Es geht um milliardenschwere TV-Deals

Bundesliga-Zoff! Ex-DFL-Boss Rettig schießt scharf gegen Bayern - „Muss schmunzeln, wenn Herr Rummenigge...“

In der Bundesliga tobt ein Machtkampf um die Verteilung der TV-Gelder. FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge teilt nun gegen Konkurrenten aus - und kassiert sofort einen Konter.

Update vom 13. November: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss vom FC Bayern, hat gegen vier Bundesliga-Klubs ausgeteilt. Bei einer Art Geheimtreffen in Frankfurt am Mittwoch wurden die Vereine VfB Stuttgart, FC Augsburg, FSV Mainz 05 und Arminia Bielefeld nicht eingeladen, weil sie sich im Vorfeld für eine neue Verteilung der TV-Gelder ausgesprochen hatten.

Das brachte den ehemaligen DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig jetzt dermaßen auf die Palme, dass er zum Rundumschlag gegen Rummenigge ausholte.

Bundesliga: Bayern-Boss Rummenigge teilt aus - und wird plötzlich selbst zum Opfer

Der 57-Jährige befürchtet einen nachhaltigen Schaden für den Solidaritätsgedanken innerhalb der DFL. „Sollte ruchbar werden, dass man andere Gedanken hat als der FC Bayern oder Kollegen, dann könnte das ja dazu führen, dass man zukünftig auch Persona non grata wird und von allen anderen Dingen ausgeschlossen wird“, sagte er in einem Sky-Interview. „Dann können wir bald den Laden zumachen.“

Es sei „verwunderlich, dass man sich in einer Art und Weise über andere hinwegsetzt und quasi hier Muskelspiele betreibt, indem man sagt: Ihr wart kritisch. Ihr habt mal quergedacht und Gedanken eingebracht - und dafür zur Belohnung dürft ihr nicht mehr an den Tisch“, betonte Rettig, der früher für Freiburg, Köln, Augsburg und St. Pauli im Management tätig war, derzeit aber ohne Amt ist. 

DFL-Streit: Rummenigge kassiert Konter von Rettig

Dann nimmt sich Rettig Rummenigge zur Brust und attackiert den FCB-Boss direkt. „Schmunzeln muss ich natürlich, wenn Herr Rummenigge sich über Geheimtreffen echauffiert oder Geheimpapiere.“ Schließlich habe der Rekordmeister „in Sachen europäischer Superliga oder in der Kirch-Krise nicht nur geheime Gespräche geführt, sondern auch geheime Verträge abgeschlossen. Also dass jemand mit dieser Vita sich dann so aus dem Fenster lehnt, das muss ich sagen, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie.“

Vor allem der Zeitpunkt der aktuellen Diskussion missfällt Rettig: „Sie können doch in der jetzigen Situation nicht hier das Säbelrasseln machen, wo Leute um ihre Existenz sich Gedanken machen.“

Bundesliga: Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern) teilt mächtig aus

Erstmeldung vom 11. November: München - Es ist ein Dauer-Streitthema in der Bundesliga: die Verteilung der milliardenschweren TV-Erlöse. Doch jetzt ist dieser Streit offenbar eskaliert. Mittendrin: Karl-Heinz-Rummenigge, Vorstandsboss des FC Bayern München.

Am Mittwoch, 11. November, trafen sich 15 Bundesliga-Klubs aus erster und zweiter Liga am Frankfurter Flughafen, um über Zukunftsthemen innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu diskutieren.

TV-Gelder in der Bundesliga: Riesen-Streit zwischen FC Bayern München und 14 anderen Klubs

Vor dem Treffen hatten der VfB Stuttgart, der FC Augsburg, der FSV Mainz 05 und Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld gemeinsam mit zehn Zweitligisten in einem Positionspapier die Umverteilung der TV-Gelder zur Saison 2021/22 gefordert. Alleine in der vergangenen Spielzeit hatte die DFL rund eine Milliarde Euro aus nationaler und internationaler Vermarktung an die 36 Klubs ausgeschüttet. Die Unterschiede sind gewaltig, richten sich etwa nach dem sportlichen Erfolg in einer Fünf-Jahres-Wertung.

