Klartext vom Bayern-Boss

Interview: Herr Rummenigge, Schließen Sie aus, dass ein Star aus dem FCB-Mittelfeld geht?

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„Der DFL fehlen Vision und Plan“: Rummenigge fordert eine Strukturreform im deutschen Fußball.

Im Merkur-Interview spricht Karl-Heinz Rummenigge über Bayerns Zukunft, das Vertrauen in Kovac, Transferpläne und Riberys Ausklang mit Shisha-Musik.

Während auf den Geschäftsstellen von 15 Bundesligisten Urlaubszeit ist, geht es an der Säbener Straße in dieser Woche noch mal hoch her. Die letzten Arbeitstage von Jupp Heynckes, das Pokalfinale (der Countdown im Ticker), Planungen für die neue Saison– trotzdem nimmt sich Karl-Heinz Rummenigge (62) viel Zeit für unser Interview. In 60 Minuten spricht der Vorstandsvorsitzende über seinen FC Bayern, richtet den Blick aber auch auf den Fußball in Deutschland und darüber hinaus.

Herr Rummenigge, Sie sprachen gerade von Unglück gegen Madrid – Thomas Müller sagte, man müsse sich hinterfragen, weil man in solchen Spielen zuletzt stets ausschied.

Karl-Heinz Rummenigge: Fußballerisch waren wir in beiden Real-Duellen auf Augenhöhe. In Madrid haben alle um mich herum auf der Tribüne in den letzten 20 Minuten hyperventiliert, weil sie Angst hatten, dass wir ein drittes Tor machen. Der Unterschied war, dass wir uns zwei katastrophale Fehler erlaubt haben. In dieser Beziehung müssen wir abgezockter sein. Trotzdem imponiert mir unser Team immer mehr.

Warum?

Rummenigge: Ich war ja auch mal Spieler, und unsere Mannschaft in den Erfolgsjahren 1974 bis 1976 konnte sich für die Bundesliga nicht mehr motivieren. Wir waren immer unter ferner liefen. Das ist an unserer jetzigen Mannschaft der Wahnsinn, wie sie sich im Alltag konzentriert und motiviert. Sechs Mal in Folge Meister zu werden, ist eine unglaubliche Leistung. Und wenn wir Pokalsieger werden, bin ich hochzufrieden.

Heißt: Schulnote eins?

Rummenigge: Eins minus (lacht).

„Zeitabläufe nach außen irritierend“

Das Werben um Heynckes, die Suche nach einem Erben – hätte man da als FC Bayern etwas anders machen sollen oder müssen?

Rummenigge: Wir haben alle versucht, ihn zu einem weiteren Jahr bei uns zu überreden. Die Zeitabläufe waren nach außen irritierend, weil wir bis zum letzten Tag alles versucht haben, ihn zu überzeugen.

Niko Kovac wirkt nun aber wie die 1c-, 1d-Lösung – was entgegnen Sie?

Rummenigge: Die Leute wissen ja nicht, wie alles abgelaufen ist. Hasan Salihamidzic hat – was auch seine Aufgabe war – parallel informelle Gespräche geführt, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Mit dem Gerede über 1a-, b-, c- und d-Lösungen können wir leben. Schauen Sie mal nach Stuttgart, wie kritisch Tayfun Korkut dort erst gesehen wurde. Jetzt ist er ein Held. Wir sind davon überzeugt, dass Niko einen sehr guten Job machen wird.

Nur eine „1d-Lösung“? Niko Kovac ist der neue Übungsleiter des Rekordmeisters.

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Kritiker sagen, der FC Bayern suche in seinen Entscheidungen stets rückwärtsgewandte Lösungen.

Rummenigge: Dazu fällt mir ein, dass die vorwärtsgewandten bei den anderen nicht unbedingt besser funktionieren.

Müller ist die bayerische Identifikationsfigur

Erst Hasan Salihamidzic, nun Niko Kovac, ehemalige Spieler von Bayern.

Rummenigge: Genau. Und Hasan ist ein Glücksgriff. Er ist der beste Sportdirektor, den ich hier seit Uli Hoeneß erlebe. Das war jetzt sein erstes Jahr, er macht den Job verdammt gut. Das sagen nicht nur wir, sondern auch Fachleute – unter anderem Günter Netzer, mit dem ich neulich gesprochen habe. Er sagte mir, dass Hasan ein ganz ausgeschlafenes Bürschchen ist.

Ist dieses Team schwer oder leicht zu führen?

Rummenigge: Dem Trainer Heynckes ist es leicht gefallen, es zu führen.

Wie leicht wird es dem Trainer Nico Kovac fallen?

Rummenigge: Im Verbund mit Hasan wird das gut funktionieren. Uli und ich werden das mitorchestrieren. Ich habe da absolut keine Sorgen. Wir werden auch in der nächsten Saison eine hohe Qualität im Kader haben.

War es die beste Entscheidung der letzten Jahre, Thomas Müller trotz Millionen-Offerten nicht abzugeben?

Rummenigge: Thomas ist unersetzbar, eine bayerische Identifikationsfigur. Für ihn gibt es kein Preisschild. In dem Sommer wird sowieso nicht so dramatisch viel an Top-Spielern über den Tisch gehen. Weil die Vereine, die Top-Spieler haben, sie nicht leicht verkaufen. Denn dann hast du die Problematik, viel Geld zu haben, von dem aber die Konkurrenz weiß.

„Was sollte uns motivieren, Lewandowski zu verkaufen?“

Robert Lewandowski würde viel Geld bringen.

