Kritik am Jugendwahn und Aufgabe für Kovac

Rummenigge erinnert an besondere Begegnung mit Neuer: „Werde ich ihm nie vergessen“

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Hält große Stücke auf Manuel Neuer: Karl-Heinz Rummenigge berichtet von einem früheren Gespräch mit dem Keeper.

Karl-Heinz Rummenigge ist schon vor dem Saisonstart ein gefragter Mann. In einem Interview spricht der Vorstandsboss des FC Bayern über die Ziele, wichtige Regeln und Manuel Neuer.

München - Wegen seiner Einsätze im Nationalteam im Juni darf Manuel Neuer wie die anderen Internationalen noch bis Freitag urlauben. Während ein Teil der Profi-Mannschaft des FC Bayern bereits am Montag das Training für die neue Saison aufgenommen hat. In aller Munde war der Keeper dennoch - schließlich hatte sein Berater Thomas Kroth in der SZ sowie im kicker die zurückhaltende Transferpolitik moniert.

Darauf angesprochen, nahm Karl-Heinz Rummenigge den Keeper jedoch in Schutz - dieser sei nicht der Initiator der Kroth-Kritik gewesen. Auf Neuer lässt der Vorstandsboss eben nichts kommen. Vielleicht auch wegen einer früheren Erfahrung, von der der Ex-Profi im Interview für das „Sport1 Bundesliga Sonderheft“ berichtet.

Rummenigge schämte sich für „Koan Neuer“-Plakate

Darin erinnert sich Rummenigge an Neuers vorletzten Auftritt als Schalker in der Allianz Arena - dem 1:0-Pokalcoup der „Knappen“ im März 2011. Damals war der designierte Bayern-Zugang von vielen Fans mit „Koan Neuer“-Plakaten begrüßt worden, wofür sich der FCB-Boss „geschämt“ habe. Nach der Partie habe er deshalb die Gästekabine aufgesucht und sich persönlich beim Torwart entschuldigt.

„Er ist damit unglaublich rational und seriös umgegangen und hat gesagt: 'Ich habe nur eine Frage: Stehen Sie und Herr Hoeneß hinter meinem Transfer?'“, gibt Rummenigge die Konversation wieder. „Da habe ich gesagt: '100 Prozent.' Er hat dann gesagt: 'Dann ist alles okay. Dann komme ich.' Das werde ich ihm nie vergessen.“

Für Rummenigge wird „Jugendwahn so langsam überstrapaziert“

Neuer ist für Rummenigge auch ein Paradebeispiel dafür, dass im Fußball jung nicht gleich gut und alt nicht gleich weniger gut bedeute. „Ich bin auch kein Freund des Jugendwahns, da bin ich ganz ehrlich. Das wird in Deutschland so langsam überstrapaziert“, echauffierte sich der 63-Jährige im „Sport1 Bundesliga Sonderheft“: „Wir sollten nicht immer nur 18- oder 19-Jährige verpflichten, denn am Ende des Tages spielt Erfahrung eine große Rolle.“ So seien im Pokalfinale gegen RB Leipzig eben mit Neuer und Robert Lewandowski zwei Routiniers zu entscheidenden Spielern avanciert.

Leipzig zählt Rummenigge auch neben Borussia Dortmund zu den größten Herausforderern in der Bundesliga - gerade mit dem neuen Coach Julian Nagelsmann. Zu beachten sei aber auch „Bayer Leverkusen, die mit ihrem neuen Trainer zumindest in der vergangenen Rückrunde eine gute Entwicklung hatten“. Die zweite Saisonhälfte hatten die Leverkusener unter Peter Bosz auf Rang drei abgeschlossen.

„Anstrengung Champions League ist immer wieder die 'Benchmark'“ für den FC Bayern

Rummenigge schaut aber nicht nur auf die nationale Konkurrenz, betont: „Dieser Klub lechzt nach der Champions League.“ Zugleich gibt er auch zu bedenken, dass in 119 Jahren Vereinsgeschichte erst einmal das Triple herausgesprungen sei.

Und ohnehin sei die Königsklasse eine Herkulesaufgabe: „Ich habe aber den Eindruck, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, diese Trophäe zu gewinnen. Trotzdem: Die Anstrengung Champions League ist immer wieder die 'Benchmark' und das hat weltweit natürlich eine wahnsinnige Ausstrahlung.“

Das waren noch Zeiten: 2013 stemmt Kapitän Philipp Lahm den Henkelpott nach dem Champions-League-Triumph des FC Bayern in Wembley.

„Es muss ein Bayern-System geben, wie es ein Barcelona-System gibt“

Um diese noch einmal genießen zu können, nimmt Rummenigge besonders Niko Kovac in die Pflicht. Denn für ihn sei klar, dass sich „ein Trainer der Spielkultur eines Klubs anpassen“ muss. Der Europameister von 1980 weiter: „Jeder Trainer hat seine Präferenzen darüber, wie ein Spieler in seinem System spielen soll. Nur: Am Ende des Tages muss es ein Bayern-System geben, wie es ein Barcelona-System gibt.“

Bei den Roten hätte sich eben ein System etabliert, „mit dem wir über Jahre und mit unterschiedlichen Trainern sehr erfolgreich waren und welches spektakulärsten Fußball beinhaltete“. Zurückzuführen ist das - was unausgesprochen bleibt - auf Louis van Gaal, der das Flügelspiel mit den hochveranlagten Franck Ribéry und Arjen Robben stärker in den Mittelpunkt rückte. Mit dem System hätte der FC Bayern eigentlich immer mindestens das Halbfinale der Champions League erreicht.

Kovac soll „diese Spielkultur mit unserer verjüngten Mannschaft weiter kultivieren“

Dem Coach gibt Rummenigge folglich mit auf den Weg in dessen zweites Münchner Jahr: „Es wird jetzt eine wichtige Aufgabe von Niko Kovac sein, diese Spielkultur mit unserer verjüngten Mannschaft weiter zu kultivieren.“

Lobende Worte richtet der Vorstandsboss dafür im „Sport1 Bundesliga Sonderheft“ an Hasan Salihamidzic. Den Sportdirektor solle man nicht unterschätzen, denn: „Wenn er loslegt und Fährte aufgenommen hat, dann lässt er nicht so einfach locker. Dabei begleiten wir ihn natürlich, denn der Transfermarkt muss ja auch in einen finanziellen Kontext passen.“ Und das kommt am Ende auch Kovac und dessen Mannschaft zu Gute.

mg

Im zweiten Spiel im Rahmen des International Champions Cup tritt der FC Bayern gegen Real Madrid an. Holen die Roten ihren ersten Sieg? Wir begleiten das Spiel im Live-Ticker.

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