Vertrag endet früher als erwartet

Rummenigge-Rumms bei Bayern: Boss tritt jetzt schon ab - Effenberg sieht „Mega-Herausforderung“ für den FCB

Karl-Heinz Rummenigge wird seinen Posten als Vorstandsvorsitzender beim FC Bayern räumen. Eine „Mega-Herausforderung“ für den Verein findet Stefan Effenberg.

Update vom 1. Juni, 20.40 Uhr: Der heutige Dienstag markiert das Ende einer Ära beim FC Bayern München. Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kündigte am Vormittag an, sein Amt zum 1. Juli niederzulegen. Sein Nachfolger wird Vereinsikone und Torwart-Titan Oliver Kahn. Eine „Mega-Herausforderung“ für den ehemaligen Welttorhüter findet Ex-Bayern-Spieler Stefan Effenberg.

Wie der 52-Jährige in seiner Kolumne für t-online erklärt, steht der FC Bayern nach seiner Einschätzung vor der wohl größten Umbruch in der Vereinsgeschichte. Neue Führungsetage, neue Trainer und die finanziellen Schwierigkeiten, welche die Corona-Krise mit sich gebracht hat, werden die Bayern in den kommenden Spielzeiten vor enorme Herausforderungen stellen, prognostiziert Effenberg. Dieser Weg muss nun von Kahn, Salihamidžić und Trainer Nagelsmann gegangen werden.

„Ihre Arbeit in den nächsten ein, zwei Jahren entscheidet darüber, wie erfolgreich Bayern in den nächsten zehn Jahren sein wird“, urteilt Effenberg und sieht genau hier das Risiko. Durch den sofortigen Rückzug von Rummenigge rücken Kahn und Salihamidžić in die erste Reihe vor und müssen sich nun auf der größtmöglichen Bühne beweisen. Nicht ohne Risiko.

FC Bayern München: Das Ende einer Ära - Rummenigge hört zum Juli auf

Originalmeldung vom 1. Juli:

München - Überraschung beim FC Bayern München*! Karl-Heinz Rummenigge* räumt seinen Posten früher als geplant. Wie der Rekordmeister verkündete, hat der Vorstandsvorsitzende am 1. Juni seine Vertragsauflösung zum 30. Juni unterschrieben. Eigentlich sollte der langjährige Bayern-Boss noch bis zum 31. Dezember im Amt bleiben - nun tritt er doch früher ab. Vor der offiziellen Meldung hatten bereits Bild, Sport Bild und Welt vom vorzeitigen Rummenigge-Aus berichtet.

Sein Nachfolger ist längst eingearbeitet und bereit für den neuen Posten: Oliver Kahn*. Der einstige Weltklasse-Keeper wird Rummenigges Platz einnehmen. Doch warum das plötzliche Umdenken? Der langjährige Macher hat sich für die vorzeitige Übergabe an Kahn eingesetzt. Denn: Rummenigge wollte klare Verhältnisse schaffen* und die kommende Saison nicht zweiteilen - in eine Phase MIT und eine Phase OHNE ihn.

Rummenigge ziehe sich „auf eigenen Wunsch und in enger Abstimmung mit Präsident und Aufsichtsratschef Herbert Hainer und dem Aufsichtsrat“ zurück, wie die Münchner vermeldeten. Der scheidende Bayern-Boss wird in einer Pressemitteilung wie folgt zitiert: „Es ist der strategisch sinnvollste und logische Zeitpunkt. Wir schreiben das Ende des Geschäftsjahres, zugleich beginnt ein neuer Abschnitt mit einem neuen Trainergespann. Die neue Spielzeit sollte von Beginn an von Oliver Kahn als neuem CEO verantwortet werden - auch im Sinne der handelnden Personen und damit im Sinne der Zukunft des FC Bayern. Ich habe bereits vor zwei Jahren gesagt, dass wir einen umsichtigen Übergang planen, und der wird jetzt endgültig vollzogen. So soll es sein.“

Karl-Heinz Rummenigge übergibt Vorstandsvorsitz an Oliver Kahn: Neue Zeitrechnung beim FC Bayern München

Schon beim bayerischen Königstransfer für die neue Spielzeit hatte sich Rummenigge zurückgehalten: Die Gespräche mit Neu-Trainer Julian Nagelsmann führten Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat die neue Bayern*-Ära begonnen. Am 1. Juli startet dann offiziell die Zeitrechnung „Kahn“.

