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Nagelsmann-Berater verrät, wie der Wechsel wirklich ablief - „Damit kommst du früh um die Ecke, Hasan!“

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li:Trainer Julian NAGELSMANN (Bayern Muenchen), hi:Hasan SALIHAMIDZIC (Sportvorstand Bayern Muenchen). Fussball 1. Bunde
Er holte Julian Nagelsmann (l.) nach München: Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic. © Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de

Julian Nagelsmanns Wechsel sorgte für viel Aufsehen. Sein Berater Volker Struth verrät in seinem Buch nun neue Details zum Mega-Trainer-Transfer.

München - Noch nie gab es einen Trainer in der Bundesliga, für den mehr bezahlt wurde: Der Wechsel von Julian Nagelsmann von RB Leipzig zu Rekordmeister FC Bayern war der Mega-Deal der Bundesliga im Sommer. Nagelsmanns Berater Volker Struth, der sich kürzlich bereits über den Wechsel geäußert hatte, verrät in seinem Buch „Meine Spielzüge. Aus der Kohlensiedlung zum erfolgreichsten Spielerberater Deutschlands“ (Erscheinungsdatum 28. Oktober im Piper Verlag, 22 Euro, 336 Seiten) weitere Details. Die Bild hatte vorab einige Passagen veröffentlicht. Unter anderem sorgte ein später Anruf von Hasan Salihamidzic für große Gehaltsabstriche bei Nagelsmann.

So schreibt Struth über den 9. März 2021: „Gegen elf Uhr, als ich mich mit Rechtschreibung und Kommasetzung beschäftigte, ging mir jäh auf, dass es noch eine ziemlich große Veränderung im Manuskript geben könnte. Joachim Löw gab bekannt, dass er im Sommer 2021 nach 15 Jahren als Bundestrainer zurücktreten werde. Augenblicklich rannten meine Gedanken: Wer wird Löws Nachfolger?“

Nagelsmann-Wechsel zum FC Bayern: Der erste Anruf von Salihamidzic

Dass Hansi Flick dafür der beste Kandidat sei, sei Struth direkt klar gewesen. Der bräuchte dann allerdings einen Nachfolger beim FC Bayern. „Lief das Drehbuch so, musste der FC Bayern auf Julian Nagelsmann kommen. Ein halbes Jahr zuvor hatte ihn mein Mitarbeiter Sascha Breese für unsere Agentur gewonnen“, erinnerte er sich. Und tatsächlich sei später Hasan Salihamidzic auf ihn zu gekommen und habe ihm erzählt, dass Flick ihm nach dem Ausscheiden in der Champions League gegen Paris erklärt hätte, er wolle den Verein verlassen. Nagelsmann sei Wunschkandidat auf die Nachfolge gewesen.

Nagelsmann-Wechsel zum FC Bayern: „Bis Sonntag steht der Deal, oder ich blase alles ab“

„Ich benachrichtigte Julians Vorgesetzten bei RB Leipzig, Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Er hatte schon, was ein Verhandlungsprofi in solchen Situationen braucht: eine klare Strategie und ein Knurren in der Stimme. Wenn der FC Bayern den Trainer wollte, den er ja gar nicht gehen ließ, würde das nicht nur teuer“, schreibt Struth über den Ablauf weiter. „Das Ganze muss bis Sonntag abgewickelt sein. Ich werde nicht zulassen, dass sich die Verhandlungen ziehen. Wir müssten selbst einen Trainernachfolger bestimmen, das muss alles schnell gehen, damit keine Ungewissheit in der Mannschaft aufkommt. Bis Sonntag steht der Deal, oder ich blase alles ab“, habe Mintzlaff ihm gesagt.

Nächster Schritt auf der Agenda: Bayerns neuer Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn war in der Leitung: „Oliver Mintzlaff habe 30 Millionen Euro Ablöse gefordert. Der FC Bayern hatte neun Millionen geboten. Mit welcher Zahlung der FC Bayern Leipzig entschädigte, war eine Verhandlungssache zwischen den beiden Vereinen. Aber es lag in unserem Interesse, dass ich vermittelte. Ohne eine Einigung zwischen den Parteien würde Julian nicht nach München ziehen“, wird Struth aus dem Buch zitiert.

Nagelsmann-Wechsel zum FC Bayern: Oliver Mintzlaff knurrte ins Telefon

Mintzlaff habe ihn am Telefon angeknurrt, was er für angemessen halte, Struth habe 15 Millionen gebeten, daraufhin wollte Mintzlaff Nagelsmann doch gar nicht erst gehen lassen. „Herr Mintzlaff, jetzt, wo Sie das Buch aufgeschlagen haben, müssen wir zu einer Einigung kommen. Sie können Julian nicht mehr halten“, habe Struth erwidert.

Volker Struth
Er fädelte den Deal ein: Spielerberater Volker Struth. © Christian Charisius / dpa

Nagelsmann-Wechsel zum FC Bayern: Salihamidzic hakt beim Gehalt nochmal nach

Später habe Struth den Anruf bekommen, dass Kahn und Mintzlaff sich geeinigt hätten - auf eine Summe von etwas mehr als 20 Millionen plus möglicher Bonuszahlungen. Alles schien geregelt. Bis plötzlich Hasan Salihamidzic anrief. „Die Kosten für Julians Anstellung seien nun wirklich sehr hoch, sagte er. ‚Kannst du vielleicht noch mal mit ihm reden, ob er bei seinem Gehalt Abstriche macht?‘“, schreibt Struth, was Brazzo zu ihm gesagt habe. „Damit kommst du früh um die Ecke, Hasan. Alles ist fest vereinbart!“, habe Struth geantwortet.

Doch es kam überraschend: „Sascha Breese und ich riefen Julian an. Wir schilderten ihm Salihamidzics Anliegen, und Julian Nagelsmann sagte einfach: „Okay.“ Er verzichtete auf 15 Prozent seines vereinbarten Gehalts.“

Nagelsmann hat also auf sehr viel Geld verzichtet, um zum FC Bayern zu kommen, und Salihamidzic hat dies mit einem späten Anruf erreicht. Bisher hat sich der Deal für die Bayern gelohnt: Nagelsmanns Elf überuzeugt und grüßt von der Tabellenspitze. (cg)

Der FC Bayern musste in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim auf einen verletzten Abwehrstar verzichten – es könnte schon sein letztes Spiel gewesen sein.

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