Rummenigge: Aber was sollte uns motivieren, Robert Lewandowski zu verkaufen?

Eventuell sein Wille, den Verein zu verlassen?

Rummenigge: Ich sehe es wirklich so gelassen, wie ich es seit Wochen sage. Wir haben Verträge – und die werden bei Bayern erfahrungsgemäß eingehalten.

Haben Sie kein Bauchgrummeln, dass Lewandowski auch ein Provokateur und Streikfall wird?

Rummenigge:  Nullkommanull. Man darf da generell keine Lücke lassen. Entscheidend ist die Laufzeit der Verträge. Und wenn ein Club das durchziehen kann, sind wir das. Wir haben das bei Ribery auch so gemacht. Da ging es um wahnsinnig viel Geld. Damals war er unglücklich, dass wir die Tür zu Chelsea zugemacht haben. Aber jetzt, zehn Jahre später, ist er happy. Der schließt ja nicht umsonst den Laden bei der Meisterfeier als Letzter ab – mit Shisha-Musik (lacht).

Kann man Lewandowski wegen der Gerüchte einen Vorwurf machen?

Rummenigge: Nein, Robert verhält sich völlig loyal. Und wer die Gerüchte streut, ist uns nicht bekannt. Es ist auch egal. Wir saßen neulich zwei Mal mit Reals Verantwortlichen beim Mittagessen zusammen – es istkein Wort über Lewandowski gesprochen worden.

„Goretzka hat das Potenzial ein Weltklassespieler zu werden“

Sie rechnen nicht mit großen Transfers. Was plant der FC Bayern?

Rummenigge: Wir beobachten alles, ich schließe nichts aus, auch keinen großen Transfer. Wir sind sehr gut besetzt von hinten bis vorne, es besteht wenig bis gar kein Bedarf. Aber wenn irgendwas Hochinteressantes auf den Markt kommen sollte, dann muss man sich möglicherweise damit befassen.

Was erwarten Sie von den Zukäufen Leon Goretzka und Serge Gnabry?

Rummenigge: Ich finde die Entwicklung von Gnabry sehr gut. Bei seiner Verpflichtung vor zwei Jahren war ich ein bisschen der „Spiritus Rector“. Ich habe bei Olympia 2016 die deutschen Spiele intensiv verfolgt, da hat er mir immer wieder das Gefühl vermittelt, dass das einer für den FC Bayern werden kann. Er hat Tempo, ein gutes Dribbling, Torgefahr, er legt auf. Bremen und Hoffenheim waren wichtige Schritte. Er soll jetzt bei uns nicht nur ein Backup sein. Goretzka muss sich in einem starken Mittelfeld behaupten. Er ist ein spannender Spieler, aber noch nicht da, wo er hinkommen kann. Er hat das Potenzial, bei Bayern ein Weltklassespieler zu werden.

Leon Goretzka soll im Mittelfeld der Bayern für Furore sorgen.

Abgänge im Mittelfeld?

Sein früherer Förderer Peter Neururer sagt, er habe gar das Potenzial zu Europas Fußballer des Jahres.

Rummenigge: Das wünsche ich mir. Dann hätten wir einen guten Einkauf gemacht. Zum Nulltarif (lacht). Wir waren vom ersten Tag an überzeugt, haben ihn lange verfolgt. Hermann Gerland hat ihn schon als 17-Jährigen auf dem Zettel gehabt.

Schließen Sie aus, dass einer aus dem stark besetzten Mittelfeld geht? Sebastian Rudy, Arturo Vidal?

Rummenigge: Wir haben das Luxusproblem, dass kein Vertrag ausläuft. Und wir müssen aus finanziellen Gründen niemanden verkaufen. Trotzdem schließe ich nichts aus.

Was passiert mit Renato Sanches, der zuletzt an Swansea ausgeliehen war?

Rummenigge: Er kommt zurück. Kovac wird versuchen, ihn zu früherer Stärke zurückzuführen. Das ist eine spannende Aufgabe. Renato hat zwei schwierige Jahre hinter sich, die meines Erachtens mit seinem Aufstieg als „Golden Boy“ der EM 2016 zusammenhingen. Es war für ihn psychologisch nicht so einfach zu verarbeiten, der jüngste Stammspieler des Europameisters gewesen zu sein. Wir waren vor zwei Jahren total überzeugt von ihm und werden jetzt nicht den Stab über ihn brechen. Im Übrigen hätten wir ihn im Januar schon gerne zurückgeholt, wenn die FIFA-Statuten das zugelassen hätten. Jupp hatte das Ziel, den Jungen wieder nach vorne zu bringen. Er kennt ja die portugiesische Seele aus seiner Zeit bei Benfica Lissabon.

Wenn jemand sagt, die fetten Bayern-Jahre sind vorbei – was sagen Sie?

Rummenigge: Uli und ich müssen aufpassen, dass wir nicht noch fetter werden. Sportlich und wirtschaftlich ist der FC Bayern bestens aufgestellt. Wir sind unter den besten Clubs in Europa, das ist Beweis genug. Ich sehe keinen Grund, warum das im nächsten Jahr nicht wieder der Fall sein soll. Ich sage heute voraus: Die Meisterschaft geht wieder nur über den FC Bayern.

Also kein verflixtes siebtes Meister-Jahr?

Rummenigge: Nein. Das Motto ist eher: Sieben auf einen Streich (lacht).

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Was passiert mit Sanches:

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