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Ergebniskrise oder doch mehr? Nagelsmann erkennt „Problem“ beim FC Bayern

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Von: Florian Schimak

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Der FC Bayern hat auch bei Union Berlin keinen Sieg eingefahren. Trainer Julian Nagelsmann hat dabei ein „Problem“ bei seiner Mannschaft festgestellt. Eine Sache ist ihm „scheißegal“.

München/Berlin - Das Wort „Krise“ wird beim FC Bayern immer recht schnell in den Mund genommen. Das liegt zum einen an der Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts - und zum anderen am eigenen Anspruch beim Rekordmeister. Denn nach zwei Remis in Folge in der Bundesliga ist man in München natürlich alles andere als zufrieden.

War das 1:1 in der Vorwoche gegen Borussia Mönchengladbach noch der überragenden Leistung von Keeper Yann Sommer geschuldet, so hatten die Bayern am Samstag an der Alten Försterei bei Union Berlin (1:1) so ihre generellen Probleme. Trainer Julian Nagelsmann machte für das Unentschieden vor allem das fehlende „Energielevel“ verantwortlich.

Julian Nagelsmann bemängelt „Energielevel“ beim FC Bayern

„Es war nicht auf diesem Niveau, das wir in den bisherigen Spielen hatten“, fasst Nagelsmann nach der Partie zusammen: „In der zweiten Hälfte hatten wir zwei Top-Situationen, die wir ein bisschen schlampig zu Ende spielen, was auch etwas mit dem Energielevel zu tun hat und wir so im Kopf nicht hundertprozentig wach in allen Situationen waren.“

Letztlich müsse man sich mit dem Ergebnis „begnügen“, so der 35-Jährige weiter. Auf die Frage, worauf Nagelsmann das nicht so hohe Energielevel zurückführte, wusste der sonst so redselige Coach keine Antwort. „Keine Ahnung, ich weiß es nicht“, so Nagelsmann sichtlich angefressen: „Ich führe das auf nichts zurück, es ist eben manchmal so. Schlaf, Ernährung, da gibt es 1000 Gründe, woran das liegen könnte.“

Jetzt war es gegen Union nicht so, dass die Bayern es nicht versucht hätten - ganz im Gegenteil. Auch dieses Mal wieder waren die Münchner wieder die spielbestimmende Mannschaft, hatten ein deutliches Chancenplus, allerdings auch nicht diese Vielzahl der Möglichkeiten, wie in den Partien zuvor. An der Alten Försterei war das Problem, dass die wenigen Möglichkeiten, die sich gegen die Eisernen boten, am Ende nicht genutzt wurden. In den entscheidenden Situationen habe man sich „falsch entschieden“, wie Nagelsmann erläutert.

Nagelsmann-Kritik an seiner Mannschaft: Taktische Disziplin? „Hätten wir heute mehr gebraucht“

Auf fehlende Kreativität will der Trainer dies aber nicht zurückführen, auch wenn in Berlin die Aktionen im letzten Angriffsdrittel ungewohnt ungefährlich waren. Am Ende kritisierte Nagelsmann auch ein wenig die taktische Disziplin seiner Truppe. „Wenn die Energie bei 100 Prozent ist, ist die Taktik nicht so wichtig, insofern hätten wir heute etwas mehr davon gebraucht“, fasst er zusammen: „Wir haben relativ früh die taktische Disziplin über einen Flügel verloren, ich sage jetzt nicht welchen. Das war in den ersten Wochen besser. Heute war etwas mehr Freigeist, dann ist es natürlich schwer, beim Gegner etwas zu provozieren.“

Julian Nagelsmann zeigte sich mit der Leistung einiger Stars beim FC Bayern bei Union Berlin nicht zufrieden.
Julian Nagelsmann zeigte sich mit der Leistung einiger Stars beim FC Bayern bei Union Berlin nicht zufrieden. © IMAGO / Jan Huebner

Ob das indirekt Kritik an Leroy Sané oder Kingsley Coman war? Fakt ist, dass beide offensiven Flügelspieler nicht so effektiv und wertvoll waren, wie in den Spielen davor. Zwar hatte Sané in der ersten Hälfte die einzig richtig große Torchance der Bayern, aber wirklich Zugriff auf die Offensivaktionen hatten weder er noch Coman. Der Franzose traf zudem auffällig oft die falsche Entscheidung (tz-Note 5).

Ergebniskrise oder doch mehr? Nagelsmann erkennt „Problem“ beim FC Bayern

Natürlich haben die Bayern die Messlatte selbst sehr hoch gelegt nach den teils überragenden Leistungen in den ersten Partien der Spielzeit. Auftritte wie gegen Gladbach oder bei Union gehören zu einer Saison dazu. Insofern ist das Wort „Krise“ - wenn überhaupt - tatsächlich nur im Zusammenhang mit „Ergebnis“ zu verwenden.

Allerdings sollte das Spiel bei Union auch eine gewisse Warnung sein. Am Mittwoch geht‘s in der Champions League los, dann muss der FC Bayern bei Inter Mailand ran, das am Samstagabend im Derby gegen den AC Milan mit 2:3 (1:1) unterlag. Italiener können bekanntermaßen ebenfalls herausragend verteidigen, was die Sache ähnlich knifflig machen dürfte wie gegen Union. Die Eisernen sind saisonübergreifend seit zwölf Spielen ungeschlagen, was Nagelsmann zu dem Entschluss brachte, dass die Berliner „so ganz schlecht offensichtlich nicht sind“.

Und so ist Nagelsmann „am fünften Spieltag relativ scheißegal“, dass der FC Bayern nur auf Rang drei rangiert. Deswegen sei seine Laune auch nicht im Keller, das liege eher daran, dass „ich immer gewinnen will“. So bleibt es für die Münchner zu hoffen, dass Nagelsmann am Mittwoch und am kommenden Samstag wieder bessere Laune hat. Denn sonst braucht‘s für das Wort „Krise“ eben nicht mehr den Zusatz „Ergebnis“. (smk)

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