Defizite halten sich aber in Grenzen

Die Bayern noch längst nicht in allem perfekt

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Applaus für den Einzug ins Achtelfinale: Die Bayern Benatia, Rode, Ribéry und Lewandowski (von links).

München - Nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League und der souveränen Tabellenführung in der Bundesliga geht es bei den Bayern bis zur Winterpause vordergründig darum, die Motivation zu erhalten

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für die Konkurrenten des FC Bayern. Die gute: die Münchner sind noch längst nicht in allem perfekt. Die schlechte: Defizite offenbarten sie am Mittwochabend nach dem 2:0 gegen den AS Rom in erster Linie im modischen Bereich. Leider nur eine Randnotiz.

Während die Italiener in ihren Anzügen aus dem Stadion flanierten, als hätten sie noch ein spätes Mondschein-Dinner an der Piazza Navona verabredet, schlurften Franck Ribery und Mario Götze so gar nicht date-tauglich davon: die Hosen ihrer Trainingsanzüge steckten unterhalb der Knie in den Stutzen. Das hatte ein bisschen was von Pluderhosen bei „Alibaba und die 40 Räuber“ – sehen so Champions aus? Nun, womöglich.

Die Bayern können sich ja modische Fehltritte durchaus leisten in diesen Tagen, in denen sie in der Bundesliga den Takt vorgeben und nun in der Champions League unerhört vorzeitig die Tickets für das Achtelfinale gelöst haben. Als Gruppenerster. Im schwersten Quartett dieser Vorrunde. So früh schon weiter, das gelang in der Historie der Königsklasse bisher nur Atletico Madrid im Vorjahr. Die stießen danach bis ins Finale vor.

Bilder und Noten: Chapeau Monsieur Ribéry

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Das Endspiel ist natürlich das große Ziel der Münchner, die ab sofort einigermaßen kuriose Rahmenbedingungen händeln müssen. Gegen Manchester City und Moskau geht es in der Champions League lediglich noch um die Siegprämien, ansonsten firmieren diese Duelle unter dem Motto Schaulaufen. Und in der Liga verweisen die Bayern zwar artig auf einen eher überschaubaren Vorsprung (vier Punkte), doch so wirklich glaubt in der Republik ja wohl keiner, dass Gladbacher, Wolfsburger oder Hoffenheimer 2015 die Meisterschale erkämpfen.

Bis zur Winterpause geht es nun vordergründig allein darum, die Motivation zu erhalten. Als pädagogisch wertvoll könnten sich da die Erfahrungen aus der Vorsaison erweisen: Nachdem die Meisterschaft bereits im März festgezurrt war, riss den Münchnern bekanntlich gründlich der Faden. Das soll nicht wieder passieren. „Wir wissen, was letztes Jahr passiert ist“, sagte Robert Lewandowski am Mittwoch. Und das sagt viel darüber aus, wie sehr die Münchner im Thema sind. Lewandowski war letztes Jahr ja noch nicht mal dabei, und trotzdem ist er voll im Bilde.

"Roma, es braucht mehr Bier" - Pressestimmen

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Angesichts der Lage hörten sich die Analysen der Bayern-Profis durch die Bank hübsch gleich an; von Philipp Lahm bis Mario Götze, bei den routinierten Recken schimmerten wie bei den dazugestoßenen Talenten immer die gleichen Inhalte durch: Man habe noch nichts erreicht, man dürfe und werde sich nicht ausruhen, jedes Spiel sei harte Arbeit, die Saison sei noch lang und die schweren Prüfungen stünden erst nach der Jahreswenden-Zäsur an. „Es war auch heute gegen Rom kein Selbstläufer“, meinte Jerome Boateng, „wir wollen weiter ein hohes Level einschlagen, da müssen wir einfach dranbleiben.“ Am Samstag in Frankfurt peile man einen Sieg an, danach geht es in die Länderspielpause, „da soll natürlich noch einmal alles gegeben werden“. Lahm fasste die Parole für die nächsten Wochen, in denen die Bayern eigentlich fast schon Urlaub machen könnten, so zusammen: „Wir werden unser Ding bis zur Winterpause knallhart durchziehen.“ Nix Ferien also, oder zumindest Ferien mit knallhartem Programm.

Pep Guardiola wird an den Automatismen feilen, die Lazarett-Rückkehrer integrieren – all das ohne den allergrößten Druck. Ob der FC Bayern jetzt endgültig Favorit in der Champions League sei, wurde Ribery gefragt. Der zuckte die Achseln. „Keine Ahnung – aber wir sind da.“ In seinem Rücken flanierte gerade Juan Bernat nach draußen. Hosenbeine hochgekrempelt, nicht in die Stutzen gesteckt. Pluderhose mit nackten Waden. Obwohl draußen ein kalter Wind pfiff, so kurz vor Mitternacht. Aber diesen Bayern scheint im Moment ja nichts etwas anhaben zu können.

Andreas Werner

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