Allianz Arena

Verfilzt und zugesät: Ärger um den Arena-Rasen

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Bei der Bundesliga-Saisoneröffnung in der Allianz Arena: der Rasen wurde mit Sand unterfüllt.

München - Der Rasen der Allianz Arena ist in einem katastrophalen Zustand – einfach ausbauen und erneuern lässt er sich aber nicht.

Er ist eigentlich das modernste, was die Szene zu bieten hat – und dennoch sieht er derzeit wie an einem beliebigen Bolzplatz aus. Der Hybridrasen der Allianz Arena befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Dabei wurde er eben erst zum Spielfeld der Saison 2014/15 gekürt. Und es könnte noch eine Weile dauern, bis der FC Bayern in dieser Sache auf einen grünen Zweig kommt.

Pep Guardiola hatte sich diesen Belag gewünscht, und prinzipiell war dagegen wenig einzuwenden. Hybridrasen ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Mischung aus Naturhalmen und Kunstfasern. Er garantiert ein hohes Maß an Tritt- und Scherfestigkeit, gilt als bretteben und ermöglicht das zügige Kurzpassspiel, das der Münchner Coach bevorzugt, am besten. Nur ist auch Hybridrasen extrem pflegebedürftig. Und im Gegensatz zum Rollrasen nicht einfach so austausch- und erneuerbar. Das Problem zieht sich noch. Mindestens einen Monat.

Bei der Bundesliga-Saisoneröffnung in der Allianz Arena: der Rasen wurde mit Sand unterfüllt.

Alles in allem hilft nur Beleuchtung – und auch die will exakt platziert werden. Mindestens 48 Stunden am Stück muss jede einzelne Stelle im Rasen bestrahlt werden, sonst bringt es nichts, heißt es bei „Deula Rheinland“, das Profi-Kurse für geprüfte Greenkeeper durchführt. In modernen Fußball-Arenen sind die Probleme stets die gleichen: Die hohen Tribünen in unmittelbarer Rasennähe vermindert Sonnen- und Windeinflüsse. Licht lässt sich simulieren. Luftzufuhr eher weniger.

Im Falle der Allianz Arena ist es in diesem Sommer so gewesen, dass die Rehaphase für den Rasen eine Woche später als gewöhnlich eingeleitet werden konnte, da der TSV 1860 noch in die Relegation musste. Das Prozedere ist stets das gleiche: Nach der Saison wird der organische Teil entfernt, danach neu gesät. Nun ist man im Verzug, und das junge Gras wuchs dieses Jahr auch noch unter erschwerten Bedingungen – extreme Hitze, extreme Beanspruchung: Teampräsentation, Audi Cup mit vier Spielen à 90 Minuten binnen zwei Tagen, einige Hawkeye-Tests – und was die Menschen gerne vergessen: Vor jedem Event gab es auch noch Generalproben. Der Rasen kam in diesem Sommer nie zur Ruhe.

Die Spieler beklagen vor allem den vielen Sand, der gestreut werden musste, um die Filzschicht abzumagern. Der Mangel an Luftzufuhr sorgt für eine hohe Verfilzung zwischen den Kunstfasern, und Filz erhöht die Gefahr für Pilzerkrankungen. Die Folge: Das Wasser erreicht die Wurzeln des Naturgrases nicht mehr. Man braucht Gegenmaßnahmen. Sebastian Rodes blutige Knie waren beim Audi Cup Kollateralschäden.

Die Ballartisten im Treibsand. Denn auch die Wasserzufuhr ist in solchen Tagen eine heikle Angelegenheit. Vor jedem Spiel ist der Auftrag der Trainer, das Spielfeld anzufeuchten, damit der Ball auf Touren gelangt. Wenn aber nur wenig Licht und Luft an die Halme kommt, bleibt die Feuchtigkeit länger im Rasen. das erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten. In Augsburg hat der Greenkeeper das Grün deshalb beispielsweise selbst in diesem heißen Sommer in der Regel trocken gelassen, weil er wusste, dass noch genug Wasser eingesetzt wird, sobald der Ball wieder rollt.

In der Allianz Arena wurde nun nach dem 5:0 über Hamburg noch mal neues Gras gesät. Die Probleme, heißt es, hätte es auch mit einem Rollrasen gegeben. Nur hätte da die Möglichkeit bestanden, unter Umständen einzelne Stücke auszutauschen.

Jetzt heißt es abwarten. Und beleuchten. Jede Nacht sind derzeit die Strahler aufgebaut. Moderne Zeiten.

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