Rummenigge verabschiede sich mit Zufriedenheit und Stolz. Er sei froh, einen sportlich, wirtschaftlich und strukturell vollständig intakten Klub zu übergeben. „Das war mir wichtig.“ Dem FC Bayern wünscht er nun „von Herzen größtmöglichen Erfolg, weiterhin intakte Werte und ein unerschütterliches Wir-Gefühl. Ich habe bayerisch ja nie gelernt - aber lassen Sie es mich zum Abschied so formulieren: mia bleim mia.“ 

Hainer bedankte sich bei Rummenigge „von ganzem Herzen“. Er habe den FCB maßgeblich geprägt - erst als Stürmer, dann als Vizepräsident und schließlich als Vorstandsvorsitzender. „Zusammen mit Uli Hoeneß formte er den FC Bayern zu einer der besten Adressen im internationalen Spitzenfußball - sportlich wie wirtschaftlich. Es war mir und uns allen eine Freude und Ehre, mit Karl-Heinz Rummenigge zusammengearbeitet zu haben. Sobald es die Corona-Situation zulässt, werden wir ihm beim FC Bayern auch offiziell einen würdigen Abschied bereiten. Der Name Karl-Heinz Rummenigge wird immer eng mit dem FC Bayern verbunden sein.“

FC Bayern München: Oliver Kahn übernimmt zum 1. Juli den Posten von Karl-Heinz Rummenigge

Zur Zukunft der FC Bayern München AG sagte Hainer: „Oliver Kahn wird nun schon zum 1. Juli die Verantwortung an der Spitze der FC Bayern München AG übernehmen. Nach seiner überaus erfolgreichen Profi-Karriere und seiner Zeit als Unternehmer hat er sich jetzt seit eineinhalb Jahren intensiv im Vorstand der FC Bayern München AG eingebracht. Er war bereits in die maßgeblichen Entscheidungen für die Zukunft des FC Bayern involviert und hat mit dem Strategieprojekt FC Bayern AHEAD die Weichen für die nächsten Jahre gestellt. Wir alle sind überzeugt, dass Oliver Kahn der richtige Mann ist, um die Zukunft der FC Bayern München AG erfolgreich zu gestalten.“

Kahn lobte Rummenigge für seine Arbeit in höchsten Tönen. Seine Verdienste könne man gar nicht hoch genug bewerten. Nun sei für ihn die Zeit gekommen, Verantwortung zu übernehmen. „Ich habe in den vergangenen 18 Monaten alle Facetten des Vereins kennengelernt und weiß sehr genau, wie der FC Bayern funktioniert und welche Herausforderungen auf uns zukommen. Ich bin mir der Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung bewusst und freue mich sehr darauf.“

Karl-Heinz Rummenigge: Als Spieler und Funktionär auf Weltklasse-Ebene

Karl-Heinz Rummenigge kam 1974 im Alter von 18 Jahren von Borussia Lippstadt nach München. Beim FC Bayern absolvierte der Stürmer 310 Bundesligaspiele (162 Tore), insgesamt kam er auf 422 Pflichtspiele, in denen er 217 Tore erzielte. Mit dem FC Bayern gewann Karl-Heinz Rummenigge einmal den Weltpokal (1976), zweimal den Europapokal der Landesmeister (1975/1976), zweimal die Deutsche Meisterschaft (1980/1981), zweimal den DFB-Pokal (1982/1984) und mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft (1980).

Zudem wurde er zweimal Europas Fußballer des Jahres (1980/1981), einmal Deutschlands Fußballer des Jahres (1980), und er war dreimal erfolgreichster Torjäger der Bundesliga (1980/1981/1984). Nach zehn Jahren beim FC Bayern wechselte Karl-Heinz Rummenigge 1984 zu Inter Mailand, von 1987 bis 1989 spielte er noch für Servette Genf.

1991 kehrte Rummenigge als Vizepräsident zum FC Bayern zurück. 2002 übernahm er den Vorstandsvorsitz der neu gegründeten FC Bayern München AG. Seit dieser Zeit gewann der FC Bayern zweimal die UEFA Champions League (2013/2020), zweimal den Weltpokal (2013/2021), 14 mal die Deutsche Meisterschaft und zehn Mal den DFB-Pokal. Unter Rummenigges Verantwortung steigerte die AG den Umsatz von 176 Millionen Euro auf 679 Millionen Euro. Zudem verbuchte man in dieser Zeit in jedem Geschäftsjahr einen Gewinn, wodurch die wirtschaftliche Stabilität des FC Bayern gesichert wurde. (akl) *tz.de und Merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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