheim. „Generell war der Wechsel nach Hoffenheim der Startschuss für mich, alles auf eine Karte zu setzen und es zu probieren“, betont er. Hoffenheim sei damals noch eine relativ kleine Adresse gewesen. Dass er von den Löwen als Co-Trainer in den Nachwuchs der TSG wechselte, habe nicht jeder verstanden. Er habe aber die Vision des Vereins gesehen, wollte vom damaligen Cheftrainer Ralf Rangnick (63) etwas lernen. Zudem habe Ex-Nachwuchskoordinator Bernhard Peters ihm eine „gute Struktur an die Hand“ gegeben.

„Der Schritt war mutig und wichtig“, sagt Nagelsmann, der in der Saison 2013/14 dann mit ansehnlichem Fußball mit Hoffenheim A-Jugendmeister geworden ist. Im Februar 2016 wurde er zum Profi-Coach befördert, rettete die Mannschaft vor dem Abstieg, qualifizierte sich später auch für die Champions League. 2019 ging es dann für Nagelsmann nach Leipzig. Ein bewusster Karriere-Schritt zu einem Klub, bei dem er nicht sofort Meister werden musste.

Nagelsmann entscheidet sich für den FC Bayern - drei Angebote von deutschem Topklub abgelehnt

Seit Sommer 2021 ist er Coach des FC Bayern. „Solche Anfragen musst du dann annehmen, wenn sie da sind. Das ist der entscheidende Punkt. Es gibt einen ganz schlauen Spruch, der lautet: Jede Chance im Leben hat ein Verfallsdatum. Das trifft es ganz gut“, meint Nagelsmann und verrät: „Ich hatte eine ähnliche Situation mit einem anderen großen deutschen Klub, der mich dreimal wollte. Da hat es dreimal aufgrund unterschiedlicher Themen nicht funktioniert.“ Da habe er gelernt, dass man nicht alles vor sich herschieben könne, sondern es oftmals nur eine einzige Chance gebe, die man dann auch ergreifen müsse.

Der FC Bayern soll einen Sockelbetrag in Höhe von 15 Millionen Euro für Nagelsmann an RB überwiesen. „Man hört ja sehr oft, dass der Trainer mit die wichtigste Person im Verein ist. Daher finde ich es schon relativ normal, dass irgendwann auch Trainer etwas kosten“, sagt er und verweist auch auf die Wichtigkeit des Standings des Coaches: „Wenn du mit Spielern arbeitest, die 70 Millionen gekostet haben und du als Trainer bist der, der am schlechtesten verdient und am wenigsten gekostet hat, dann ist das meistens nicht zwingend förderlich.“

FC Bayern: Nagelsmann lernt von Guardiola und Ferguson

Sein Vertrag beim deutschen Rekordmeister läuft bis 2026. Eine lange Zeit. Sein Arbeitspapier bei seinem Traum-Verein möchte er aber natürlich erfüllen. „Ich probiere es auf jeden Fall. Wenn man sieht, wie lange Sir Alex Ferguson bei Manchester United Trainer war, dann kann man viele Lehren daraus ziehen“, erklärt Nagelsmann. „Er hat in einem Drei-, Vierjahresrhythmus fast den gesamten Kader immer ge- und verändert und auf ganz entscheidenden Positionen viele neue Spieler geholt und viele andere verkauft.“ Es sei wie in der Liebe: „Du musst ständig daran arbeiten, dass eine Beziehung reizvoll bleibt - und das ist in der Beziehung zwischen Trainer und Spieler nicht anders.“

Nagelsmann holt sich aber auch Input von anderen Größen, u.a. von ManCity-Trainer Pep Guardiola. „Sonst habe ich eher Ratgeber außerhalb des Fußballs. Es ist nicht ganz leicht, im Fußball jemanden zu finden, der a.) vielleicht Dinge preisgeben möchte, b.) wo du jetzt extrem viel mitnehmen kannst, c.) ist es oft so, dass sehr viele eher konsumieren wollen und selber Informationen haben wollen.“ Spannend finde er den Austausch mit Führungskräften aus der Wirtschaft.

FC Bayern: Erste Niederlage - Nagelsmann zieht es zum Mountainbiken in die Alpen

Nach neun Siegen in Folge gab es am vergangenen Sonntag mit dem 1:2 gegen Frankfurt die erste Pflichtspiel-Niederlage für ihn als Bayern-Trainer. Nun steht die Länderspielpause an, ab Donnerstag haben die Spieler und Mitarbeiter, die in München geblieben sind, für ein paar Tage frei. „Ich werde ein paar Tage für mich selber Fahrradfahren gehen, um einfach abzuschalten. Wenn man sich den nächsten Block anschaut, dann haben wir sieben Spiele in relativ kurzer Zeit: Champions League, DFB-Pokal, Bundesliga. Da brauchst du auch wieder alle Kräfte“, verrät Nagelsmann. „Ich glaube, es ist schon wichtig, dass du im Leben etwas hast, das dich neben dem Fußball begeistert. Aber dann hin und wieder die Zeit findest, das auch zu nutzen. In meinem Fall ist das Mountainbike fahren in den Alpen. Das Wetter wird jetzt nicht so prickelnd. Aber das kannst du dir nicht immer aussuchen, sondern du musst einfach die Tage so nehmen, wie sie kommen, weil so viele sind es nicht. Deswegen werde ich da schon ein paar Tage abschalten.“

Auch interessant

Kommentare