Kein Wunder: Der deutsche Rekordmeister FC Bayern ist auch in dieser Rangliste die Nummer eins, kassierte laut Fachmagazin Kicker in der Saison 2019/20 knapp 68 Millionen Euro - Auf- und Absteiger SC Paderborn bekam kolportierte 26 Millionen Euro. In dieser Spielzeit gibt es für die Münchner demnach 70,64 Millionen Euro. Also einen Zuwachs, trotz Corona.

Vorstandsboss des FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge.

FC Bayern München: Rundumschlag von Karl-Heinz Rummenigge wegen TV-Geldern in der Bundesliga

Entsprechend entschieden verteidigte Rummenigge an diesem Mittwoch den Verteiler-Schlüssel (siehe Video oben).

Er sprach in einer Presserunde nach einem Treffen von 15 Befürwortern davon, dass 14 andere Klubs „den Fehdehandschuh in den Ring geschmissen“ hätten, „mit einem einzigen Hintergedanken: „Dass sie damit Druck auf das DFL-Präsidium machen wollen, große Veränderungen in der TV-Geld-Verteilung vorzunehmen.“ (pm)

Rundumschlag von Karl-Heinz Rummenigge - das Statement des FC-Bayern-Boss im Wortlaut

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss des FC Bayern München: „Das Thema TV-Geld-Verteilung haben wir gar nicht groß diskutiert. Wir haben auch dazu einen klaren Beschluss gefällt. Wir haben beschlossen, dass der Kompetenzbereich hier exklusiv beim DFL-Präsidium liegt. Wir möchten hier überhaupt kein Positionspapier erarbeiten, um diesem DFL-Präsidium hier irgendwelche Ratschläge zu geben. Das ist unser DFL-Präsidium, das wir vor circa zwölf Monaten gewählt haben. Dieses Präsidium hat das große Vertrauen aller Klubs, die dort anwesend waren. Ich glaube, wir sind gut beraten, wenn wir keine Impulspapiere in diese Republik zu anderen Klubs schicken wie das leider bei anderen Klubs in der Vergangenheit passiert ist. Wir haben nicht den Anspruch, das möchte ich ausdrücklich klar und deutlich sagen, dass wir hier eine G-15 sind. Das sind wir nicht. Wir sind immer bereit, diese Gruppe zu vergrößern, wo gewünscht und notwendig. Allerdings wollen wir auch, dass das Versenden eines Impuls, wie es so schön geheißen hat, von Papieren, in dieser Republik unterbleibt. Weil: Diesen Solidarpakt haben nicht wir gebrochen, sondern den sehen wir bei den vier Bundesligisten und zehn Zweitligisten, die hier den Fehdehandschuh in den Ring geschmissen haben. Mit einem einzigen Hintergedanken: Dass sie damit Druck auf das DFL-Präsidium machen wollen, große Veränderungen in der TV-Geld-Verteilung vorzunehmen. Wir wollen das nicht! Wir haben absolutes Vertrauen zum DFL-Präsidium hier die richtigen und guten und seriösen Entscheidungen zu fällen. Davon sind wir überzeugt. Und wir sollten bitte nicht vergessen: Vor zwölf Monaten ist dieses Gremium gewählt worden. Es sollte das Vertrauen und die Loyalität aller haben, und nicht nur von diesen 15, die heute hier waren.“

TV-Gelder Bundesliga 2020/21Quelle: Kicker
1. FC Bayern München70,64 Millionen Euro
2. Borussia Dortmund69,37 Millionen Euro
3. Bayer Leverkusen67,47 Millionen Euro
4. RB Leipzig65,96 Millionen Euro
5. Gladbach64,54 Millionen Euro
6. TSG 1899 Hoffenheim63,14 Millionen Euro
7. Eintracht Frankfurt60,45 Millionen Euro
8. Hertha BSC59,29 Millionen Euro
9. FC Schalke 0456,17 Millionen Euro
10. VfL Wolfsburg55,18 Millionen Euro
11. SC Freiburg51,50 Millionen Euro
12. Werder Bremen49,87 Millionen Euro
13. FSV Mainz 0546,20 Millionen Euro
14. FC Augsburg42,87 Millionen Euro
15. 1. FC Köln40,34 Millionen Euro
16. VfB Stuttgart39,09 Millionen Euro
17. Union Berlin33,37 Millionen Euro
18. Arminia Bielefeld29,80 Millionen Euro

Rubriklistenbild: © dpa / Martin Rose

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